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ULB Tirol sowibibliothek Altbestand Inst. für Romanistik

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Studien zur Vokalsegmentierung in Südfrankreich:

Die Diphthongierung offener Vokale im Cevennischen

DISSERTATION

zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät

der Hansischen Universität

vorgelegt von

PAUL FENTROSS

aus Hamburg

Hamburg 1939

Gutachter: Professor Dr. F. Krüger Mitgutachter: Dozent Dr. P. Meriggi

Tag der mündlichen Prüfung: 20. Februar 1937

| Infiitut f. Romaniihe Philologie Univerfität Innsbrud

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He ee er Fe Druck: Hansischer Gilden-Verlag, Hamburg 11, Admiralitätstraße 33/36

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Inhaltsübersicht. Seite

Morseichuin Ger besuchten Orte ;: |... en..n. un. un ee ae Der Lautbestand des Cevennischen .. .- + 2 ze en en ne un ne 0. 9 Die sfrz. Vokalsegmentierung Eee Br BER PERF TRETEN Die Segmentierung offener Vokale Diskihenkleriig? REEL ART ESBE 2 nn

I. Die aprov. Diphthongierung von [@] und [Öll .. ». 2 se ee nen. 16

a) [6] vor Palatal 1 PREMIERE a1) fJ+ WI < -DI-, -VI-, -J- .. ERDE en era ee ee = + <eiLLh er a3) [6] + Il < -NGE en een Tat er a4) HI + UF < -CT- .. .. . a ee a5) [6] + ls] < -SI-, -CS- (= _xX- = -STI- _STE,) Bra alte hr < -RI- .. un un er a ee Mer: A er Fr EN TI ne ne ee N N Te

II. Die jüngere Diphthongierung von [6] a a a 8) 10]. vor Nail -.. .. .. : a er aı) [5] +n < -NVOK, Das sog. nticbie a ee a BER EEE EA EEE BE a ET AT BE ERE BI

a4) [61] +n < -NKONS erh Bksanger

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1 Die Veröffentlichung des Materials zur aprov. Diphthongierung von [@] ist zurückgestellt. Das Entwicklungsergebnis im Cey., wie in den benachbarten lang. und prov. Mundarten ist [ye]; vgl. Ronjat I, 151—154,

ar 10) vor Ziechlaut .. ... se 3 dı) [61 +s < -S, -SVOK, -SSVOK „. de) [I + s < -SKONS .. ..

e) [6] vor sekundärem Palatal ..

EIHIOF FIT << "ER 2 en e) [)J+ir < -D.R- es) [6] + & im frz. Lehnwort ..

III. Zusammenfassung a) Geographische Übersicht

b) Die Entwicklung der [ö6]- Diphthonge ae

Verzeichnis der Abkürzungen

Abhandlungen und Texte .. Dichtungen in cev. Mundart .. .. Wörterbücher und Atlanten .. ZEIISCHTIITEN 2, .0 0.00... me SODSHLES u... . uk ie ne

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Vorbemerkung.

Die vorliegende Arbeit soll ein Versuch sein, auf Grund der im Be- reich des Cev. und benachbarter lang. und prov. Mundarten feststellbaren Entwicklungsverhältnisse das Problem der Vokalsegmentierung im Sfrz. zu erläutern. Wir beschränken uns hier auf die Diphthongierung der offenen Vokale [e] und [ö], die in ihrem Wirkungsumfang den Segmen- tierungserscheinungen der anderen Vokale überlegen ist; doch sind wir uns bewußt, daß zur Erörterung prinzipieller Fragen die Einbeziehung aller vorkommenden Segmentierungserscheinungen notwendig ist. Zu- grunde gelegt ist in erster Linie modernes Wortmaterial, das ich auf einer volkskundlichen Studienreise in das Gebiet der Cevennen im Sommer 1931 an Ort und Stelle gesammelt habe, und bei dessen Sichtung sich der Plan zu vorliegender Untersuchung ergab. Die Aufnahmen selbst sind nach dem Gehör gemacht; die Auswahl der Befragten erfolgte nach dem Gesichtspunkt, die in ihrem Bestand durch das Vordringen des Frz. stark gefährdete bodenständige Mundart möglichst unverfälscht zu erfassen.

Die Anregung zu dieser Arbeit gab mir Herr Prof. Dr. F. Krüger, dem ich für seine wohlwollende Förderung und gütige Unterstützung bei der Durchführung zu aufrichtigstem Dank verpflichtet bin. Auch Herrn Dr. W. Schroeder gilt mein ganz besonderer Dank. Herrn Prof. Dr. G. Millardet verdanke ich wertvolle Empfehlungen.

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Verzeichnis der besuchten Orte (Dep. Gard).

Ncev. 14 = St. Croix-de-Caderle

Gegend von Ales:i e— _. 16 = Pintar.

1= Ales

2 = Airoles Ocev.

3 = St. Jean-du-Pin n

4 & es Plots Gegend von Sume£ene:

5 = St, Sebastien. 17 = St. Roman-de-Codieres 18 = Les Lieures

Gegend von St. Jean-du-Gard: 19 = Carcelade

6 = Montezorgues 20 = Sume£ne

7 = Aubignac 21 = Ganges (Döp. H£rault).

i = oo d Gegend von Valleraugue:

10 = Peyrolles 22 = Le Mazel

11 = Les Ondes. 23 = La Pieyre.

on von Lasalle: Gegend von St. Andr&-de-Valborgne:

= Bebes 24 = Tourgueille ns = La Bernadelle 25 = St. Flour.

1 Die ältere Schreibung Alais ist laut amtlicher Verfügung vom 29. Juli 1926 durch die mundartliche Form Ales (< ALESTUM) ersetzt worden. 7

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Der Lautbestand des Cevennischen.

$ 1. Die Angaben in runden Klammern sind örtliche bzw. stellungs- bedingte Lautschattierungen!.

Konsonanten: bilabial: [b] [pl ([8]) [m] labiodental: ([o)) alveolar: [d] IE] U Pl (dd) I] Is [n] koronal-palatal: [y] [2] (zZ) (LSI) (EIN (TED Ir] dorsal-palatal: [2] 19] velar: [9] Ik] (le) (I CL) (RD) [n] Vokale: [‘] [ü] [e] (Le]) [le] [a] ([ä]) [o] ([0]) [u] Diphthonge: [iu] [ei] [eu] [ei] [eul Ivel [wel [üel [ai] [au] [ya] [wa] [9%] [ou] [vol [wel [ui]

Hinzukommen die (durch folgenden implosiven Nasal) schwach nasa- lierten Vokale. Sie bilden kein funktionell unabhängiges System,? da die Entwicklung der Nasalierung nicht bis zum Schwund des Nasal- konsonanten vorgeschritten ist, vgl. $ 33. Bezeichnung: [ä].

1 Zur Abgrenzung der Begriffe ‘Sprachlaut’ und ‘Lautschattierung’ vgl. Forch- hammer Phon. 11—16. 2 Anders im Frz.; vgl, Martinet BSL XXXIV, 191—193.

Zu den einzelnen Lauten:

8 2. Konsonanten.

[6]. Die Reibung kann stärker oder schwächer sein, letzteres besonders im Ocev.; [b] erscheint zumeist nur in intervokaler Stellung als Ent- sprechung für [b], für [v] nur da, wo [v] mit [b] vereinheitlicht wurde, und zwar im Öcev., sowie im Ncev. des Kantons St. Jean-du-Gard, örtlich im Kanton Lasalle (z. B. Soudorgues), jedoch nicht in Lasalle selbst und dessen naher Umgebung.’

[dv]. Im größeren Teil des Ncev., vgl. unter [b].

[d]. In intervokaler Stellung ist Lockerung der Verschlußbildung be- obachtet, jedoch nicht Übergang in einen homorganen Reibelaut.?

[r]. In intervokaler Stellung und im Wortausgang ist das Rollen besonders schwach. [r] < -RR- ist etwas stärker gerollt als [r] < -R-, vgl. 8 39.

[4]. Dasselbe, jedoch ungerollt und mit schwacher Reibung?. [«ı] er- scheint für [r] fast durchgängig nach abschwellenden Diphthongen.

[y]. In Anlautstellung besonders starke Reibung;® in intervokaler Stellung hört man zuweilen Ansätze zu einem unsilbischen Anglitt; wo dies besonders deutlich schien, wurde [iy] geschrieben. [y] begegnet als erstes Element anschwellender Diphthonge, als Übergangskonsonant, in frz. Lehnwörtern und regional als Reduktionsstufe des [?].

[?]. An- und inlautend im Ocev. (jedoch im Kanton Sum£ne auch [y]), im Ncev. nur örtlich im Kanton St. Jean-du-Gard, sowie in den nördlich und westlich angrenzenden Gebieten. Sonst durchweg [y]. | [2]-e Koronaler Rillenlaut mit präpalataler Artikulationsstelle, die Zungenspitze ist etwas verdickt, die Rillenbildung erfolgt breiter als beim [z]. [2] kann für [z] eintreten vor folgendem [i] bzw. [y].

[$]. Dasselbe stimmlos. Kann für [s] eintreten vor folgendem [i] bzw. [y], sowie im Auslaut nach [i].

[$]- Koronale Affrikata mit präpalataler Artikulationsstelle; ALF [dj]. Erscheint vereinzelt statt [ö], besonders in frz. beeinflußten Wörtern.”

[&]. Dasselbe, stimmlos. Statt [©] wie [g] statt [9].

3 In Colognac v nach den Schreibungen bei Fesquet, vereinheitlichtes b nach Ronjat II, 6.

4 Wie es Zaun $ 145 in Aniane festgestellt hat.

5 Vgl. Roudet 135—136, Jespersen Phon. 33, Zaun Nr. 23.

6 Ohne hingegen zur Affrikata fortzuschreiten, wie es im Lang. von Aniane möglich ist, Zaun $ 215.

7 Vgl. Zaun Einleitung.

10

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[9]. Dorsale Affrikata mit prä- bis mediopalataler Artikulationsstelle;? ALF [djy] u.ä. erwecken den irrtümlichen Eindruck, als ob die einheit- liche Affrikata ein [y]-Element absondern würde.?

[€]. Dasselbe, stimmlos; es gelten die gleichen Bemerkungen.

[9]. Erscheint in intervokaler Stellung und ist [9] mit gelockerter Ver- schlußbildung bis schwacher Reibung. Vgl. unter [5], [d].'°

[{]. Velarer Seitenlaut mit Hebung bzw. Anlegung der Vorderzunge

gegen die Alveolen; Gradunterschiede der Velarisierung sind vorhanden. [?] erscheint vorwiegend nur in implosiver Stellung (88 45—47), gelegent- lich auch intervokal in velarer Umgebung (8 43).

[r]. Velarer, schwach gerollter Zitterlaut mit dorsaler Artikulation." [r] kann für [r] erscheinen vor allem in velarer Umgebung bzw. im Aus- laut ($ 39), sowie in frz. Lehnwörtern; intervokales [f] für [f] in der Gegend von Florac ($ 43).

[R]. Dasselbe, jedoch ungerollt und mit schwacher Reibung." [r] kann im Wortauslaut für [r] eintreten. Häufig geht der Stimmton wenigstens teilweise— verloren. Der Laut kann, und zwar besonders deutlich in seinem Endteil, in einen uvularen stimmlosen Reibelaut übergehen; Schreibung [-Rr].

8 3. Vokale. [@ä]. Schwach gerundet und von dunklerer Klangfarbe als [a] in frz. äme.

[@ä] ist Zwischenstufe beim Übergang [a] > [9:] und erscheint statt [a] zuweilen im Ncev. (im Ovec. durchweg [9*]).

[*e], [0] = die Nachtonvokale der Auslautsilbe; sie erscheinen stets ver- kürzt, womit eine Tendenz zur Verengung des Kieferwinkels bzw. auch des Zungenabstandes einhergeht. [!e] hat etwa die Klangfarbe des [e];

8 ALF verzeichnet in zahlreichen Fällen einen Rauschlaut [2], also Aufgabe der Verschlußbildung; nach meinen Beobachtungen ist dies nicht in der bodenständigen Mundart, wohl aber bei frz. beeinflußter Aussprache oder zuweilen in frz. Lehn- wörtern der Fall, vgl. Lamouche Gr. 27—28. ALF hat vereinzelt auch [dz] (= alveolare Affrikata), was sich durch die der bodenständigen Affrikata eigenen Schattierungen bzw. durch Einfluß der prov. Mundarten im Süden erklären läßt.

9 Wie es Ronjat I, 93 z.B. für Uzes, Caveirac, Aigues-Mortes, Lode&ve auch tat- sächlich annimmt.

10 „Daß alle drei [-b-, -d-, -g-] stets zusammengehen“ (Zaun $ 145), läßt sich für das Cev. nicht erweisen, sondern lediglich eine allgemeine Tendenz zur Lockerung der intervokalen stimmhaften Verschlußlaute.

11 Entspricht etwa dem ‘r parisien’, nicht dem ‘r grassey@’, vgl. Grammont Phon. 73,

12 Vgl. Roudet 137.

11

[0] etwa die des [o], der Kieferwinkel erscheint bedeutend verengter als bei der Artikulation des [o], so daß der [o]-ähnliche Klang möglicherweise durch eine geringe Tieferstellung der Zunge erreicht wird!s. ALF hat Ales [0] (gegenüber Sumene und Florac [o]), doch kann ich aus eigenen Gehörseindrücken ein ausgesprochenes [-o] nicht bestätigen!%,

$& 4. Diphthonge.

Des einheitlichen Einteilungsprinzips halber belassen wir diese Be- zeichnung auch solchen Verbindungen, die sich durch stärkere Verengung des unsilbischen Anfangsteiles zur Aufeinanderfolge Reibelaut + Vokal entwickelt haben.'® In physiologischem Sinne sind dies keine ‘Diphthonge’ mehr, denn mögen auch die beiden Elemente artikulatorisch bis zu einem gewissen Grade voneinander abhängen,!® so bilden sie auf Grund ihrer Organstellungen, ihres akustischen Eindruckes und ihrer Funktion inner- halb der Silbe doch eine Konsonant-Vokalverbindung.!?

Bei [eu] und [au] kann das zweite Element auch stärker gelockert sein, d.h. zu o hinneigen.

$ 5. Die Akzentstelle wird durch den ‘accent aigu’ bezeichnet, der Gegentonvokal!® im Wortgefüge durch den ‘accent grave’.

Die Akzentangaben des ALF stehen vielfach im Widerspruch zu den Aufnahmen von anderer Seite (so auch zum Teil zu meinen eigenen aus dem Cev.) und bedürfen daher einer Nachprüfung. Für die zahlreichen ‘Abweichungen’ des ALF mögen Hörfehler, erkünstelte Isolierung des abgefragten Wortes bzw. unorganische Herauslösung aus einem vielfach nicht angegebenen Satzzusammenhang verantwortlich sein.!?

Länge und Kürze bleiben als ‘zu relative Begriffe’ unberück- sichtigt. Beobachtungen über Satzmelodie, emphatischen Druck und Sprechrhythmus liegen nicht vor.

13 Der Velarvokal zeigt also größere Widerstandskraft als der Palatalvokal (vgl. Ronjat I, 205). Über die aus der Reduktion von Energie und Dauer der Artikulation resultierende, weit verbreitete Tendenz zur Schließung der Auslautvokale vgl. Juret BSL XXIII, 144—147.

14 In keinem Fall ist das cev. [?o] „un son moyen entre l’o ouvert et l’e feminin francais“, wie Sauv. und Homb. es angeben.

15 Auch das Frz. hat seine anschwellenden Diphthonge auf diese Weise ein- gebüßt, vgl. Bally Ling. 168.

16 Rosetti BLR II, 25.

17 Vgl. de Saussure 95—96; Fouch& RLR LXVI, 237; Bally Ling. 270—271.

18 ‘voyelle contretonique’, Ronjat I, 285—286.

19 Vgl. Thomas N. ess. 346—350; Dauzat M£th. 63; Grammont RLR LVII, 497; Seifert ASNSL CXXXIV, 387—394; Ronjat II, 332,

20 Fleischer 3.

12

Die sirz. Vokalsegmentierung.

8 6. Das Problem der sfrz. Vokalsegmentierung ist nicht immer unter einem einheitlichen Gesichtswinkel behandelt worden. Man pflegt die einzelnen Fälle in zwei große Gruppen einzuordnen: die der eigentlichen ‘Diphthongierung’ und der sog. ‘vokalischen Übergangslaute’. Ein ent- wicklungsgeschichtlicher Zusammenhang zwischen beiden Gruppen wird vielfach gar nicht anerkannt, d.h. beide Erscheinungen werden als grund- sätzlich verschieden aufgefaßt.

Nach herkömmlicher Ansicht hat nur bei der 'Diphthongierung’ eine durch die Stellung des Vokals bzw. den Einfluß seiner lautlichen Um- gebung bedingte Verzweifachung des Vokals stattgefunden. Folgt jedoch dem Vokal ein in seiner Organstellung stark gegensätzlicher Laut und geht der Endteil des Vokals in eine Zungenstellung über, die zwischen den beiden aufeinander folgenden Lautstellungen liegt, so spricht man von einem ‘vokalischen Übergangslaut’. Hier wird die Segmentierung also nicht unmittelbar auf die Laute selbst, sondern auf die sie verbindenden Elemente bezogen, indem die Zunge den Übergang von dem Vokal auf den folgenden Laut mit gegensätzlicher Zungenstellung nicht ruckartig vollzieht, sondern erst die dazwischen liegenden Stellungen durchläuft. Wenn nun innerhalb dieses Überganges eine geringe Verzögerung eintritt, kann, da der Sprechakt keine Unterbrechung erfährt, eine dieser Phasen als hörbarer ‘Gleitelaut’ ins Dasein treten.

Nach diesem aus äußerlichen Begleitumständen abstrahierten Glie- derungsprinzip wäre also die Segmentierung des [6] in OC(U)LU > aprov. uolh, uelh ($ 17) als ‘Diphthongierung’, die Segmentierung des [i] in FILU > prov. fiel, fiat, fieu als Entwicklung eines ‘Gleitevokals’ zu bezeichnen.

Die Berechtigung einer solchen Einteilung wird aber schon zweifel- haft, wenn in gewissen Fällen eine Zuordnung zu beiden Gruppen mög- lich erscheint, so z.B. MEL > im Rouergue?! und Limousin mial. Hier kann ‘Diphthongierung’ (Differenzierung des [E] veranlaßt durch Ein- wirkung des velarisierten, d.h. reduzierten Laterals auf den vorher- gehenden Vokal”) und Ass. des zweiten Diphthongelementes an den folgenden Velar eingetreten sein: met > myet > myät; aber man könnte auch zwischen [&] und [2] einen vokalischen Übergangslaut [a] vermuten, „der den Ton auf sich zieht“, und „e wird im Hiat zum Gleitevokal y“?®: met > *medt > mydt.

21 Z2.B. im Kanton Nant (Vayss.). 22 Vgl. Wallensköld MSGr 385—386. 23 Buckenmaier 12, 20, 65.

13

Faktisch hat die letztere Annahme jedoch wenig Wahrscheinlichkeit für sich: die gleichmäßige Ausbildung und lautgesetzliche Einführung eines retardierenden Momentes zwischen den beiden aufeinander folgen- den Lauten innerhalb der gleichen Silbe bleibt in jedem Fall hypothetisch.

Die Tatsache des unvermittelten Übergangs von einer extremen Organstellung in eine andere vermag von sich aus das ‘Selbständig- werden’ eines sog. ‘Gleitevokals’ nicht hinreichend zu erklären; eine lang- same Gleitbewegung der Organe beim Übergang kommt praktisch nur sehr selten und nicht durchgängig vor, „dagegen in den allermeisten Fällen ein momentanes Hinüberschlüpfen, also eher ein Sprung“.* Man wird auch nicht behaupten können, daß die Aufeinanderfolge extremer Zungenstellungen von der Sprache als unbequem empfunden würde,? zumal sie doch eine nur relativ geringe Änderung des Mundöffnungs- grades bedingt. Die „Änderung der Organstellungen geschieht zum großen Teil innerhalb der Artikulationsbereiche der betreffenden Sprach- laute“,?® und da eine akzentuell bedingte Erhöhung des Druckgipfels bei der Entwicklung der ‘Gleitevokale’ nicht vorausgesetzt werden darf (sfrz. iu > iey tritt auch in Vortonsilben auf?”), kann nach dem Gleichgewichts- prinzip der artikulatorischen Kräfte (‘tendance ä l’iso-Energie des syllabes’”) der ‘Lautzusatz’ immer nur ein Segment des Lautes sein, innerhalb dessen Artikulationsbereich der Übergang einsetzt. Der sog. ‘Gleitevokal’ kann demnach nur als der unter der Einwirkung des folgen- den Lautes differenzierte Endteil des ersten Lautes, also des Vokals auf- gefaßt werden; mithin liegt auch bei den ‘vokalischen Übergangslauten’ zwischen Vokal und Konsonant bzw. Halbvokal eine Vokalsegmentierung zugrunde, die mit der ‘eigentlichen’ Diphthongierung prinzipiell identisch ist.?®

Das Ergebnis einer Vokalsegmentierung ist nicht immer ein Diphthong, es kann auch ein Konsonant sein, z. B. CUBARE > cev. [kuä] (zweisilbig), [kwa] (einsilbig) gegenüber [kuwä, kuga].

25 Forchhammer Phon. 35; vgl. auch Sommerfelt BSL XXIV, 138—139.

25 So z.B. Schneider 38.

26 Forchhammer 1. c.

27 Auch il > iel£ > ial+ beruht auf selbständiger Segmentierung des Vor- tonvokals, vgl. Michelly 16—20.

28 de Groot BSL XXVII, 33.

29 Auch die von Michelly 15 geforderte Trennung der Vokalsegmentierung in eine „echte Diphthongierung vor -l- und -!“ und einen „Gleitlaut zwischen palatalem Vokal und velarem I“ ist nicht annehmbar. Die im Velay festgestellte „Verschieden- heit der Behandlung zwischen el und ell“ (Diphthong vor el, Monophthong vor ell, dagegen ‘Gleitlaut’ vor ells) bekundet keinen prinzipiellen, sondern nur einen graduellen Gegensatz, da die Tendenz zur Segmentierung von dem zeitlich und räumlich verschiedenen Grad der Reduktion der Laterale abhängig ist. Mundarten

14

Die Segmentierung offener Vokale ("Diphthongierung').

8 7. Man pflegt seit langem eine ‘spontane’ und eine ‘bedingte’ Diphthon- gierung zu unterscheiden. Diese Bezeichnungen sind allerdings nicht ganz sinnentsprechend. ‘Spontan’, d.h. im Sinne eines bedingungslosen ‘von selbst’, können die Bewegungsunterschiede innerhalb der Artikulation. eines Vokals niemals zu akustisch empfundenen Unterschieden gesteigert werden, ‘bedingt’ ist darum jedwede Diphthongierung. So ist z.B. die frz. Diphthongierung [e] > [ei] eben nur insofern ‘spontan’, als sie ohne Einwirkung benachbarter Laute vor sich geht; als Differenzierungsvor- gang ist sie hingegen in entscheidendem Maße durch die Stellung in freier Akzentsilbe ‘bedingt’.

Überdies wird sich eine nach den angedeuteten Gesichtspunkten ge- troffene Unterscheidung nur da ganz folgerichtig durchführen lassen, wo die Wirksamkeit nur einer der beiden Kategorien in Frage kommt. Jeden- falls ist die Diphthongierung nie allein von der jeweiligen Qualität des Vokals abhängig; stets müssen besondere veranlassende Faktoren vor- handen sein, sei es die Wirkung des Akzentes, der benachbarten Laute oder der silbischen Stellung des Vokals, oder sei es die Wirkung des Sprechrhythmus. Meist werden diese Faktoren nicht allein, sondern erst in ihrer Zusammenwirkung die Diphthongierung hervorrufen.?

Vom physiologischen Standpunkt aus betrachtet ist der Mechanismus der Diphthongierung in beiden Kategorien offenbar der gleiche, nämlich eine wachsende kinetische und dann auch akustische Differenzierung innerhalb der Artikulation eines einheitlich empfundenen Vokals. Die Beeinflussung durch einen Nachbarlaut ist mit diesem Vorgang natur- gemäß prinzipiell nicht identisch, denn sie stellt nicht selbst die Diphthon- gierung dar, sondern ist nur als begünstigender Faktor an der Schaffung der Voraussetzungen für eine Diphthongierung beteiligt, vgl. $ 58.3!

Im Cev. (wie in den meisten sfrz. Mundarten) ist die Diphthongierung stets durch einen Nachbarlaut ‘bedingt’. Es ergeben sich folgende Gruppen:

mit früher ‘Vokalisierung’ des -Il zeigen daher auch Segmentierung eines voraus- gehenden [e], vgl. Schroeder 203.

30 Für das Frz. erkannte schon Voretzsch SF 631, daß „eine Reihe von Fällen, die man unter die spontane Diphthongierung zu stellen pflegt, sich auch aus der bedingten Diphthongierung erklären ließen“.

31 Dagegen will z.B. Fouch& Et. 16—21, 24—27 zwischen ‘spontaner’ und ‘be- dingter’ Diphthongierung einen Unterschied im Entwicklungsprinzip begründen. Aber Fouch& trennt bei der bedingten Diphthongierung offenbar nicht ‘Bedingung’ und ‘Wirkung’: die Abhängigkeit von bestimmten Nachbarlauten ist eine den (einzel- sprachlich wechselnden) Wirkungsumfang der Diphthongierung bestimmende Kor- relation; die ‘Wirkung’ dieser ‘Bedingung’ auf den Vokal bewegt sich jedoch in der- selben Entwicklungsrichtung wie die der ‘spontanen’ Diphthongierung, vgl. $ 55.

15

1. Die aprov. Diphthongierung von [€] und [0]. a) vor Palatal, b) vor Velar. 2. Die jüngere Diphthongierung von [6]. a) vor Nasal, b) vor Zitterlaut, c) vor Seitenlaut, d) vor Zischlaut, e) vor sekundärem Palatal.

IL. Die aprov. Diphthongierung von [el und [öl].

8 8. Sie begegnet in den aprov. Quellen meist fakultativ.?” In der Neu- zeit erscheint die Entwicklung vor Palatal im gesamten sfrz. Sprach- gebiet,?? ebenso die Entwicklung vor Velar bei BOVE und OVU/,# die übrigen Beispiele sind nicht immer einheitlich behandelt und zeigen besonders im westlichen Südfrankreich unter dem Einfluß regional wirk- samer Bedingungen keine Diphthongierung.® [6] vor -k < -CU bleibt in einem großen Teil des südwestlichen Languedoc.

Über das Alter dieser Diphthongierung gehen die Ansichten ausein- ander. Nach Ausweis der Sprachdenkmäler dürfte sie sich etwa zwischen dem 11. und 13. Jahrh. in der südlichen Galloromania durchgesetzt haben.’® Doch wird in der gesprochenen Sprache ein mehr oder weniger regional begrenztes Auftreten als ‘Lautgesetz’ bzw. als ‘fakultative Lauterschei- nung’ sicherlich schon weiter zurückreichen, etwa bis auf das 7. Jahrh.;?? der genaue Zeitpunkt wird nicht nur räumlich, sondern auch für die einzelnen Lautfolgen verschieden gewesen sein.’®

Nach Tuttle MPh XVI, 586-590 hätte die Diphthongierung bereits zwischen dem 3. und 5. Jahrh. stattgefunden; nach Reichenkron ZFSL LVIII, 170 Abschluß der

32 Wobei aber zu bedenken ist, daß die Schreibungen mit der fortschreitenden Lautentwicklung meist nicht gleichen Schritt halten, in konservativem Sinne wirkt auch die Schwierigkeit der graphischen Wiedergabe der neu entstandenen Diphthonge, vgl. Meyer-Lübke Diphth. 349, Schroeder 160.

33 Außer an der kat. Sprachgrenze, Krüger Lang. $ 33, Salow $& 16.

34 Wie Anm.33, Krüger Lang. $ 34, Salow $& 16.

35 Millardet Et. 209—210; Schneider 17—18; Ronjat I, 182—183.

36 Vgl. Bourciez $ 264c; Grandgent Prov. $ 30; P. Meyer MSL I, 147; Philipon Ro I, 399; Schroeder 160; Henke 4.

37 Vgl. Grandgent Prov. $ 30.

38 So bieten die ältesten Urkunden (bis 1200) bei Brunel für [&] + Pal. (aus- genommen -ARIU, -ARIA) und [6] + Vel. noch keine Diphthongierung, dagegen für [61 + Pal. schon Beispiele mit der Stufe ue; andererseits kennt Schroeder 160 aus Marseille bereits für die Mitte des 11. Jahrhs. Belege mit Diphthongierung von [et Fal

16

Diphthongierung etwa mit dem 6. Jahrh. Beide fordern dies, um die Diphthonge vor Velar als eine durch auslautend -:, bedingte Umlauterscheinung auffassen zu können (dazu $ 56), vermögen jedoch folgende Bedenken nicht zu zerstreuen:

1. Es besteht keine Veranlassung, alle aprov. Formen mit Monophthongen ins- besondere die der ältesten Texte als ‘graphies traditionelles’ (Fouch& Dipht. 24) zu deuten. Gerade die Diphthonge vor Velar haben sich nach dem Material bei Brunel - vor 1200 nicht durchgesetzt. 2. Die regelmäßige Bewahrung von [6] und [6] vor den ursprünglichen Palatalverbindungen -CE, -TI-, -TTI-, -PTI- (Beispiele bei Voretzsch SF 594, 603—604; Grandgent Prov. $ 30) zeigt, daß diese bereits vor Einsatz der Diphthongierung ihren palatalen Charakter verloren und sich zu Alveolarlauten ([ts, dz2] > [s, z]) entwickelt hatten, ein Vorgang, der kaum schon vor dem 6. Jahrh. abgeschlossen war (vgl. die chronologischen Aufstellungen für das Frz. bei Richter Phon.). Reichenkron ZFSL LVIII, 168 hält einen diphthongbedingenden Palatal hier nicht für gegeben, weil „der Explosivlaut erhalten bleibt“, und zwar bei -TI- durch ‘Gemination’. Aber bei -CE, dessen Entwicklung in der Galloromania von -TI- nicht getrennt werden kann (Ronjat II, 11), ist die Voraussetzung einer Gemination (d.h. „hiatus-i ... after a main-stressed vowel“, Tuttle MPh XV, 183) nicht gegeben; zur Frage vgl. Haberl ZRPh XXXIV, 35—47; Juret Phon. 153—155. Im übrigen ergibt -TI- im Gegensatz zu -TTI- inlautend stets stimmhafte Lautungen (aprov. iz, 2, Ronjat II, 88), bekundet also eine stärkere Ass. an seine lautliche Umgebung und frühe Lockerung des Explosivlautes (Aussprache mit palatalem s-Abglitt bereits im 4.—5. Jahrh.; vgl. Juret Phon. 160—161; Richter Phon. 81—84, 153); eine homorgane palatale Affrikata ist daher als Zwischenstufe unabweisbar.

$ 9. Die äußeren Bedingungen für die Diphthongierung von [&] und [ö] im Aprov. sind:

die Stellung der Vokale in der Akzentsilbe; die Stellung der Vokale vor folgendem Palatal oder Velar;

die Stellung der Vokale in gedeckter Silbe (fester Anschluß). Schroeder 157 formuliert dies so: „Auf den Vokal muß impl. y, w folgen“.?® Damit wird vorausgesetzt, daß auch ! und n, die am leichtesten der Palatalisie- rung (d.h. der Bindung einer Zungenrückenhebung) fähigen Konsonanten, nicht als einheitliche Kontaktlaute, sondern als Verbindungen von Enge- laut + Kontaktlaut gesprochen wurden, also nicht [F, n], sondern [il, in]. Das kann jedoch bezweifelt werden,?’ insbesondere sind [il, ir] nicht not- wendige Zwischenstufen bei der Entwicklung von [?, rn] aus lat. Palatal- verbindungen:

-LI-, -NI-: [Iy, ny] > [E, rn]; eine Veranlassung zum ‘Übertritt’ des [i] ist nicht gegeben, da l und n auch mit hohem Zungenrücken artikulierbar sind.*!

39? Ähnlich auch Fouch& Dipht. 12.

40 Die aprov. Schreibungen liefern keine Anhaltspunkte; die vereinzelten Formen mit [il] in den heutigen Mundarten (z.B. in Briancon, Meyer-Lübke RGr I & 154) können [i] sekundär als ‘Gleitelaut’ vor [!] entwickelt haben, ebenso wie auch [-y-] < [-l-] mit hörbarem [i]-Anglitt erscheinen kann (so z.B. vereinzelt im Cev.).

41 ly, ny darum nicht „parallelement ä ry > yr, sy > ys“, wie Fouche, Dipht. 11 annimmt.

17

-CL-, -GL-: [kl] > [gl] > [g’l] > [IT]; nicht ‘Vokalisierung’ des palatali- sierten [g’], sondern das mit unvollkommenem Verschluß artikulierte [9’]* wird durch die laterale Artikulationsweise gebunden.*3

-GN-: [pn]** > [rn] > [n].*

-J-, -DI- und -VI- können schon im Vlat. in dem gelängten, mit implosivem Anglitt artikulierten Reibelaut [-y-] zusammengefallen sein;?% die sfrz. Mundarten zeigen vorwiegend?’ palatale Affrikaten oder deren Reduk- tionsstufen,?® und es ist sehr wahrscheinlich, daß während der Diphthon- gierungsperiode wenigstens in Teilen des Sprachgebietes bereits die aus gelängtem [-y-] durch Verbreiterung der Artikulationsfläche hervor- gegangenen palatalen Affrikaten ([9] bzw. [9]) vorgelegen haben,“ in welchem Fall die Annahme eines besonderen [i]-Anglittes nicht zwingend ist. Die Entstehung eines homorganen Engelautes im Anglitt des implosiven [kl] < -CU ist hypothetisch und mit den heutigen Entwicklungsergebnissen im Widerspruch.’ Entscheidend für die aprov. Diphthongierung ist dem- nach nicht die Höhe der Zungenstellung des implosiven Einsatzes, sondern lediglich der implosive (feste) Anschluß der ‘bedingenden’ Palatale und “Velare an den Vokal. Dies besagt zugleich, daß nicht Momentlaute (Ex- plosivlaute),’! sondern nur Dauerlaute®” die Diphthongierung ‘bedingt’ haben. Der implosive Anglitt braucht nicht immer [i] oder [u] zu sein, sondern ist allgemein ausgedrückt das erste Element der Kon- sonanz.??

42 Vgl. Juret Phon. 158.

43 Nicht [gl] > [gl] > [I] (Dauzat Ro XLII, 29), da die frühromanische Palatali- sierung des l einen angrenzenden Palatalkonsonanten voraussetzt; vgl. auch Krüger Wspan. 246—247.

44 Dies ist die lat. Aussprache; vgl. Juret MSL XX, 198—199; Bourciez $ 53d; Millardet Ling. 230. Allerdings ist [9] in Verbindung mit Zungenspitzen-n nicht aus- gesprochen ‘velar’, sondern mehr oder minder palatalisiert, ohne daß die Zunge dabei die Artikulationsfläche eines ‘mouillierten’ [rn] erreichen muß; vgl. Grammont BSL XXIV, 9.

45 Vgl. Bourciez $ 179a; Tuttle MPh XI, 349; Millardet Ling. 230—231.

46 Vgl. Niedermann Phon. 87; Ronjat II, 132.

47 Von einigen Fällen im rom. Auslaut abgesehen; vgl. Ronjat II, 137—139.

48 Vgl. Ronjat II, 134.

49 Vgl. Grandgent Prov. $ 30; Appel 35; Juroszek ZRPh XXVII, 675; Lienig 78.

50 Vgl. $ 58; Ronjat I, 167—170.

51 Vgl. Reichenkron ZFSL LVIII, 168—169.

52 Auch implosives [k]] < -CU ist als solcher aufzufassen ($ 58). Velare in ex- plosiver Stellung haben keine Diphthongierung bewirkt; vgl. Voretzsch SF 598; Ronjat I, 150, 171.

53 Tuttle MPh XV, 182 fordert die Doppelkonsonanten [IT, nn]. Die durch den festen Anschluß gegebene Verteilung von intervokalem [T, n] auf zwei Silben ist je- doch im Grunde nur eine Frage der Energieverteilung bei der Artikulation der pala- talen Konsonanten; Verdoppelung (Gemination) der Konsonanten würde dagegen

18

$ 10. Es bedingen die Diphthongierung:

die palatalen Dauerlaute: LI-

[y]* > 23 m Fi a: Eu -NI-

er ee.

die palatalisierten Lautverbindungen:

BE h : . , -CS- [it] <-CT- [-iz- | -is] S-SI- bs STI rer -GR- 2 £ x -DR-°; die velaren Dauerlaute:

- m [g |r] < -CR- [k ] < -CU.

Dagegen sind der aus den Gruppen -T.C-, -D.C-, -C.R-, -TR-, -T.R-, -D.R- entwickelte Palatal bzw. palatale Anglitt,°® sowie [u] < -L, -LL, -LKONS57? erst relativ spät entstanden und haben daher die aprov. Diphthongierung nicht hervorgerufen.

a) [6] vor Palatal.

a) [ol + WY. $ 11. y] < -DI-.

HODIE (aprov. oi; uei):

[yo]: Az. yoy; Aniane?? [y6Y], Clermont-l’Herault®® iöy, Vayss. hioy (Kanton Belmont).

[We]: Salindres®! uei; Vayss. huey, Ber. uei.

eine gleichzeitige Erhöhung der Artikulationsenergie voraussetzen; zur Frage vgl. Rosapelly MSL X, 347 f£.; Millardet Ro XLI, 257; Roudet 175. j

54 Kann bereits zum Kontaktlaut fortgeschritten sein, vgl. weiter oben.

55 [ir] < -DR- war etwa im 10. Jahrh. abgeschlossen (Gamillscheg, Becker-Fest- schrift 54), jedenfalls früher als [ir] < -D.R-, -TR-, wie die regelmäßige Diphthon- gierung von CATHEDRA zeigt. Daß die Entwicklung von -TR- langsamer fort- geschritten ist als die von -DR-, ist da offenbar, wo die Gruppen zu unterschied- lichen Entwicklungsergebnissen geführt haben; so regional in Südfrankreich, sowie im Kat.; vgl. Ronjat II, 220—221; Henke 33—34; Fouche Rouss. 139—140, Dipht. 20.

56 Ronjat I, 155.

57 Ronjat I, 151; Grandgent Prov. $ 30.

58 Aufgabe der Verschlußbildung als ‘Lauttendenz’ wahrscheinlich schon gegen Ende der röm. Kaiserzeit, vgl. Grandgent Vulg. $ 272, Juret Phon, 161,

59 Zaun $ 215.

60 Pastre 67.

61 Ronjat I, 176,

19

[yWe]: de Lafare (Bouc. 578), Arnavielle (Bouc. 695), Aberlenc (Bouc. 312) iuei, Az. hiuei, iuei,6® Amat huei,®® Homb. hiuei!* (neben tuoujourdhiußi), d’hiuei Een foro ‘dor&navant’, [yWei] 23, Florac, Barjac, Caveirac (ALF); Couz. juei.

Diss. [y] El > [y] 9:# [yüe] 1, 3, 19, 20.

[ye]:*# Fesquet Prov. XXVIII lou tems d’iei, Mon. I, 71 per iei, Comp. iei, [yei] 15, 16.

[yö]: Az. yeuei®, d’hieuei-en-foro, Bigot yeui.

"OLODIU:6®

[9]:°° Az. clots;”® Vayss. cloch (St. Affrique), Montpellier”! gloch, Lansar- gues”! glo.

[we]: [klwe£] 19, 23, Florac;”? Vayss. clu&ch, Aigues-Mortes”! glue.

Einfluß der Tonsilbe: Vayss. cluecha.”®

[e]:”* [klee] 10, 15, Homb. cle, paio de cle, [päayo de kle]”® 1; Vayss.‘clech (Villefranche), Ber. cle.

Einfluß der Tonsilbe: Vayss. clecha (Villefranche).

62 Az. ou£i, oueyt (-t nach den Reflexen von AD NOCTE, $ 19), aouei, abei ge- hören nicht dem Cev. an, sondern westlang. bzw. gask. Mundarten; vgl. Ronjat I, 177, 179, II, 443; Millardet Et. 206; Anglade RLR XL, 170, Gr. 73; Couz. bei, abey.

63 hu- ist Schreibweise für [yü-], vgl. Amat huen < LONGE ($ 18).

64 „L’H est tantöt elidee, tantöt aspir&ee“ kann nur auf die schwächere oder stärkere Ausbildung der palatalen Reibung bezogen werden.

65 Vgl. prov. iue < *iuei < OC(U)LU; Ronjat II, 320, 380.

66 Theoretisch könnte die Reduktionsstufe [ye] hier auch sekundär aus der Lautung [yWe] entstanden sein, in praxi erübrigt sich diese Annahme, da die Ass. [we] > [ye] in dem betreffenden Cevennengebiet nicht an ein vorausgehendes [y] gebunden ist, vgl. z.B. unter FOLIA (8 14).

67 Die Schreibung soll offenbar [ö] andeuten.

68 Zu *GLODIU ‘grobes Roggenstroh’ REW 3796. Eine Grundform mit CL- wird durch das Sfrz. gefordert, vgl. auch Meyer-Lübke Diphth. 350; aprov. cloi neben gloi. Auch die sfrz. gl-Formen können auf den Anlaut CL- zurückgehen und durch Normalisierung von ursprünglich an eine intervokale Stellung im Satz gebundenen Reflexen entstanden sein; vgl. Ronjat RLR LVII, 527; Ronjat II, 61—64; anders Anglade Gr. 172 a.1.

89 [0] < [Wo] durch [kl-] bedingt, & 57.

70 *paille longue des gramine6es’.

71 Ronjat II, 63.

72 Hier auch ‘Dachstroh’ (ALF glui).

73 Dagegen sind vortonig entwickelt: Vayss. cluchä, clujäa (Millau, St. Geniez- d’Olt), Ber. clüdza ‘couvrir de glui’; [klügäddo] f. Florac ‘toit de chaume’ (ALF), Vayss. cluchädo.

74 [e] < [We] im Cev. durch [kl-] bedingt, 8 57.

75 ‘paille triee pour liens’.

20

MODIU?s (aprov. moi, moig, mog;’’ muehtz, muetz (beide Plur.’®), mueg): [öo]: Vayss. muox (Millau).

[yo]: Az.; Vayss. (Kanton Belmont), Montpellier, Lod&ve’® mioch. [We]: Vayss. muech.

[ye]: Fesquet Intr. miech, Az. mie.8 [e]: Lezignan®! mech.

TRIMODIA®% (aprov. tremueja; entremuia®? (1397), entremuege (1467)8): [yo]: Vayss. tremiöjo (St. Affrique), tremiötzo (Kanton Camar6s).

[we]: Vayss. tremuege.

[ve]: Az. entremiejo, Homb. entr&miejo, [entremye2o] 1, [entremy6öo] 15, [entremyei2o] Florac; Vayss. tremiege, entremiejo (Kanton Entraygues).

[e]: Ber. trumödze.

PODIU® (aprov. poig; puoi, puoig,°®® pueg (1265), puei (1285)”): [yo]: Montpellier, Lode&ve®® pioch, Couz. piox “monticule’.

[We]: Vass. puech. [ye]: Homb. pie ‘pic, montagne’.

[el]: G.-D. 175 Le Pech 1715; (Podium Astre 1380), Puech-Astre und Pegastre 1671, Pejastre (ohne Jahreszahl);”" Vayss. petz (Villefranche),

76 ‘Scheffel’ REW 5629.

77 Brunel 479.

78 Aus dem Rouergue anno 1196, Brunel 300.

79 Ronjat II, 138.

80 Die Wörter bezeichnen ein altes Hohlmaß, das z.B. in B£ziers 700 1 zählte (Az.); vgl. Pansier III, 117.

81 Anglade RLR XL, 170.

82 ‘Mühltrichter’ REW 8906.

8 [fü] < [Wo], vgl. $ 57.

84 Beides nach Pansier III, 72. tre- < TRI- wurde begrifflich abgesondert und als Präp. tre (= Kurzform zu entre < INTER, entstanden durch Zerlegung in en- -+ tre) aufgefaßt, zu der entre als Alternationsform gehört (prov. entre und tre; Ronjat III, 504); vgl. intermoia (1456) (Pansier 1.c.). Die Erklärung der erweiterten Formen durch Agglutination von en- < IN- (Ronjat III, 468) würde der Tatsache nicht ganz gerecht, daß en- gerade vor mit tre- beginnenden Nomina auf- tritt, vgl. $ 14 unter TRIFOLIU, sowie frz. trois-six (‘Branntwein von 36°, schlechter Branntwein’) in mundartlicher Einbürgerung: de Lafare (Bouc. 547) entresiei (vgl. TF).

85 ‘Anhöhe’ REW 6627.

86 Languedoc 12. Jahrh., P. Meyer Rec. no. 50.

86 Beide nach Pansier III, 140.

88 Ronjat II, 138.

89 Le Puech, f, cne de Chamborigaud.

90 Puech-Astre, bois, auj. defriche, cne de Redessan.

21

Lezignan?' pech (nom propre). Neuere Beispiele aus dem Cev. nicht vorhanden.

Vortonige Entwicklung: Az. pouchet ‘monticule’; (aprov. pujol), Az. puchol ‘haute montagne’, G.-D. 176 (Podium Altum 1226, 1384), Pujault 1551, 1633, 1737, Pudjaud 1620, Peujaut 1789, Pijaud 1694.9?

8 12. [y] < -VI- bzw. -J-.% *PLOVIA® (aprov. ploia; pluoja®, pluia®, plueja):

[9]:°” Montpellier, Lodeve,® Clermont-l’Herault?® ploja, Aniane?5 [plöca], Pezenas!" plöcho, Vayss. plöjo (Kanten Belmont).

[we]: [plwedo] 20; Caveirac [plwegya]!"! (ALF), Vayss. pluejo (Larzac). [e]:!”% de Lafare (Boue. 592), Fesquet Prov. XXIV, Comp., Lasalle,!%%® Homb. plejo, Amat pl&jo, [pl&ego] 1, 7, 9,1% 19,105 23, Florac; Barjac!% pleio, Vayss.

91 Anglade RLR XL, 170.

92 Pujaut, con de Villeneuve-lez-Avignon.

93 -VI- kann nach labialem Vokal schon in lat. Zeit -J- ergeben, in welcher Ausdehnung ist uns unbekannt, jedoch sind -VI- und -J- nicht überall in der Gallo- romania gleich behandelt worden; zur Frage vgl. Mohl Chron. 288; Mussafia Ro XVIII, 544 ff.; Ronjat II, 134—135; Steffen 19—21.

94 Vgl. Foerster ZRPh III, 500; Schwan ZRPh XII, 201; Jordan 54; REW 6620. Steffen 20—21 lehnt *PLOVIA für solche Gebiete (also auch Languedoc und Pro- vence) ab, wo eine Erklärung aus *PLOJA möglich ist. Da jedoch im nördlichen Teil des sfrz. Sprachgebietes, sowie im frz. Osten -VI- und -J- vielfach nicht ver- einheitlicht wurden (Ronjat l.c., Michelly 72—73, Steffen 19), kann -VI- > -J- im Vlat. der Galloromania nicht allgemein gültiges ‘Lautgesetz’ gewesen sein, die Ver- einheitlichung muß also nicht immer schon in der vlat. Periode erfolgt sein.

95 Zaun $ 36.

% [ü] < [Wo], vgl. & 57.

97 [po] < [io] durch [pl-] bedingt, $ 57. Daß hier nicht Diss. zwischen Labialen [pl—[w] > [pl—o gewirkt hat, zeigt [po] < [wo] bei *CLODIU ($ 11). Auch für das Velay ist eine solche Diss. abzulehnen, vgl. Michelly 29. [pl620] aus Camares (Dep. Aveyron) betrachtet Buckenmaier 29 als eine wegen der Gruppe [pl-] undiphthon- gierte Form, vom historisch-vergleichenden Standpunkt aus ist diese Annahme bei der aprov. Diphthongierung vor Pal. unwahrscheinlich.

98 Ronjat I, 171.

99 Pastre 69.

100 Mäzuc 315.

101 Auch hier wird [dy] nur eine besondere Bildungsweise der einheitlichen Affrikata wiedergeben, vgl. & 2.

102 [fe] < [We] im Cev. durch [pl-] bedingt, $ 57.

103 Fesquet Mon. III.

104 Für 9 = St. Jean-du-Gard hat Fesquet Mon. III pedjo (gegenüber plejo für Lasalle). Da es sich hierbei um eine im Cev. und darüber hinaus im Gallorom. einzig dastehende Form handeln würde, dürfte die Auslassung des Il wohl ein Druckfehler sein, und Fesquet kam es bei der Gegenüberstellung der beiden Formen nur auf eine verschiedene Aussprache des inlautenden Palatalkonsonanten an.

22

plejo, pleyjo (Laguiole, St. Genevieve), Lezignan!"” p1ejo, Ber. pledzo. [6];108 Az. pleujo, Bigot pleujo, Avignon!® [plöyo].

Vortonige Entwicklung: Az. pluias, pluiasso £. (ohne Gebietsangabe), Vayss. plujät ‘pluie continue et abondante’.

Einfluß der Tonsilbe: P6zenast! plochoüs (adj.), plochät ‘serie de pluies'; Fesquet Prov. VII plejous, Homb. plejous, -ouso ‘pluvieux, -se’, plejas ‘grosse averse’; Az. pleujas.

813. WI <-J-.

TROJA!!! (aprov. troja; trujha,!!? trueja):

[v9]: Az. triojo; Vayss. triöjo (Kanton Belmont), Couz. trioxo. [p]:113 Montpellier troja (Az.).

[öe]: Az. triuejo,'* Homb. truejo, [trwedzo] 1, [trwego] 20, 25, [tri&2o] Florac; Barjac,''® Vayss. truejo.

[ü]:t16 Agde!!? trujo, Castres truio (Az.), Vayss. trülo!18 (Villefranche). [e]: Lezignan!!? trejo, Ber. trödzo.

[6]:12° Caveirac [trögya]'*!, Avignon! [tröyo].

105 [päräplego] 19 ist frz. parapluie in mundartlicher Form; vgl. Vayss. paro- plöjo, paroplejo.

106 Ronjat I, 176.

107 Anglade RLR XL, 170.

108 Durch [pl-] bedingt, da sonst in Nimes und Avignon [yö].

109 Ronjat I, 175.

110 Mäzuc 315.

111 *Mutterschwein’ REW 8933.

112 Cost. @Al. (Sauv. I, 44). Keine weiteren Belege mit [ü] aus dem Cev., die Schreibung der Cost. d’Al. ist für das Cev. nicht beweisend, vgl. unter LOCU (8 30). Für andere Wörter erscheint [ü] < [io] weder in den Cost. d’Al., noch in den weiter unten angegebenen Mundarten; Konsonant + r im Silbenanlaut hat diese Reduktion besonders begünstigt, vgl. $ 57.

113 [0] < [We] durch [tr-] bedingt, $ 57.

114 i vor [We] kann nach [tr-] keinen Lautwert haben; vgl. $ 57; Ronjat I, 175.

115 Ronjat I, 176.

116 Vgl. oben zu trujha.

117 Ronjat I, 172.

118 Kann, wie lang. truelho (TF, Az.), auf *TROJ(U)LA zurückgehen.

119 Anglade RLR XL, 170.

120 Durch [tr-] bedingt, sonst [yö].

121 Vgl. unter *PLOVIA (8 12).

ı22 Ronjat I, 175.

23

) [61 + IM. 8 14. [I] <Z -LI-.123 2

FOLIA!* (aprov. folha; fuoilla, fueilla, fuelha): [ü]:"?° G.-D. 227 (Agrifolio 1345, 1429), Agrofulha 1461 .126

[y9]: Montpellier, Lodeve!?” fiolha, Aniane!® [fyöya], Clermont-l’Härault!” fiölha, Vayss. fiöillo (St. Affrique).

[we]: Arnavielle (Bouc. 147) las fueios, Salindres'3® fueio, [fweyo] 20, [füwelo] 23; Vayss. fueillo.13!

[ye]: Fesquet Comp., Amat fieyo, Homb. fieio, Az., Salindres, Barjact?' fieio, [fyeyo] 1, 19, [fyeiyo] 3, [fyelo] 10, 13, 25, Florac.

[e]: Lezignan'?? felho, Couz. feylho.

[yöl: Bigot fieuyo, Caveirac [fyöya], Avignon'33 [fyöyo].

Einfluß der Tonsilbe: (aprov. fuelhar), Vayss. fueilla'® (Kanton R&quista); Az. fieia, Homb. fieia ‘se garnir de feuilles’, Homb. fieiaje m.,'? Amat fieyage, [fyeyas] m. 19 ‘aufgehäuftes trockenes Laub’; Couz. fieillas f. Teuille’, vgl. Az. fieios £.13° ‘amas de feuilles’.

FOLIU (aprov. foill, folh; fuoill, fuelh (1371)13):

[We] bzw. [e]: G.-D. 259 (Viridi-Folio 1121, 1281, 1461), Verfuel 1620, Verfel 1697.188

[ve]: Fesquet Comp. fielh, Intr. fiel.

123 [!] wohl noch vor Ende der Kaiserzeit, Grandgent Vulg. $& 274.

124 Vgl. Grandgent Vulg. $& 352, FEW unter FOLIUM.

125 < [%Wo], vgl. unter FOCU (8 29) und $ 57. Für das Simplex sind [ü]-Formen aus dem De£p. Gard nicht belegt; in der Zusammensetzung haben die beiden Vorton- silben die Druckwirkung des Akzentes und damit die Widerstandskraft des [o]-Seg- mentes herabgesetzt.

126 Saint-Sebastien-d’Aigrefeuille, con d’Anduze,

127 Ronjat I, 171.

128 Zaun $ 37c.

129 Pastre 76.

130 Ronjat I, 176.

131 fülho ‘feuille de papier’ ist offenbar frz. feuille in mundartlicher Aussprache.

132 Anglade RLR XL, 170.

133 Ronjat I, 175,

134 ‘ramasser les feuilles mortes pour litiere’.

135 Auch ‘quantit& de feuille de müriers que contient une domaine’.

136 Fem. Genus bzw. -os statt -as sprechen für begriffliche und lautliche Assoziation der kollektiven Ableitung auf -ds mit der Pluralform des Simplex, gleiches zeigt Az. fulhos f. (ohne Landschaftsangabe).

137 Pansier III, 89.

138 Verfeuil, con de Lussan.

139 Bed. ‘feuillet’.

24

[yö]: Bigot fieul.1s CZEREFOLIU: 140 [We]: prov. charfuelh, cherfuei (Az.).

[ve]: Az. charfiel, Homb. charfiel, [tsarfyelj'* 1, 15, [sürfyel]'* Florac (ALF).

Frz. cerfeuil in mundartlicher Aussprache: [sarfül] 20; Vayss. cerfül, Couz. cerful.

TRIFOLIU'# (aprov. trefolk; trefuelh): [yo]: Sauvet# entrefiol; Pezenas!#5 entrefiöl.14

[ve]: Lasalle'# entrefiel, Homb. entrefiel.\

Neuere Belege aus dem Cev. fehlen.!#s

SOLEU!# (aprov. solh; suoill, sulh,'5 suelh):

[we]: G.-D. 241 La tour de Sueilhe 1645,151 Les Essuels 1862,1° Az. suelh 'seuil”.

Vortonige Entwicklung: [su?et] Florac (ALF seuil),'°® Az. soulis m. ‘seuil’.

JOLIU®54 (aprov. jolh; juelh): m ——

140 ‘Kerbel’ REW 1469; FEW II, 37—38.

141 Ass. [e2] > [a] vor r-+ Konsonant = Vorwegnahme der Hinterzungen- hebung des durch Lockerung der Zungenspitzenartikulation in implosiver Stellung Stärker velarisierten r, vgl. Jespersen Art.74; anders Grammont BSL XXIV, 90. Weitere Beispiele bei Ronjat I, 295.

142 [ts-] bzw. [s-] statt [@-] verrät lehnwörtlichen Charakter (prov. bzw. frz.). = Ass. [e2] > [ü:] vor r-+ Labial: die Innervation der Lippentätigkeit wird nr das implosive [r|] hinweg vorausgenommen; vgl. in den Landes jurman < GER- MANU; Ronjat I, 294.

143 ‘Klee’ REW 8899,

144 Fesquet Mon. III.

145 Mäzuc 275.

146 ‘“tr&fle sauvage & fleur blanche’.

147 ‘petit trefle des pres A fleurs jaunes’. Über en- vor tre- vgl. & 11 unter TRIMODIA. Auch trefuel, trefel sind aus lang. Mundarten belegt; Ronjat II, 238 a. 1; TF sub treule; ALF.

148 ALF tr£fle hat nur das frz. Lehnwort neben [triule] 1 ‘trefle TARBDERF“, vgl. Homb. trioule, [triule] 19 ‘Klee < *TRIF(O)LU < TRIFOLIU X zeipv/Aor; Ronjat II, 238; Seifert 128.

Sr Zu SOLEA ‘Sohle’ REW 8064, offenbar unter dem Einfluß von SOLUM ‘Fußboden’ REW 8079; vgl. aprov. sola ‘sol, fond d’un fosse’, solh ‘seuil’; Gamillscheg seuil.

150 [ü] < [Wo], vgl. $ 57.

151 Le Suel, h. cne de Sabran.

152 Les Suels, h. cne de Saint-Andr&-de-Majencoules.

153 Sonst im Cev. andere Grundwörter.

154 „dissimilation de *liolju issu de LOLIU par assimilation due ä un sentiment de redoublement“ (Ronjat II, 383); vgl. auch Gröber ALL III, 269, 515; REW 5112.

25

[0]:'5° Vayss. jol. m. (St. Affrique), Camaresıss 361.

[we]: [gwell zus 1, 20 (ALF ivraie); Vayss. juel, ojuelısr (Laguiole, St Genevieve), esueliss (Kanton Estaing).

MANDOLIU:159

[we]: G.-D. 122 Manduelh 1433, Mandueil 1435, 1582, le prieure Sainct- Genieys!#-de-Manduel 1615.16

Über OLEU vgl. $ 44 Anm.

$ 15. [<-LLI-.!e

*EXCOLLIU16 (aprov. escolh; escuelh!#):

[yo]: Sauv. Esquiöl m.,!® Sauve!6® esquiol, Az. las vignos an boun esquiol.167 [yel: Lasalle,1## Homb. esquiel. Neuere Belege fehlen.

155 [0] < [wo] durch [9-] bedingt, $ 57.

156 Buckenmaier 29.

157 o- durch Agglutination eines vorausgehenden Artikelvokals. Nach. dem mask. Genus wäre [u-] (Artikel [lu]) zu erwarten; es hat vermutlich ein Ausgleich der Qualität stattgefunden, da Agglutination sonst zumeist vom fem. Artikel aus- geht und insbesondere bei zweigeschlechtigen Substantiven die durchgängige ist (zur Frage:, Millardet Et. 15—18), vgl. GLANDE f. > aprov. glan(t) m. f. > Vayss. oglön, oglö, oliön, oillön m. f. (sonst im Sfrz. durchweg m.; Ronjat II, 433—434): ‘le gland en general’, aber glon, glondüs ‘un ou’ quelques-uns de ces fruits’. Ein ähn- licher Bedeutungsunterschied könnte ursprünglich auch zwischen juel und ojuel bestanden haben.

158 Hier vermutlich Agglutination des Teilungsartikels: des juels, d es(j)uel, wobei Angleichung an den häufigen Worttyp es- mitgewirkt haben dürfte Vgl. Anm. 157.

159 Vgl. TF II, 263; G.-D. 122 Mandolio 943, 1386, Mandolium 1180, 1248, 1384.

160 < GENESIU.

161 Manduel, con de Marguerittes.

162 [7] <” -LLI- vermutlich etwas später als [!] < -LI-, Grandgent Vulg. 8 274.

163 Verbalsubst. zu EXCOLLI(G)ERE (aprov. escolhir), das im Sfrz. und Nordfrz. = A(D)COLLI(G)ERE; Spitzer ASNSL CXXVIJ, 154; vgl. REW 2048. -LLI- statt -LIG- ursprünglich vor Palatalvokal (wie in COLLIGIS, -T, COLLIGERE), lat. -GE»I > [-y-] etwa im 4. Jahrh., noch in vlat. Zeit trat Verschmelzung mit dem folgenden Palatal- vokal ein; vgl. Grandgent Vulg. $ 259; Juret MSL XX, 145—146; Ronjat II, 102—105. Richter Phon. 89 hält Synkope l—g für das Primäre: *COLGO, *COLGAT, danach analog *COLGERE = [kolyere]; doch Juret MSL XXI, 168—186 hat nachgewiesen, daß für 1-+ Kurzvokal + Kons. im Lat. kein festes Synkopegesetz bestand; außer- dem ist im Sfrz. nur der Wortstamm *COLLI- fortgesetzt, vgl. aprov. 1., 3. colh- cuolh, 2. coills-cuelhs, 6. cuelhon, Inf. aprov. cölher, lang. cuelhe, prov. cueie (Her- ford 38; Ronjat II, 208). Anders Jeanroy Ro XLI, 418.

164 ‘accueil, maniere, conduite, genre, espece’ (Raynouard), vgl. gengibre bel- escueil (1397) ‘sorte de gingembre’ (Pansier III, 22).

165 ‘montre, signe qui donne quelque esp£erance’.

166 Fesquet Mon. III.

167 ‘les vignes promettent beaucoup’, vgl. aprov. de bon escuelh (bei Raimon Vidal).

168 Fesquet Mon. III.

26

zip

$16. [1 <-GL- BROG(NLU'® (aprov. broill; bruoil, bruelh):

[we]: G.-D. 37 (Brolium 1162, Mansus de Brolio 1275), Le Bruel,!70 Az. bruelh;171 prov.172 bruei.

[le]: westlang.!”2 brel. Vortonige Entwicklung: Az. broulha,173 Az. brulha.

‚Einfluß der Tonsilbe: (aprov. bruelhar), Az. bruelha.!”

u42.-M< -CIr. OC(U)LU (aprov. olh, oilh; uolh, uelh,!”5 uel):

[yo]: Cost. d’Al. (Sauv. II, 111) denan los iols, Az., Sauve!’% jol; Mont- pellier,177 Aigues-Mortes, Agde!’”® (ALF) [yöl], Aniane!”% [yöt] Vayss. iöl (Nant, Kanton Belmont), Couz. iol.

[we]: Amat (Augmentativ dous hueyas!®%), Al&s!8! (1) uel, [wel] 2, [l wei] 2, 4, 22, 23, [1 wel, luz Wels, katr Wels] 20, Florac (ALF); Vayss. uel.

[yWwe]: Fesquet Comp. uielh,'®? Az. iuel, Ales (1), Barjac!®# iuel, [yüel] 1, 4, 22, 23; Couz. iuel.

[ye]:!8? Fesquet Prov. CXIV embe d’iels, as iels, Mon. I, 58 l’iel, 69 as ielhs rouges, 73 caugue cop d’ielh, Comp. ielh, Amat mous iel, Viel, Az. iel, Homk. iel (Dim. ieie, Augm. ieias), Lasalle'# iel, [yel] 1, 3, 6, 9, 11, 15, 19, 25, (mit Artikel [?el]!8% 19), [I yel, luz yel,katr yel] 1 (ALF).

169 Ronjat I, 37; zu gall. brogilos ‘eingehegtes Gehölz’ REW 1324, im FEW (I, 555) mit Sternchen; vgl. auch Kaufmann 64; Salvioni RDR IV, 217.

170 h. cne de Saint-Andr&-de-Valborgne.

171 ‘bois, jeune taillis, vegetation, branche, bourgeon’.

172 Ronjat II, 239.

173 Ohne Landschaftsangabe.

174 *bourgeonner, reverdir’.

175 Montpellier 14. Jahrh., Mushacke $ 25. In noch älteren Dokumenten aus Mont- pellier begegnet uo = [Wo] und heute dessen direkte Fortsetzung [yo], vgl. unter LOCU (8 30).

176 Fesquet Mon. III.

177 Höfele 43, 46,

178 Hier auch [El].

179 Zaun 8 37c.

180 Endungsbetonte Form.

181 Ronjat I, 176.

182 Schreibung des Anlautes offenbar in Anlehnung an die ebenda auch für Colognac angegebene Form ielh.

183 Ronjat I, 176.

184 Vgl. Anm. zu [ye] unter HODIE (8 11).

185 Fesquet Mon. III.

186 Mit [I y-] > I-1.

27

[e]: Vayss. el (Villefranche), Lezignan,!s”? Toulouse,188 Couz. el, Ber. el.

[yö]: Aberlene (Bouc. 1170) a visto d’ieul, Az. ieu!®, Az., Bigot yeul, Caveirac [yöl] (ALF), Avignon! [yö]!8,

Das örtlich im Cev. festgestellte Nebeneinander verschiedener Entwick- lungstypen ist in erster Linie eine Erscheinung der Silbennormalisierung, indem die Tendenz zur Schließung des Silbenanlauts!?! außer durch direkte Verengung [We] > [yüe], auch durch rhythmische Agglutination einer vorausgehenden Konsonanz (und evt. Vereinfachung der so entstandenen Anlautgruppe!®) verwirklicht werden kann, vgl. 8 57.

*ANATOC(U)LU'!® (aprov. anadolh; aneduelh):

[üe]: G.-D. 149 Le Naduel.!%

[ywe]:'” Az. anadiuel, nadiuel,!% [nadyiel] 1, [adywel]!?®* m. 20 (ALF). [ye]: Az. nadiel, [nodyel] m. 19.

ABOC(U)LIS!9 ist im Cev. wie fast überall im S£frz.1% durch frz. aveugle in mundartlicher Aussprache vertreten:

[avügle] 1, [obügles] 20, [abükle] Florac (ALF). TROC(U)LU!® (aprov. trolh; truoill, truelh (1423)200);

187 Anglade RLR XL, 170.

188 Anglade Gr. 75.

189 Mit Diss. Y] Ül > W]— 0, vgl. unter HODIE ($ 11); [-IJ] > [-i ist prov. Entwicklung gegenüber lang. (einschl. cev. und Mundart von Nimes) [-?] > [-1]; Ronjat II, 319—321.

100 Ronjat I, 175.

191 Vgl. de Groot BSL XXVII, 24,

192 Vgl. Ronjat I, 184.

193 ‘Blindschleiche’; urspr. wohl als Plur.: *ANATOC(U)LIS = ‘l’ötre prive& de ses yeux’; Dauzat Ro XLIV, 238—244; anders Thomas Ro XL, 107; REW 4404; FEW I, 92. Die Gestaltung der Diphthonge in den sfrz. Formen bekundet Einwirkung der Reflexe von OC(U)LU (vgl. Anm. 195), also Zerlegung des Wortes in n’a + Reflex von OC(U)LU = ‘hat kein Auge’; vgl. FEW unter ABOCULIS und BRUNNA,.

194 Name eines Baches.

195 [yWe] < [We] ist an die Stellung im Anlaut gebunden ($ 57) und kann im vorliegenden Fall nur analog nach den [yWe-]-Reflexen von OC(U)LU gebildet worden sein (vgl. Anm. 193).

196 Abfall des a- durch Haplologie (‘superposition syllabique’ nach Grammont Phon. 331—335) in der Stellung nach unbest. Artikel: ün ana- > ün na- bzw. durch Deglutination > ün a-. Deglutination des fem. Artikels ist für das Cev. nicht an- nehmbar, da das mask. Genus erhalten blieb; vgl. Ronjat II, 444.

197 ‘blind’ REW 33; FEW I, 6—7.

198 Ronjat II, 239.

19 Zu TORCULUM ‘Presse, Kelter’ REW 8792, und zwar durch Metathese des r. Der Hinweis Ronjats (II, 402), daß CIRC(U)LU > aprov. cercle, -rkl- also eine dem aprov. geläufige Gruppe darstellen würde, ist nicht stichhaltig: bei cercle er- folgt keine Metathese des r, weil das Prov. eine Gruppierung [tsr-] bzw. [sr-] im

28

[yo]: Az. triol;?% Pezenas?"® triöl,® Vayss. (Kanton Saint-Sernin), Couz. triol.

[we]: Az. truelh;?% Vayss. truel, prov. truei (Az., TF).

[e]: Lezignan,?® Vayss. (Villefranche) trel, Couz. trel.

Keine weiteren Belege aus dem Cev.?%

Vortonige Entwicklung: "TROC(U}LARE:?07

Az. troulha, Homb. trowia, [trulä] 11, [truyd] 15, 19; Couz. troulha, Ber. troülia; (aprov. trulhar), [trüd]?08 232%; Az. troulhadou,?!% Homb. trouwiadoü

m., trouiadouiro f., [trügdü]?!! 23; Az. troulhaire, Homb. trouiaire,?'? [trwäi.se] 23.

a3) [ol + In]. 518. In] < NGE LONGE (aprov. lonh, loing; luenh):

[yo]: Montpellier lion, ion,”'* Langlade aus Lansargues (Dep. Herault) lion, heutige Aussprache ion,*'5 Aniane?!s [Tön, von], Pezenas?!” yon.

[we]: Az., de Lafare (Bouc. $64) iuen, (Bouc. 900) de iuen en iuen, Arna- vielle (Bouc. 843) d’un pau liuen, Amat huen,?'® Homb. liuen, iuen,?!?

Anlaut nicht zuläßt, -rkl- wurde hier durch assimilatorischen Lautersatz beseitigt: cercle > aprov. celcle > cev. [s&eukle].

200 Pansier III, 170.

201 ‘pressoir de vendange’.

202 Mäzuc 338.

203 ‘fouloir ou l’on Ecrase le raisin avec les pieds’.

204 ‘pressoir & huile, fosse de tanneur'.

205 Anglade RLR XL, 170.

206 ALF treuil hat das frz. Wort: [trül] 1, [tröy] 20, für Florac ein anderes Grundwort.

207 Zu TORCULARE REW 8791.

208 Ass. [üy] > [ö] = Absorption des [y] durch voraufgehenden palatalen Enge- laut mit gleichzeitiger Silbenkontraktion, da die erste Silbe hinsichtlich ihres Öffnungsgrades nicht mehr genügend kontrastiert war.

209 ‘zerquetschen, zerstampfen (der Trauben)’.

210 ‘fouloire pour la vendange’.

211 Hier hat das Bedürfnis nach rhythmischer Gliederung der Akzentuation die Erhaltung beider Vortonsilben begünstigt.

212 ‘fouleur de raisins’.

213 GE > [y] (etwa im 4. Jahrh.), dann wie -NI- > [nl].

214 [!-] > [y-] ist jüngere Reduktion, Mushacke $& 33.

215 de Tourtoulon RLR IV, 424—428.

216 Zaun $ 37c.

“217 Mäzuc 342.

218 hu- ist Schreibweise für [yü-], vgl. Amat huei < HODIE ( 11).

219 „L’i initial est aspire, il ne s’elide pas et ne fait hiatus“ kann sich nur auf die konsonantische Reibung des [y-] beziehen.

29

[yüen] 1, [ywe]?? 20, [lwEn]?? Florac (ALF loin), [yw&n] 3, [ywen] 5, 19, [Pen]??? 23.

[ye]:?”® Fesquet Mon. I, 55, 57, Comp. ien, [yen] 14, 15, [yen]?* 17. [e]: Toulouse??5 len, Lezignan??® lönc.??7 [y5]:°°® Az. yeun; Avignon? [yön].

[ü]”®°: Bigot und (offenbar danach) Az. yun, im Küstengebiet®! Iun (neben luen).

a4) [6] + Kill. 19 12]. < -CT-.* OCTO (aprov. oit; uoc, huoc, vuoc,®®# ueit, ueg (1371),3* vueg (1388)%):

220 Reduzierter (velarer) Nasalkonsonant wird im ALF häufig als Schwundstufe notiert, vgl. Schroeder 212.

221 Quälität des Nasals ungewiß, da im ALF [-n] und [-9] nicht unterschieden sind.

222 [l’W-] ist Durchgangsstufe bei der Reduktion [lv-] > [yü-].

223 [y-] wird auf die Ass. [We] > [ye] keinen besonderen Einfluß gehabt haben, da dieser Vorgang in dem betreffenden Cevennengebiet auch nach nichtpalatalen Konsonanten erfolgt ist. Theoretisch könnte die Jotazierung des Laterals auch später als [We] > [ye] angesetzt werden; Zwischenstufe wäre dann *[Fen]. Aber *[len] ist aus dem Cev. nicht belegt (so hat Fesquet bezeichnenderweise ien < LONGE neben nicht jotazierten liech < LECTU und lioc < LOCU ($ 30)), und das Überwiegen der Formen mit [yWe-] in dem [We]-Gebiet bekundet eine recht verbreitete Tendenz zur Jotazierung schon für die Stufe [!ü-] < [lö-].

224 [e] < [&]: Verengung vor implosivem Nasal; vgl. Ronjat I, 155—156,

225 Ronjat I, 176.

226 Anglade RLR XL, 170, 313,

227 -c analog nach dem Reflex von LONGU,

228 Unter Vereinigung mit [y-] < [l-]; die Schreibung li = [l-] in prov. liuen (TF) entspricht nicht dem Sprachgebrauch im Rhönegebiet; vgl. Ronjat I, 175.

228 Ronjat I, 175.

230 Beruht, ebenso wie [0] in aprov. lonh (Anglade Gr. 77), auf Normalisierung der in syntaktischer Vortonstellung entwickelten Typen; vgl. Ronjat I, 180.

231 Ronjat II, 188.

232 Für diese Gruppe erscheint im Sfrz. seit den ältesten Sprachdenkmälern bis in die Gegenwart neben der Stufe it eine palatale Affrikata mit oder ohne i-Anglitt; genauere Angaben bei Ronjat II, 171—178; Meyer-Lübke ZRPh XLV, 641—661. Beide Lautungen sind daher auch als ‘Bedingung’ der Diphthongierung in Betracht zu ziehen, in welchem Umfange bleibt dahingestellt; vgl. Ronjat RLR LVI, 534—535. Der einheitlichen Schreibung halber wurde [if] gewählt; [it] ist einerseits Durchgangs- stufe bei der Entstehung der Affrikata, andererseits setzt der nach Lockerung des k-Verschlusses erfolgte Übergang der Hinterzungenenge in eine Vorderzungenenge auch für die Stufe [it] eine ursprünglich stärker palatale Bildungsweise des [t] vor- aus, vgl. Meyer-Lübke RGr I $ 388, Richter Phon. 122—124.

233 Zaun $ 37c.

234 Pansier III, 171.

30

[yo]: Az. (auch für Castres), Montpellier? ioch, Aniane [y62],?? Pezenas?3s Yoch, Vayss. yoch, hioch (Kanton Belmont).

[we]: Salindres”®” ue; Vayss. uech, huech, im Limousin?® we.

[ywe]: Amat huie,23 Az., Homb. hiue (vor Vokal?%: Az. (k)iuech, Homb, . hiuech), [ywe]”* 1, 3, 20, Barjac, [yWe] Uzes (ALF), [ywec] 19, 23, Florac, [ye]:?* Fesquet Prov. XXXVIII iech, Intr. iech, [yeä] 6, 13—15, 25.

[yö]: Az. yeu; Cavairac [yö], Avignon?# [yö].

Einfluß der Tonsilbe häufig bei OCTANTA®* (aprov. utanto (1375),245 hutanto?*):

Az. ueitanto, uetanto (beide ohne Gebietsangabe); Az. iuetanto,% [yWecanto]?4s 19;

frz. huitante: Homb. huitanto, [witänto] 20;%4% Az. uitanto (ohne Gebiets- angabe). i NOCTE (aprov. noit, noig; nuoit, nuofi)ch, nueit, nuech®®®):

[yo]: Brouzet (Kanton Quissac)'5! [nd], Lansargues (Dep. Herault)?? nio, Montpellier, Vayss. (St. Affrique) nioch, Pe&zenas®* niöch, gnoch, Aniane??> [nö], Castres (Az.) gnoch.

235 Mushacke $ 25d; Ronjat I, 171.

236 Mäzuc 342.

237 Ronjat I, 176.

238 Chabaneau Gr. 34.

239 Die Schreibung offenbar in Anlehnung an frz. huit.

240 Oder h (Homb.), das jedoch keinen Lautwert besitzt. In praxi wird diese Alternationsregel nicht immer befolgt; der für das Ncev. von Ales charakteristische Abfall der auslautenden Affrikata geht über den Rahmen einer satzphonetischen Erscheinung hinaus. Zur Frage der Konsonantenbindung vor vokalischem Anlaut vgl. Ronjat II, 424—425.

241 Also gleichlautend mit [yWe] < HODIE ($ 11).

242 Vgl. zu [ye] unter HODIE ($ 1]).

243 Ronjat I, 175.

244 Für klass. lat. OCTAGINTA, Bourciez $ 99d.

245 Pansier III, 172.

246 Zaun $ 331d. 247 Die Formen mit -it- bzw. -t- (an Stelle der im Prov., Cev. und Lang. von

Aniane zu erwartenden Affrikata) erklären sich durch Einwirkung von frz. huitante; vgl. auch Ronjat II, 179.

248 Die jüngere Generation der Familie Cavailler braucht nur [kätre bins] = quatre-vingts.

249 Veraltete Form (nach ALF).

250 Cost d’Al. (Sauv. I, 390) de nueigs (Plur).

251 RPGR I, 138:

252 de Tourtoulon RLR IV, 424—428.

253 Lamouche RLR XLIII, 358; Höfele 46.

254 Mäzuc 305—306.

255 Zaun $ 37c.

31

[üe]: G.-D. 175 Puech25-Nuech,25? [nee] 19; Vayss. nuech, im Limousin?58 nue(ch). Mit [nw-] > [nö-]: Az. niuech, gnuech, Amat. la nui6,25° Homb. gnue, Salindres?% niue, [nüe] 1, 2, 6, 7, Uzes, Barjac, #1 [nwec] 20, 22, 23, Florac.

[ye]: Fesquet Intr., Mon. H, Comp. niech, Colognac, Saumane?60 niech, wec} 10, 11, 19-16, 25.

[e]: Vayss. nech, net, neyt (Villefranche), Lezignan?® neit, im Limousin25® ne, Ber. lo ne.

[yö]: Bigot gneuch, Caveirac [nö], Avignon?% [nö].

Zusammensetzungen:

MEDIA NOCTE:

[myegonwec] 19; Vayss. miejonuech. Homb. miejognue, [myegonwe] 1, [myegonwec] 20, [myezonweö] Florac (ALF minuit), [myegonwee] 23. AD NOCTE:?%

Clermont-l’Herault?265 aniöch ‘cette nuit’; Vayss. onuech ‘ce soir’; Az., Homb. agnue ‘cette nuit’ (Homb. auch ‘ce soir’), [onwe@] 23 ‘heute nacht’; Az. anech,?% Beziers aneit (Az.), Couz. anech, aneyt ‘cette nuit, ce soir’, Ber. one ‘aujourd’hui’?6” neben ingon&, incone.268

Einfluß der Tonsilbe: Vayss. nuechado (Saint-Geniez-d’Olt) ‘une nuit. Homb. gnuechado ‘nuitee’. Keine neueren Belege.

COCTU, COCTA (aprov. coit coita; cueich, cuech cuecha):

256 < PODIU (8 11).

257 q. cne de Milhau und h. cne de Saint-Hippolyte-du-Fort.

258 Chabaneau Gr. 34.

259 Durch frz. nuit beeinflußte Schreibung.

260 Ronjat I, 176.

261 Beide nach ALF.

262 Anglade RLR XL, 170.

263 Ronjat I, 175.

264 REW 5973, Homb.; Couz. setzt für das erste Element HAC; Suchier ZRPhI, 432 (ebenso Buckenmaier 79) eine Kurzform *HA an; die Erhaltung eines lat. De- monstrativums in seiner Ablativform erregt jedoch formelle Bedenken, während andererseits die Präfigierung von AD zur Bildung bzw. Verstärkung adverbialer Ausdrücke im Rom. durchaus nicht vereinzelt ist; zur Frage vgl. G. Paris Ro VI, 629; P. Meyer Ro IX, 158; Kjellman 1—15; Ronjat III, 483—494.

265 Pastre 67.

266 Ob diese Form dem Cev. angehört, ist sehr zu bezweifeln, da das Simplex hier diese Reduktion nicht aufweist.

267 Zur Bedeutungserweiterung von AD NOCTE vgl. Espagne RLR XVI, 156—172; Ronjat III, 490.

268 < HINC AD NOCTE; vgl. Ebeling ZRPh XLIII, 285; Ronjat III, 490.

32

[yo]: Az. quioch, -o; Montpellier kioch, -a, Aniane?” [kyö£], Pezenas?”! quiöch.

[üe]: Salindres?”? cuecho, [kwE kwelo] 5, [kwee küelo] 23, [kwee] Florac (ALF bien cuit). [kw-] statt [kw-] durch Formenangleich an den Infinitiv [kw6iue] 20 (8 51)": [kwec] 20.

[ye]: Colognac?”: kie&ch, Homb. quie quiecho, [ky6]?4 1, [ky& kyeco] 3, [ky&& kye6£o] 11, 14, 15, 19.

[yö]: Caveirac [kyö] (ALF). BISCOCTU??5 (aprov. bescueit, bescuech):

[üe]: Az. bescu& (neben frz. beeinflußtem bescui?”s). RECOCTA .:?77

[we]: Vayss. recuecho.278 [ye]: Sauv. recuiecho,279% Homb. requiecho.2%

DOCTU®! (aprov. duech):

[We]: Az. aduech, -o ‘adroit, -e’ (so auch im Tarn und im Alpengebiet?®®); Vayss. oduech (neben odrech).283

Auch DUCTU (zu DUCERE) zeigt in seinen Ableitungen diphthongierte Formen:

269 Ronjat I, 179.

270 Zaun $ 37c.

271 Mäzuc 319.

272 Ronjat I, 176.

273 Eine ‘Lauttendenz’ [We] > [we] ist im Cev. nicht feststellbar.

274 Auch der ALF hat für Ales sonst durchweg [-£]; [-€E] hier vermutlich be- günstigt durch die häufige Stellung des Partizips am Ende eines Sprechtaktes, wo- durch Intensität und Dauer des Vokals gemindert wurden, durchschnittliche Atem- ausgabe und Höhe der Zungenstellung mithin zunahmen; zur Frage: E. A. Meyer NSpr XXI, 77—86; Gauthiot 203—204; Juret BSL XXIII, 146—147. [-€] > [-e] ist für das Prov. (Ronjat I, 386), das Lang. von Aniane (Zaun $ 50) und Mundarten der Landes (Ronjat I, 149) bekundet.

275 ‘Zwieback’ REW 1123.

276 Vgl. afrz. becuit. Heute im Cev. nur das frz. Wort: [biskwi] 9.

277 Zu RECOCTUS ‘wiedergekocht’ REW 7125; vgl. it. ricotta ‘Buttermilch’; Pieri AGl XV, 194; FEW III, 278,

278 ‘caillebotte’.

279 ‘fromage frais de caillebottes: masse de lait caille qu’on tire du petit-lait bouilli’. cu- ist hier Schreibung für [k] vor i.

280 ‘“lait bouilli’.

281 ‘gelehrt’ REW 2712, FEW unter DOCERE.

282 Vgl. TF; FEW III, 111; Lang ZRPh XXXII, 394.

283 Die Formen sind lautlich und begrifflich mit sfrz. adrech ‘adroit’ = ä drech assoziiert; vgl. Az., Henke 58,

33

ADDUCTU:2% Az. aduech, -o (neben aduch, -o, adu, -cho) ‘“amen&, -e’.285

Die Diphthonge erklären sich durch Kollision mit den DOCTU-Formen 28 Anders bei

INDUCT(HLE:28#

Sauv. Endiuel, Homb. endiuel.28 In gleicher Bedeutung: *INDUCTU:

Sauv. andu6ch&,289 Az. andueche m.; sowie ANDUCTA 2%

prov. enduecho, anduecho, lang. andiuecho (gegenüber andocho im Dauphine) (alle TF).

Die Formen mit Diphthongen anstatt des zu erwartenden [ü] erklärt Ronjat II, 240 durch ‘alternance vocalique analogique’, d.h. die Tonsilbe wurde nach dem Vorbild einer Ablaufreihe [we](bzw.[yüe])/[ü:] (vgl. Ronjat I, 305—306) umgestaltet.??! Als auslösendes Moment für diesen Lautwechsel betrachten wir das Mengenprinzip’: [ü] + Pal. ist den Fällen mit [ü:] + Pal. und [We] (bzw. [ywe]) + Pal. als dessen Entsprechung in der Tonsilbe zahlenmäßig weit unterlegen. Kein Diphthong, wenn der ursprüngliche Tonvokal [6] nicht zu stärkerer Angleichung an den folgen- den Palatal neigte, weil dann die Anknüpfungsmöglichkeit an die genannte Ablautreihe nicht gegeben war, vgl. andocho im Dauphine.

*VOCMTU?®? (aprov. voit, voig, voch; vuech): [we]: Vayss. buech, -o, prov. vuege (TF). [el: Az. beit, -0,?® Toulouse beyt (Az.).

284 Zu ADDUCERE REW 160; FEW I, 30.

285 Infinitiv (aprov. aduire, adurre,; Wolff 41): prov. aduerre neben cev., prov. adurre (Az.).

286 Vgl. FEW III, 111.

287 ‘Wurst’ REW 4384; zu INDUCERE; vgl. G. Paris Ro XI, 163, XIX, 451—452.

288 “andouille, espece de saucisson qui se mange cuit’.

289 an- statt en- wahrscheinlich frz. Einfluß: frz. andouille als Lehnwort be- kunden sfrz. andouio, -lho (TF; Ronjat II, 240).

290 Ronjat II, 240.

291 Daß die Diphthonge nicht lautlich entwickelt sind, zeigen auch die lang. Formen mit [yie]: [yWe] < [We] hat nur im direkten Anlaut, nicht aber nach silbenlautender Konsonanz eine lautliche Berechtigung ($ 57).

292 ‘]eer’ REW 9429; steht für *VACITUS, VACUUS; vgl. Schuchardt Ro IV, 256; Foerster RS III, 180.

293 Az. rodo beito ‘roue dont l’essieu a trop de jeu dans la boite’. [We] > [e] nach nicht palatalem Konsonant, sowie -CT- > [it] kennzeichnen beit, -o als nicht im Cev. bodenständig.

34 -

Aus dem heutigen Cev. sind, wie auch anderwärts in Südfrankreich,?* nur frz. Entlehnungen bekannt:

frz. vuide: [vüide] 15, [büide] 20, Florac;?®5 frz. vide: [bide] 1.

a5) [6] + [is]. $ 20. [is] < -SI-.

AMBROSIU: [we]: G.-D. 194 Sant-Ambrueyx 1433,29

$ 21. [is] <-CS- (= -X-).

COXA (aprov. coissa; cuoissa, cueissa):

[yo]: Montpellier?” kioissa, Aniane?% [kyöysa].

[we]: [kWeiso] 3, 19, 20, Florac, Barjac; im westlichen Rouergue2% cueisso. [ye]l: Amat quieisso, Homb. quieisso, [kyeiso] 1, 15.

[e]: Caveirac [k&isa] (ALF), Toulouse?" queisso, Lezignan?"! keicho, keiso.

[yö]: Avignon?" [kyöiso]. Bed. ‘cuisse’.

$ 22. [is] < -STI- (= -STE-). POSTEA?® (aprov. poissas; puoissas, pueissas?"): [ye]: Vayss. pieysso (Villefranche), pieyssos (Kanton Marcillac).

[e]: Castres peissos (Az.), Ber. pe-idza,?’ niederlim. peija.?"®

294 Vgl. Ronjat I, 266. 295 [u] statt frz. [ü] ist nach Zaun $ 332c unter dem Einfluß des anlautenden

Labials ‘durch Dissimilation zum folgenden i entstanden’. Daß vüi- eine nicht ge- nügend kontrastierte Artikulationsfolge bildet, zeigt frz. vuide > vide.

296 Saint-Ambroix, arrond. d’Alais.

297 Ronjat I, 171.

298 Zaun $ 37c.

299 Ronjat I, 172.

300 Ronjat I, 176.

3011 Anglade RLR XL, 170, 298.

302 Ronjat I, 175.

303 ‘nachher’ REW 6687.

304 Mit analogem -s; vgl. Grandgent Prov. $ 83; Ronjat II, 324—325.

305 Neben pe-idzampre, verstärkt durch apr& ‘apr&s’; eingeschobenes m offen- bar durch Einmischung von am(b), ab < APUD; zur Form vgl. Chabaneau Gr. 330; Ronjat III, 501—503.

306 Verlegung des Akzentes auf die Auslautsilbe vielleicht analog nach deijä ‘deja’.

35

Im Cev., wie im größten Teil des Languedoc stets

*POSTIUS?? (aprov. pois; puois, pueis) (13. Jahrh.)3%):

[yo]: Az., Sauve, Montpellier310 pioi, P&zenas®!! piöi, Anianesı2 [pyoy]ı Vayss. pioy (Midi du Dep. Aveyron).

[We]: puei vereinzelt im Limousin.313

[ye]: de Lafare (Bouc. 1085), Arnavielle (Bouc. 328), Aberlenc (Bouc. 1170) piei, Fesquet Mon. I, 55, 76, Lasalle®% piei, Amat piei, Homb. piei, [py&il 3, 4, 8, 9, 19, 21, 23; la Vacquerie, Montpellier314 [pyey], Vayss. piey, Bigob, prov. piei.

[e]: Pezenas®! pei, apei, im Limousin (vereinzelt)}!° pei, Ber. pe-i, Vayss- opey (Kanton Belmont), Beziers apei (Az.), Lezignan?!? apei.?'8

Die Formen für ‘depuis’:

DE + EX + *POSTIUS3!? (aprov. despuois32P):

[yo]: Montpellier despioi (Az.), Clermont-l’Herault?”! despiöy, Vayss. despiöy (Kanton Belmont).

[we]: altlim. deispueys, heute deipuei.3?

[ye]: Aberlenc (Bouc. 1261) despiei, Amat despiei, [despy&i] 23, [düspyei]’”

307 Durch Anlehnung von POSTEA an Komparativformen wie MELIUS, LON- GIUS, PEJUS (entsprechend *ANTIUS für ANTEA in prov., kat. anz, afrz. ainz); vgl. Schuchardt ZRPh XV, 240. Zaun 267 a. 1 lehnt *POSTIUS ab und legt ($ 37c) POSTEA mit sekundärem Abfall des -a zugrunde (ebenso Grandgent Prov. 22; REW 6687); doch geben die historischen Belege keinen Aufschluß über ein verschiedenes Alter der beiden Worttypen im Rom., so erscheinen z.B. im Prov. von Avignon schon in den ältesten Dokumenten stets die einsilbigen Typen (nach Pansier). Das von Mohl Chron. 9; Bourciez $ 321c; Ronjat I, 179, III, 489 angesetzte *POSTEIS ist formell und lautlich nicht ohne Bedenken.

308 Pansier III, 140,

309 Fesquet Mon. III.

310 Mushacke $ 25c; Höfele 44; Ronjat I, 179.

311 Mäzuc 314.

312 Zaun $ 37c.

313 Chabaneau Gr. 310.

314 Zaun l.c., von Ronjat l.c. als ‘montpellierain dialectal’ angegeben.

315 Mäzuc 311.

316 Nach Chabaneau Gr. 310 besser peipr& < pueis apres.

317 Anglade RLR XL, 170.

3ı8 Also teilweise durch AD- verstärkt.

319 Der Nexus DE+ EX findet sich auch auf der iberischen Halbinsel, vgl. span. despues, sowie desde < DE -+ EX + DE (Bourciez $ 243c).

320 Neben depois; depueis, depus < DE -+ *POSTIUS.

321 Pastre 67.

322 Beide nach Chabaneau Gr. 331.

323 [ü/] durch Kreuzung mit [düm#], vgl. weiter unten im Text.

36

Florac (ALF depuis); la Vacqueries24 [despy@y], Vayss. despiey.

[e]: im Limousin?®5 deipei, Ber. despe-i, Salow $ 60 [despei, despe].

DE + IN + *POSTIUS:

[yo]: Aniane [dempyöy], [dümpyöy],»2* Clermont-l’Herault??” dempiöy. [ye]: de Lafare (Bouc. 1276) dempiei, Homb. dempiei, [dEmpyei] 1, 20 (ALF depuis), [dempy6i] 3, 7, 9, 19, [dümpyei]”® 11; la Boissiere, la Vacquerie?”® [dempyey], Vayss. dempiey.

le]: Ber. denpe&-i, Toulouse dumpey, dunpey (beide Az.), Salow l. cc. [demp&j]. DE + EX + IN + POSTIUS:3*

[yo]: Aniane?2® [dezempyöy], Clermont-1’Herault??” desempiöy.

[ye]: Homb. desempiei, [dezempy&@i] 6, 19, [dezümpyei] 11; Vayss. desem- piey, prov.?3" desempiei(s).

[e]: Az. desumpei;?®! Ber. desenpe-i, Az. desempei (ohne Landschafts- angabe), vgl. Salow l.c.

Seltenere Kombinationen: Vayss. dendespey (Villefranche) = DE+IN +DE-+ EX.

Amat desespiei = desem- x des-.

Ein Nebeneinander von Typen mit ein- und zweisilbiger Präfigierung ist für die Orte 11 und 19 des untersuchten Gebietes festgestellt, für andere Orte fehlen dies- bezügliche Beobachtungen, doch sind ähnliche Verhältnisse z.B. aus dem Lang. von Aniane332 und dem lang.-kat. Grenzgebiet333 bekannt. Es darf als feststehend gelten, daß diesen Schwankungen syntaktisch bzw. funktionell bedingte Alternationsreihen zugrunde liegen;334 vgl. Homb.: „Le premier (= dempiei) ne se place jamais & la fin d’une phrase ou d’un membre de phrase, position qui convient parfaitement au second (= desempiei)“. Eine solche stellungsbedingte Trennung wird jedoch in der Umgangssprache nicht immer scharf durchgeführt. Die längeren Formen, die nach meinen Beobachtungen durchweg weniger geläufig sind, dürften ursprünglich am Ende einer zusammenhängenden Wortgruppe entstanden sein, d.h. da, wo das Wort sich in funktionsstarker und syntaktisch hervorgehobener Stellung befindet.

324 Aus einem modernen Text, Zaun $ 37c.

325 Chabaneau |. c.

326 em: > üm: = Vorwegnahme der Lippentätigkeit.

327 Pastre 67.

328 Zaun 8 37c.

329 Vgl. Zaun $ 37c; Ronjat III, 489.

330 Az., Ronjat l. c.

331 Aus dem Cev. sind [e]-Formen sonst nicht belegt.

332 Zaun $ 37c.

333 Salow $ 60.

334 So erhielt Salow (l. c.) bei anderem Satzzusammenhang auch andere Formen, ohne daß sich eine bestimmte Alternationsregel daraus ableiten ließe.

37

a6) [6] + rl. $ 23. rl <-RI. CORIU33 (aprov. cor, coir; cuer?®®): [yo]: Az. quior; Aniane®37 [ky9], Vayss. quior (Kanton Belmont).

[we]: Amat cuer [küwe] 20, [kwer]?*® Florac (ALF cuir), [ker] 4, 9, [kwer] 19, [kwer] Barjac (ALF); Vayss. cuer, Ber. cur, im Limousin?®® cuer,

[ye]: Homb. quier, [kyer] 1 (ALF), [ky@r] 2, 10, [kyerx] 15, 25. [e]: Couz. quer, Lezignan,?*" Ber. ker.

[yö]: Caveirac [kyör] (ALF).

b) [öl vor Velar.

bı) [6] + Bl. 8 24. [ul < -V-.

BOVE (aprov. bou; buou, bueu): [Wo]: Vayss. buou.3!

[yo]: de Lafare (Bouc. 808, 1224), Fesquet Comp. biöu, Prov. XVI, XVII tous biöus (Plur.), Amat, Homb.3? bi6ou, [byou] 1, 3, 5, 15, 19, 20, 23, Florac, [luz byöu] 1, [luz byöus] 20, Florac (ALF); Aniane?* [byöws] (Plur.), Vayss. biou, Lezignan®*: biöu, Ber. lou bio-ou.

(Plur.), Vayss. bioüu, Lezignan®** biöu, Ber. lou bio-ou. Nizza®#8® und benachbarten Gebieten? [böu].

8335 ‘Leder’ REW 2233.

336 Vorausgehendes e hat die Reduktion des (vor gerolltem r im Wortauslaut an sich schon relativ schwachen) [i]-Anglitts besonders begünstigt; die Annahme von ‘mouilliertem r’ als Zwischenstufe (Zaun $$ 227—228) ist historisch und physiolo- gisch nicht zu stützen, vgl. Jordan 168—169.

337 Zaun $ 37c.

338 - mit velarer Reibung; [R] und [x] werden im ALF nicht unterschieden.

339 Chabaneau Gr. 34.

340 Anglade RLR XL, 170.

3411 [Wo] vor allem in Rodez und Millau, vgl. Constans 17.

342 Nach Homb. auch ‘coccinelle’.

343 Zaun $ 37d.

344 Anglade RLR XL, 170.

3455 < [Wo] durch Diss. gegen das hintere [uw] (vgl. Ronjat I, 185; anders Schroeder 186) als Reaktion der Sprache gegen eine (satzphonetisch bedingte) Tendenz zur Verengung des [90] zwischen [W] und [u], d.h. gegen eine Verringerung der Kontrastierung der Öffnungsgrade in der Akzentsilbe.,

346 RPGR I, 142.

347 Doch Ronjat I, 164 gibt für Nimes, wie für das benachbarte Rhönegebiet nur biöu. Ob die Reduktionsstufe [o] westlich der Rhöne ehedem weiter verbreitet

38

Einfluß der Tonsilbe: [iou:] bzw. mit Ass. [iou?] > [iou:]: cev. biöulet?" ‘bouvillon’; Amat soun biöoulas (Pejorativ). Ass. [iou:] > fiu:]: Az. bioulet, Az., Homb. bioule, Homb. bioulas (Augmentativ und Pejorativ).

Vortonige Entwicklung: Az. bouiras, bouire(t) m. ‘boeuf gras, gros boeuf’

= [bou:] > [boi-]35 > [bui:] + analogischem [r]? + Suffix [-as] bzw. [-et].

BOVARIU bzw. BOARIU38 (aprov. bovier, boyer):

Az. bouer (auch Toulouse), Lasalle lou bouie, Valleraugue, Saint-Andre-

de-Valborgne?®* lou bouiö, Homb. bouvie, [buvye] 1, 20, [buyö] Florac (ALF bouvier), [bujy6e]35 15.

BOVE + -ITTU:35

Az. bouvet, Lasalle, Colognac bouvet, la Lironenque, Bouzon®®* boubet rouge-gorge’, [buve] 1, [buvet] 20 (ALF), [bubet] 19 ‘bouvreuil’.

OVU®# (aprov. ou; uou, ueu):

[Wo]: Vayss. uou.

[yo]: de Lafare (Bouc. 1038), Az. iöu, Amat, Homb. iöou, [ün you] 1, 20,

- Florac (ALF), [yöu] 3, 7, 15, 19, 23, 25 (mit Artikel [l yöu] 19, 23); Aniane’®

[ySws] (Plur.), Lezignan359 iöu.

war, steht dahin (östlich der Rhöne war dies der Fall, vgl. Schroeder 186); jedenfalls ist das östliche [o]-Gebiet an Ausdehnung größer (vgl. Schroeder 186—187), und es besteht durchaus die Möglichkeit, daß die [o]-Formen von Osten her in das De£p. Gard eingedrungen sind; im Cev., sowie südlich von Nimes finden sie sich nicht.

348 Sütterlin 264.

349 Schroeder 186—187.

350 Ronjat I, 308. -lI- durch Anlehnung an die zahlreichen Ableitungen auf -IOL- bzw. -EOL-, vgl. Anm. 352; zugrunde liegt hier wie dort das Bedürfnis, durch deutliche Abgrenzung ven Stamm und Suffix die Funktion des Wortes als Ableitung zu erhalten,

351 Diff. der Lippenbewegungen bedingt Richtungsänderung der Zungenbewe- gungen. Im Osten, wo [-64] statt [-6u] erscheint, ist dieser Vorgang auch für die Akzentsilbe des Simplex belegt, vgl. urkundliches buois (Plur.) bei Schroeder 186. Weitere Beispiele bei Meyer-Lübke ZRPh XXXIX, 83—86; Millardet Ling. 271 ff.; Ronjat II, 167, 209.

352 Nach den Ableitungen auf -ÖRI- > sfrz. [-uir-], vgl. Anm. 350.

3535 REW 1180; FEW I, 476. Über die lat. Tendenz zum Ausfall des -v- in labialer Umgebung vgl. Juret Dom. 192—255, 260; Grandgent Vulg. $ 324; Ronjat II, 114—115.

354 Fesquet Mon. III.

355 [?] ist hier implosiver Anglitt des intervokalen [-y-], 8 2.

356 Im Sfrz. als Vogelname, zumeist ‘Dompfaff’; vgl. FEW I, 446.

3577 REW 6128; zur Form vgl. Tuttle MPh XVI, 589; Jordan 54, 141; Ronjat 1721152. 1.

358 Zaun $ 37d.

359 Anglade RLR XL, 171.

39

[0]:?°° Keine Belege aus dem Dep. Gard, [öu] in Nizza und benachbarten Gebieten.3s1

8.25, NOVU (aprov. nou; nuou, nueu°®?):

[eo]: Fesquet Prov. L al cami nöu, Amat, Homb. nöou, [nöu] 1, 20, Florac (ALF habit neuf); Aniane?# [now], Lezignan?% nöu, Bewahrung des Vokals im größten Teil Languedocs und in der Provence.

[Wo]: Vayss. nuoü. [v9]: niederlim.365 niöu, oberlim.366 nio. [e]: Ber. ne-ou.

[ou] > [au] in der Gascogne und benachbarten lang. Mundarten. Spuren dieser Entwicklung auch in Ortsnamen der Deps. Gard und H£rault:

G.-D. 50 (Castro-Novo 1211, Castrum-Novum 1384), Castelnau3s’ 1547, 1731, Castelnau®®® 1721; E. Thomas 36 (Castellum novum 1119), Castelnau3s (Castellum novum 1101, 1124, 1203), Chastelnau 1518, Castelnau, Castel- nau de Guers?” 1625, 1649, 1688, 1760. Vgl. weiter unten.

Die Erklärung der Bewahrung des Vokals bei NOVU aus einer häufigen proklitischen Stellung 37! befriedigt nicht ganz; die akzentuelle Stellung einer Merkmalsbestimmung bei prädikativer Verwendung bzw. als nachgestelltes Attribut, d. h. also in der Mehrzahl der Fälle ist im all- gemeinen stärker als die eines ausgesprochenen Proklitikums. Auch die Hypothese einer nur vor -2, -i erfolgten Diphthongierung?” beseitigt die Schwierigkeit nicht. Geht man aber davon aus, daß nur [u] < -V im rom. Auslaut, nicht aber die Entsprechungen von intervokalem -V-, also [d, w, v]?”®, Diphthongierung bewirkt haben, so konnte das Mask. den Mono-

360 Vgl. oben unter BOVE.

361 Sütterlin 264; Ronjat I, 185; Schroeder 186. 362 In altlim. Urkunden, vgl. Porschke 54. 363 Zaun $ 174.

364 Anglade RLR XL, 321.

365 Chabaneau Gr. 33.

366 Ronjat I, 166.

367 con de Ve&zenobre.

368 f. cne de Valabrix.

369 f. cne de Vendres,

370 con de Florensac.

371 Schneider 17; Ronjat I, 183,

372 Vgl. $ 56.

373 Vgl. Ronjat I, 150.

40

Phthongen bewahren auf Grund eines Formenausgleichs nach dem laut- gesetzlich undiphthongierten Fem.374

NOVA (aprov. nova; nueva3): [o}: Homb. novo, [n6o] 1, [növo] 20, [nöbo] Florac (ALF robe neuve),

G.-D. 265 (Villanova prope Avenionem 1384), Vila-Nova 1433, Villenove pres Avignon 1496.77° Einfluß des Mask.:

[yo]: niederlim 377 niövo. le]: Ber. nevo.?78 Dagegen [a] < [ge] sowohl vor -v-, als auch unter dem Vorton:379

G.-D. 149 (Nova-Cella 1384, 1462), Novacelle 1549, Novecelle 1558, Nava- celle380 1602.

Noch seltener diphthongiert das Zahlwort NOVE (aprov. nou; nueu®8!):

[pP]: Amat, Homb. nöou, [nöu] 1, 19, 20, Florac; Vayss. noü,3® Jim. 3% nöu usw.

[le] (< [we]): Le Puy (Dep. Haute-Loire)3% neu. [ou] > [au] in ähnlicher Verbreitung wie bei NOVU.

374 Vgl. Meyer-Lübke Diphth. 358—359; Schroeder 188.

375 Bei Wilhelm von Poitiers und in altlim. Urkunden (vgl. Ronjat I, 165; Porschke 44). Der Diphthong im Fem. ist sekundär nach dem im Limousin diphthongierten Mask. gebildet.

376 Villeneuve-lez-Avignon, arrond. d’Uz&s.

377 Chabaneau Gr. 33.

378 Weitere Angaben bei Ronjat I, 166.

379 Im Cev., wie in benachbarten lang. Mundarten ist die Tendenz zur Senkung des [o] vor folgendem Labial (= Diff. der Lippenbewegungen) auf den betonten Ultimavokal in dreisilbigen Wörtern (vgl. weiter oben) und auf vortonige Silben beschränkt, also auf Fälle, wo infolge der schwächeren Artikulationsenergie die Innervation und Spannung der Lippenmuskeln beim [eg] eine relativ geringere ist. Vgl. PULMÖNE > [poumän] 20 (ALF poumon), [ppoumü] 19, [paumü] 15, Florac (fau:] auch im Dep. Herault, Zaun $ 100b); ALF omelette: [oumeleto] 20, Florac, [aumeleto] 1. Auch vor [b] ist Senkung möglich, vgl. für Herault urkundliches abtene < *OBTENERE bei Zaun $ 98. Weitere Beispiele gibt Ronjat I, 296. In der Gascogne erscheint [0] > [al] vor folgendem Labial unabhängig vom Grad der Akzentuierung; vgl. Schneider 16—17, 37; Ronjat I, 166—167; Rohlfs Gasc. 76—77; Dengler 20.

380 con de Saint-Ambroix.

381 In altliim. Urkunden, Porschke 54.

332 Aymeric 331: „NOVEM > nöu pour ne pas &tre confondu avec nüsu < NOVUM“. Daß dieses Moment nicht ausschlaggebend war, zeigt Constans 17; vgl. auch die cev. Formen, sowie Lezignan nöu < NOVEM, NOVUM (Anglade RLR 1,321).

383 Chabaneau Gr. 206.

384 Ronjat I, 166; daselbst weitere Angaben.

41

Für die Bewahrung des Vokals kann hier nur eine durch häufige syntaktische Vortonstellung bedingte Schwächung des Wortakzents ver- antwortlich gemacht werden;3# hinzukommt vielleicht noch der Einfluß der zugehörigen Ordinalzahl: aprov. noven < NOVE + -ENU.38

8 26.

DIE JOV(I)S bzw. JOV(DS (aprov. (di)jous?®”):

[0]: Amat, Homb. dijöou, [diööu] 1, 2, 15, 20, [digöus] 19, Florac. Diphthongierte Typen nur ganz vereinzelt:

[e] (< [we]): in einigen Mundarten des nördlichen Südfrankreich.3s [ou] > [au] vor allem in der Gascogne.

Entsprechend verhält sich, soweit belegt:

BARBA JOV(NS:38®° Homb. barbajöou,?” Az. barbajöu, Nimes barbazou, prov. barbachou,??! Az. barbajou-gris.39%

Eine Bewahrung des Vokals auf Grund von ‘normalisation d’une forme originairement proclitique”®® ist nicht wahrscheinlich, denn es handelt sich hier um selbständige Nomina, die gemäß ihrer Funktion durchweg an stärker betonter Stelle stehen.3® Ein „Einfluß gelehrter Kreise, vgl. jous sant (kirchl. Kalender)“?® ist für den in der Umgangssprache ungleich häufigeren Wochentagsnamen nicht ohne weiteres annehmbar; außerdem bleibt dann BARBA JOV(DS unerklärt.

Eine andere Möglichkeit wäre nach Ronjat I, 183 die sekundäre Ab- sorption des ersten, palatalen Diphthongelementes durch den anlautenden Palatal: -jöu(s) > *-jiöu(s); aber „les parlers qui ne r&sorbent pas ont

385 Schneider 17—18; Ronjat I, 183; Schroeder 188.

386 Dagegen wurde die Diphthongierung des Zahlwortes OCTO (8 19) nirgends durch solche Momente behindert: die diphthongbildende Wirkung eines Velars ist offenbar von Grund auf geringer als die eines Palatals und daher leichter durch besondere Bedingungen beeinflußbar, vgl. $ 58.

387 Cost. d’Al. (Sauv. II, 5) ious.

388 Vgl. Ronjat I, 166.

389 ‘*Hauswurz’; vgl. REW 4593; FEW I, 244.

390 ‘grande joubarbe, artichaut de muraille’, ‘hirondelle a croupion blanc’ (nach Homb. wegen des gabelartigen Schweifs des Vogels; vgl. FEW I, 244—245). Ronjat (FEW I, 247 a. 9) möchte den Vogelnamen anders erklären, und zwar als BARBA + -ARIOLU mit Diss. zu -ADIOLU; es fehlen jedoch Vergleichsbeispiele.

391 Vgl. Az. barbajoulet ‘hirondelle de rivage’, Nimes barbazoulet; -ch- bzw. -2- durch Einmischung des Suffixes -ATICU; vgl. FEW I, 247 a. 9.

392 “hirondelle des rochers’.

393 Ronjat I, 183.

394 Schroeder 187.

395 Schroeder l.c.

42

cependant -jöu(s)“. Ronjat denkt dabei an ein Nebeneinander von -jöu(s) < JOV(DS und jio(c) < JOCU. Doch jio(c) ist nicht historisch gültige Vorstufe zu modernem jo(c) (vgl. unter JOCU, $ 31), ebensowenig daher *_j0u(s) zu -jöu(s). Auch die Annahme einer unmittelbar von der Stufe *-jüöu(s) ausgehenden Absorption wäre nicht befriedigend: JOLIU ($ 14) und JOCU (8 31) zeigen im Aprov., wie auch in heutigen Mundarten Qurchaus Reflexe mit Bewahrung von [üo] bzw. [We]; bei JOV(I)S dagegen stets [0] neben vereinzeltem [e] < [wie] in neuer Zeit.3%

Die Erklärung für das Ausbleiben der Diphthongierung liegt viel- leicht darin, daß hier ursprünglich nicht [-w], sondern [-us] vorlag, der Tonvokal mithin vor zwei Implosiven stand; in diesem Fall werden nach dem Gleichgewichtsprinzip der artikulatorischen Kräfte Expirations- energie und Quantität des Tonvokals geringer gewesen sein als vor [u] im direkten Silbenauslaut, vgl. & 58.

27.

PLOV(E)RE PLOV(I)T (aprov. ploure plou):

[eo]: Fesquet Mon. I, 67 plöu, Homb. plöoure plöou, [plöuse plöu] 1, 7, 10, 19, 20, Florac; [9] auch im übrigen Languedoc und in der Provence.

[e]:?”” Vayss. pleoure (Kanton Villeneuve), Ber. ple-oure, weitere An- gaben bei Ronjat I, 166.

[ou] > [au] in größerer Ausdehnung im Westen.

Anlautend [pl-] kann die Diphthongierung vor [u] von vornherein ver- hindert haben,3% da die diphthongbildende Wirkung der Velare schwächer ist als die der Palatale (8 58). Mitgewirkt haben dürfte der Einfluß solcher Formen des Verbs, in denen [0] die Bedingungen der Diphthongierung nicht erfüllt.39% Letzteres Moment gilt auch für *MOV(E)RE#0 __ MOV(E)T (aprov. moure mou neben muou, muelhi): Az. möure (auch prov., TF, Bouc.) neben maure®®, moire, Homb.

396 [e] wird daher hier wohl besser als rein lautliche Analogiebildung auf- gefaßt.

397 Wohl nicht direkte Fortsetzung eines alten Diphthongen, sondern Ein- wirkung der Reflexe von *PLOVIA (8 12).

398 Ronjat I, 183,

399 Vgl. Ronjat I, 183; Schroeder 188.

400 Für klass. lat MOVERE, Herford 62.

401 Auch die 1. Präs. Ind. lautet so. Die Diphthonge können hier analog nach Fällen wie volh, vuolh, vuelh < *VOLEO; posc, puosc, puesce < *POSSIO (vgl. Voretzsch SF 605—606; Skok ARo IX, 171; Richter Phon. 164) (-c durch Anlehnung an die Inchoativbildungen) entstanden sein.

402 Vgl. maue, mabe in der Gascogne, Az., Rohlfs Gasc. 76.

43

möoure, [möuse] 19,108 Vayss. möyre, mouöyre 104

[e]: niederlim. em&ure.*”

b2) [6] + [glr]. 22. 100) < -CHR-, SOCRU, SOCRA®® (aprov. sogre sogra,; suogre,t7 suegre su egratos). [0]: Az. sogre sogro.

[We]: Az. suegre suegro.410

Nach Ronjat I, 171 hätte nicht [gr] < -CR-, sondern [ir] < -C.R- die Diphthongierung bedingt: „suegre est le croisement de sogre < SOCRU avec *sueir(e) analogique de *sueiro < SOC(E)RA“. Als lautgerecht diphthongierte Reflexe sollen also nur die aus südwestfrz. Mundarten be- legten Formen mit Verlust des g vor r gelten: bearnesisch sou&e < *soueir </ SOC(E)RU; aprov. sözer „porte ä admettre une refection de sou6 sur souero, -e < soeir- < SOC(E)RA“ (Ronjat I, 241). Aber ein regionales Nebeneinander von undiphthongierten Formen mit -gr- und diphthon- gierten Formen mit -ir- (d.h. von lat. synkopiertem SOCRU und einem erst nach Ass. des intervokalen [-k-] > [-g-] bzw. [-g-]*'! synkopierten *SOG’RU), die wechselseitige Beeinflussung dieser beiden Formen, sowie endlich die Herausstellung und Normalisierung einer Kompromißform mit Diphthong vor -gr- sind Annahmen, die jedweder Grundlage ent- behren. Soweit die Belege zurückreichen, sind die Formen mit -gr- von denen mit -ir- mundartlich verschieden (vgl. die aprov. gr-Formen gegen- über altbearnesisch soer, soei, sui*!?2); nichts deutet darauf hin, daß die ir- Formen ihrer Verbreitung nach ehedem überwogen bzw. während der

403 Zur Homonymie mit MOL(E)RE vgl. $ 46.

404 Mit jüngerer Diphthongierung [6] > [we]. Die Diff. [u] > [il setzt vor- hergehendes [o] voraus (vgl. unter BOVE (8 24), sowie couide < aprov. coide < *[koude]l < CUB(I)TU), dürfte also von den endungsbetonten Formen des Verbs ausgegangen sein, vgl. moira (3. Fut.) und moyre (Inf.) in einer lim. Urkunde von 1344, Porschke 45.

405 Statt emöure, Chabaneau Gr. 264; meure erscheint bereits in der alten Zeit (vgl. Henke 6) und braucht daher nicht Fortsetzung einer diphthongierten Form zu sein.

406 SOCRUS ist alte Kurzform zu SOCERUS; vgl. Grandgent Vulg. $$ 232—233, 346; REW 8054; Richter Phon. 35.

407 Z.B. 1348 in einer Urkunde aus Millau (Rouergue), Henke 9.

408 Bewahrung des Monophthongen in Teilen des Languedoc auch für [6] + [kl] ($ 8); eine vergleichende Gegenüberstellung ist jedoch schwierig, da für SOCRU, SOCRA moderne Reflexe fehlen.

409 Aniane 16. Jahrh., Zaun $ 33c.

410 So auch im südlichen Küstengebiet (TF).

411 Zur Frage vgl. Neumann ZRPh XIV, 559—563; Wendel 36—38; Herford 68—70; Appel $ 47.

412 Nach Levy.

44

Diphthongierungsperiode im ganzen Sprachgebiet gebräuchlich waren. Apokopiertes sözer < SOCERU ist nur ganz vereinzelt aus der Troubadour- Sprache belegt?!3 und erscheint später nicht mehr; man wird von dieser offenbar unvolkstümlichen Form!* nicht ohne weiteres auf ein ursprüng- liches Nebeneinander SOCERU SOC(E)RA und sekundären Ausgleich nach dem Fem. schließen dürfen. Andererseits ist eine direkte Ableitung der ir-Formen aus SOC(E)RU schwierig, da Vergleichsbeispiele für eine Synkopierung des e nach palataler Konsonanz vor dem Wortausgang -RU nicht vorhanden sind;?!5 auch vor -RA ist die Synkopierung des e zwar nicht sicher zu belegen,*!% aber wegen der größeren Widerstandskraft des Ultimavokals physiologisch eher begreiflich.

Wahrscheinlicher ist, daß die synkopierten Formen der Galloromania auf SOCRU, SOCRA#!7 zurückgehen, und daß die Trennung in Formen mit -gr- und solche mit -ir-, -r- auf mundartlich verschiedener Entwick- lung der Verbindung -CR- beruht. Es dominiert bald der erste, bald der zweite Konsonant, je nachdem die Silbengrenze ursprünglich vor oder innerhalb der Konsonantenverbindung lag:*!8

l. [kr] > [gr]: nach der rom. ‘Neuordnung der Silbengrenzen’!9 war auch hier ein loser Anschluß des g an das r vorhanden,?? da die aprov. Diphthongierung festen Anschluß des g an den Vokal, graphisch grob ausgedrückt [g/r], voraussetzt, vgl. & 58. 2. [kr] > [gr] > [g’r] > [ir]: Diphthongierung vor implosiven [i]-An- glitt.421

Gestützt. wird diese Annahme vor allem? durch die Entwicklung der Verbindung -GR-, die seit alter Zeit in den sfrz. Mundarten teils als [gr], teils als [ir], [r] erscheint.*23

413 Bei B. Calvo.

414 Vgl. Seifert 139.

415 e nach palataler Konsonanz vor -RE wird in der Regel nicht synkopiert; vgl. Ronjat I, 239—241.

416 Vgl. Ronjat I, 241—243,

417 So z.B. in Appendix Probi und in lat. Inschriften Galliens, Pirson 51.

418 Im Lat. wechselnde Silbentrennung der auf r oder l ausgehenden Gruppen; vgl. Salverda de Grave Neoph V, 2—3.

419 Richter Phon. 127.

420 Zur Frage vgl. Rohlfs ZRPh XL, 341; Richter Phon. 46.

421 Die gleiche Verschiedenheit in der Behandlung von -CR- zeigt afrz. sogre, Suegre, suevre gegenüber suere, suire; Salverda de Grave Neoph V, 5.

422 Die anderen wenigen Beispiele mit -CR- bieten auf Grund besonderer Be- dingungen nicht ein so klares Bild; vgl. Ronjat II, 227; insbesondere ist *ALECRE > alegre (Voretzsch SF 598) nicht beweisend, da spätere Entlehnung vorliegen dürfte, vgl. Richter Phon. 47.

423 Vgl. dazu Grandgent Prov. 59; Meyer-Lübke ZRPh XXXIX, 261—265; Polack ASNSL CXXXVII, 213—216; Rohlfs Ag. 5—7, Gasc. 83; Ronjat II, 227—228.

45

ba) [6] + [RI]. $ 29. [kl] <-CU.

FOCU (aprov. foc; fuoc,‘?5 fuc,t26 fuec):

[ol bewahrt im südwestlichen Languedoc#” (z. B. Toulouse! und Lezignan®?®),

[Wo]: Vayss. fuoc.*3°

[99]: Arnavielle (Bouc. 498) fiocs (Plur.), Fesquet Mon. I, 75, Mon. III, Prov. XCH, XCVI, Lasalle fioc, Sauve,i3? Az. fio,3? Amat fiö, Homb. fiö, [fy6] 1, 3—5, 8, 9, [fyök] 10—16, 18—20, 22—25, Florac (Plur. [fyöks] 15, [fy6e] 11, 19, 23), [fyok fulet] 20, [fyo fulet] Florac (ALF feu follet); Nimes fiö, Montpellier®®* fioc, Aniane‘35 [fyök], Vayss fioc, fiot??* (Villefranche), Couz. fioc, fio (neben undiphthongiertem foc), im Limousin (z.B. Non- tron)*3? fio.

[We] im Mittelmeer- und Alpengebiet.*38 [e]: lim.?3? fe, Ber. lou fe.

PETRA + FOCU: G.-D. 163 Peyrafuc“% 1288.41 G.-D. 181 Peyrefioc 1773.42

424 Vgl. 8 58.

225 Aniane 14. Jahrh., Zaun 8 37d,

426 Rouergue gegen 1160, Brunel 88. [ü] < [Wo], vgl. & 57.

427 Ronjat I, 169.

428 H. Meyer VKR VI, 29.

429 Anglade RLR XL, 293.

430 Ebenso Aymeric 331; nach Ronjat I, 169 ist fuoc im Rouergue nur noch in Conques gebräuchlich, sonst [yo].

431 Avignon fioc zuerst 1360; Pansier III, 86.

432 Fesquet Mon. III.

433 Nach Az, im Cev. auch als Fem., doch fehlen weitere Angaben. Erklären läßt sich dieser Genuswechsel aus einem nach dem Abfall des -k erfolgten ‘fal- schen’ Angleich des [-6] an das ‘offene’ [0] der fem. Nomina.

434 Ronjat I, 169.

435 Zaun $ 37d.

436 -t auch im Ocev. von Ave&ze (Gard) (nach Cabanis). Zur Ausdehnung der Erscheinung vgl. Ronjat II, 282—284. -t statt -k durch Rückbildung einer Singular- form nach den Pluralen auf [-ts, -&, -&©] < [-ks]; vgl. dazu Bauquier Ro VIII, 114—117; Ronjat II, 281—283.

437 Chabaneau Gr. 33.

438 Ronjat I, 169; Schroeder 190—191.

439 Ronjat I, 170; daselbst weitere Angaben.

440 [ü]l < [Wo], vgl. unter FOLIA ($ 14) und $ 57. Keine [ü]-Formen für das Simplex aus dem Dep. Gard.

441 Pierrefeu, q. cne de la Calmette.

442 Le Ressayre, f. cne de Saint-De£zery.

46

I

ww

CAPU + FOCU#3 (aprov. capfoc; capfuoc, cafuoc (1388), casfuoc‘* (1452)445).

[ö9]: prov. carfuoc (Az.).

[yo]: Az. cafio (auch prov. neben carfiö, TF), Homb. cafiö, [kafy6] 4.446 löe]: prov. cafue(c), carfuec, cha(r)fuec#? (Az., TF).

Aprov. gachar ‘garder’ + Reflex von FOCU:48

[yo]: Az. cacho-fio, Seguier cache-fioc.

[üe]: prov. cachofuec (Homb.), cacho-fue (Az.).

8 30.

LOCU (aprov. loc; luog (1180), Tuoc,450 Tuec#5! (beide 1265)449): [0] bewahrt im südwestlichen Languedoc®? und in der Gascogne.453

[öo]: Vayss. luoct5 (neben lioc, loc). [y9]:*5°° Fesquet Mon. I, 76, III lioc, Intr. ioc,5% Az. io, yo (au yo de ‘au lieu

443 ‘Feuerbock’, eigentlich ‘t@te du feu’, it. capi-fuoco; vgl. Benoit ZRPh XLIV, 409; FEW III, 656.

444 Eingefügtes s = ursprüngliche Rektusform.

445 Beide nach Pansier III, 31.

446 Sonst andere Worttypen.

447 Eingefügtes r, ebenso wie u in caufuech (1505) (Pansier III, 31), durch Ein- fluß der Reflexe von *CAL(E)FARE (FEW CALEFACERE) > im Dauphine charfa, prov. caufa (TF). Vgl. escafuoc (1471) “landier’ (Pansier III, 73), prov. [eskoufyö, eskarfyg] (an 5 Punkten im ALF) nach escalfar (1375), escaufar (1495), escofar (1490) (alle nach Pansier III, 74) < *EXCAL(E)FARE (FEW EXCALEFACERE). vgl. Benoit ZRPh XLIV, 410; Ronjat II, 206—209.

448 Bezeichnung für den ‘Weihnachtsblock’; vgl. prov. cacha fiö ‘mettre le feu’ (TF); Benoit ZRPh XLIV, 416; FEW III, 659 a. 31.

449 Pansier III, 106.

450 In Urkunden aus Montpellier vor dem 14. Jahrh., Mushacke $ 25; Montagnac (Dep. Herault) 15. Jahrh., Zaun $ 37d.

451 Cost. d’Al. (Sauv. I, 237, 274); Montpellier 14. Jahrh., Mushacke $ 25. Die [we]-Formen der Cost. d’Al. und der älteren Quellen aus Montpellier können mit den heute in Ales und Montpellier gültigen [yo]-Formen nicht in lauthistorischem Zusammenhang stehen. Da einerseits die Annahme eines sekundären Zurückflutens der [yo]-Formen (vgl. Mushacke ]l. c., Meyer-Lübke RGr I $ 193) unbegründet ist (vgl. Zaun $ 34 cc), andererseits [We] in lang. Mundarten sonst nur vor Palatal auf- tritt (vgl. $ 57), können die älteren [We]-Formen vor Velar hier nur als Schreib- formen gewertet werden. Vgl. Anm. 450.

452 Ronjat I, 169.

453 Ronjat I, 170.

454 Ebenso Aymeric 331.

455 liocs bei Arnaut Daniel (AM XXlII, 328); Avignon lioc zuerst gegen Ende des 16. Jahrh. (Pansier 1.c.). Die Fähigkeit des [l], eine folgende palatale Hebung als [7] zu binden, konnte die Entrundung des [ü] besonders begünstigen; vgl. Trieves liö gegenüber fuö < FOCU, juö < JOCU; Ronjat I, 169.

456 Neben nicht diphthongiertem loc. Ob die heutige Mundart des Kantons

47

de’), Homb. iö, [y6] 2, [Tök] 19;#5” Bigot iö, Aniane#5® [T6k, yök], Langlade aus Lansargues (Dep. Herault) lioc,#5°® Montpellier? ioc, im Limou- sin?#1 Tio (6u lio de‘®%2),

[We] im Mittelmeer- und Alpengebiet.4#3

[e]: lim. le (Az.), Ber. lou l& (6u bzw. ei l& de*% ‘au lieu de’).*% Lautgesetzlich undiphthongiert ist das Fem.

LOCA (aprov. loga):

Homb. (a) logo (de); a loga de bei Lamouche Gr.164 und Zaun $ 350.

Finfluß des Mask.‘%: (aprov. luoga, luega (beide 1366)%), prov. liogo, Nizza luega usw.

581. JOCU (aprov. joc; juoc (1285),16 juec):

[0] bewahrt im südwestlichen Languedoc‘® und in der Gascogne.?7®

Lasalle aber eine Form loc als Nomen kennt, ist zweifelhaft, da sonst aus dem Cev. (auch bei Fesquet) nur diphthongierte Typen angegeben sind. Dagegen loc örtlich im Rouergue (Vayss.; Ronjat I, 169). Die Bewahrung des Monophthongen läßt sich aus der syntaktischen Schwachtonstellung in präpositionaler Verwendung erklären; auch Anlehnung an das Fem. LOCA kann in Frage kommen, vgl. weiter unten.

457 Gegenüber [y&ä] < LECTU, [ywen] < LONGE ($ 18) beim gleichen Sujet, vgl. Anm. 458.

458 Zaun $ 37d. Bezüglich des Anlauts stellt Zaun im Gebiet von Aniane lokale Unterschiede fest; in einem Fall wurde in ein und demselben Ort die Form mit [?-] von dem jüngeren Individuum gesprochen. Demzufolge möchte Zaun 88 37d, 23la, die viermal festgestellte Form [Tök] (gegenüber zweimal [yök]) auf frz. Einfiuß zurückführen. Diese Annahme ist jedoch schwierig. Auch für LONGE hat Zaun $ 37c die beiden Typen [yön] und [Fön], dagegen für LECTU stets [y&&] (Zaun $ 34a). Ähnlicher Wechsel zwischen [!-] und [y-] im Ocev. von Sum£ne, vgl. Anm. 457. Eine Erklärung für diese Schwankungen ergibt sich aus der Lage von Aniane und Sume£ne in einem für die Behandlung des anlautenden [!-] charakteristischen Grenz- gebiet; vgl. die einschlägigen Karten des ALF und Ronjat I, 96--97.

459 Heutige Aussprache io; de Tourtoulon RLR IV, 424—428.

460 de Tourtoulon |. c.

461 Chabaneau Gr. 33.

462 Chabaneau Gr. 334.

463 Ronjat I, 169; Schroeder 190—191.

464 Weitere Angaben: Ronjat I, 170.

465 Tuttle MPh XIV, 677; Ronjat I, 171. Es muß also der Diphthong im Mask. älter sein als im Fem., was durch die zeitliche Folge der ersten Belege bei Pansier III, 106 auch bestätigt wird.

466 Pansier 1. c.

467 Vgl. Ronjat I, 171.

468 Pansier III, 99.

469 Ronjat I, 169.

470 Ronjat I, 170; Rohlfs Gasc. 76.

48

|

Fesquet Mon. I, 64, Lasalle joc, Sauve,i?2 Az. jo, Homb. jo, [d26] [90k] 20 (ALF), [$6k] 19, Florac; Anianet7s [66k], im Rouergue jocı7 (neben guöc!?5),

[ie]: niederlim. jue (Az.), Ber. dzu6,1° [We] im Mittelmeer- und Alpen- gebiet.177 [e]: lim.#78 je(c).

Die Trennung der heutigen [e]-Formen von JOCU in solche mit [0] < [o] und [o] < [Wo] geht davon aus, daß in Gebieten mit Diphthon- gierung von FOCU und LOCU auch für JOCU kein ersichtlicher Grund zur Bewahrung des Monophthongen besteht. Nicht beweisend für das Gegenteil sind die aprov. Reimlisten, die joc als die im Reim vorherr- schende Form zeigen.?”® Im Flamenca reimt joc mit luec; im übrigen sind die aprov. Schreibungen für die drei Wörter so unregelmäßig,‘ daß Rück- schlüsse auf eine verschiedene Entwicklung daraus nicht gezogen werden können.

Die Gascogne hat diphthongiertes FOCU#S! neben undiphthongiertem LOCU; Bewahrung des [9] auch bei JOCU steht hier außer Zweifel, weil das erste Element des Diphthongen im Westen als [w] erscheinen würde, die Vorbedingung für eine sekundäre Absorption durch den anlautenden Palatal mithin nicht gegeben war.

471 [o] < [Wo] durch [$-] bedingt, $ 57. Nach Ronjat I, 169, 183 jo(c) < jio(e). Aber [dy-] ist wegen der zu geringfügigen artikulatorischen Differenz als silben- anlautende Konsonantenfolge nicht funktionsfähig und als gesprochene Lautung im Bereich des Sfrz. nicht einwandfrei nachgewiesen. Ronjat I, 169 stützt jio(c) ruf ALF jeu, doch die Schreibung [jy] im ALF dient zur Kennzeichnung einer be- sonderen Artikulationsweise der einheitlichen Affrikata bzw. des Rausch- lautes und ist nicht charakteristisch für die Reflexe von JOCU. Auch Chabaneau Gr. 33 jio (zitiert neben fio, lio) wird nur eine Schreibform sein, da er an anderer Stelle (o.c. 7, 71) das nachgefügte i ausdrücklich zur Wiedergabe einer besonderen Aussprache der palatalen Affrikaten vorbehält. Ähnlich Vayss. jioc (neben joc, jouoc), da weder Constans und Aymeric, noch Ronjat I, 169 eine solche Form für das Rouergue anführen. Auch für Avignon ist neben fioc, lioc eine Stufe *jioc nicht belegt (nach Pansier).

472 Fesquet Mon. III.

473 Zaun $& 37d.

474 Vayss.,; Ronjat I, 169.

475 Aymeric 331. Mit jüngerer Diphthongierung [6] > [wo].

476 Neben fe < FOCU, le < LOCU. Erhaltung des [ö] hier durch Einfluß einer Ablautreihe [We]/[ü+] ([üt] in Ber. dzüga < *JOCARE); wechselseitige Be- einflussung bereits im Aprov.: juoc— jugar neben joc— jogar, Meyer-Lübke Diphtn. 360.

477 Ronjat I, 169: Schroeder 190—191.

478 Ronjat I, 170.

479 Vgl. Oreans RF IV, 436.

480 Übersicht bei Ronjat I, 168—169.

481 [öl > [wo] begünstigt durch die Lippeninnervation des vorhergehenden [f-]; vgl. Millardet Et. 210; Rohlfs Gasc. 76.

49

U. Die jüngere Diphthongierung von [6].

8 32. Während die aprov. Diphthongierung [&] und [6] ziemlich gleich- mäßig erfaßt hat, ist die jüngere Diphthongierung offener Tonvokale in einem großen Teil des sfrz. Sprachgebietes auf das [$] beschränkt, vgl. 8 58. Eine jüngere Diphthongierung des [&] erscheint in einigen Mund- arten des nördlichen Südfrankreichs, und zwar nur vor folgenden Dauer- lauten;! im Cev. und den benachbarten Mundarten ist sie dagegen un- bekannt.

Eine jüngere Diphthongierung des [6] findet sich, ohne Rücksicht auf die regional stärkere oder schwächere Ausbildung, im größten Teil des ostrhönischen Gebietes,? westrhönisch in den Deps. Ardeche,? Haute-Loire, Lozere, Aveyron und im nördlichen Teil des Dep. Gard, die letzten Aus- läufer in den Deps. Cantal, Haute-Vienne und Puy-de-Döme.? Die Grenze dieser Diphthongierung gegen Süden verläuft durch das cev. Gebiet. Während nach den weiter unten angegebenen Bedingungen die Dipthon- gierung im Ocev. ziemlich regelmäßig auftritt, erscheint sie im Ncev. weniger einheitlich, indem hier außer der räumlichen, auch die zahlen- mäßige Ausdehnung der Diphthongierung geringer ist als im Ocev.

Über das Ursprungszentrum der jüngeren Diphthongierung des [6] lassen sich vorläufig nur Vermutungen geben. Besser sind wir über das ostrhönische Gebiet unterrichtet. Hier ist nach Ausweis der Urkunden die Entwicklung „vom Süden bzw. Südwesten nach Norden vorgedrungen, sie hat sich von den Kulturzentren im Küsten- und Rhönegebiet wellen- förmig ausgebreitet“? Unter Einbeziehung der westrhönischen Gebiete und nach Maßgabe des gegenwärtigen Entwicklungsstandes (ALF) schließt Meyer-Lübke Diphth. 369 auf ein Fließen der Lautwelle „von Ost nach West“. Die Annahme bedarf jedoch einer Beweisführung auf sprach- historischer Grundlage;® aus den heutigen Verhältnissen geht ihre Be-

1 Zur Verbreitung im einzelnen vgl. Ronjat I, 156—158, 375; Schroeder 193—194, 203—204; sowie die diesbezüglichen Karten des ALF. Nach diesen Angaben ist eine Diphthongierung von [&] am weitesten verbreitet vor Zitterlaut und Seitenlaut, be- trächtlich geringer vor Nasal; vor Zischlaut umfaßt sie nur ein kleines Gebiet der nördlichen Dialekte; der Zischlaut wurde in solchen Fällen sekundär vielfach bis zur Schwundstufe reduziert; vgl. Ronjat I, 158 und bes. Thomas Arch. 439—443.

2 Meyer-Lübke Diphth. 368 bezeichnet sie daher als ‘ostprovenzalisch’, was hin- sichtlich ihrer gegenwärtigen Verbreitung wohl zu eng gefaßt ist.

3 Ausgenommen ein nördlicher Teil des Vivarais, z.B. Annonay und Gilhoc; vgl. Ronjat I, 161 und Clugnet.

4 Zur genaueren Begrenzung vgl. Meyer-Lübke Diphth. 369; Ronjat I, 160 und die Karten des ALF; für den Osten auch Schroeder 225—226.

5 Schroeder 225.

6 Die historischen Verhältnisse werden sich nicht immer sicher erschließen lassen; ältere Texte stehen oft nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, häufig

50

e.

rechtigung nicht ohne weiteres hervor. Zwar ist die räumliche Aus- dehnung der Diphtongierung auf ostrhönischem Gebiet größer, ihre zahlenmäßig stärkste Ausbildung erreicht sie jedoch auf westrhönischem Gebiet, und zwar im Rouergue (bes. Rodez und Millau), vgl. weiter unten. Da keine Anzeichen vorliegen, daß die Diphthongierung in irgend- einem anderen Gebiet jemals eine ebenso starke Ausbildung erfahren hat, muß das Rouergue als das Intensitätszentrum der Entwicklung betrachtet werden. Von diesem Zentrum aus kann die Wirkung der Diphthongierung auf westrhönischem Gebiet dann ausgestrahlt sein; die cev. Verhältnisse schließen die Möglichkeit nicht aus, daß die Diphthon- gierungstendenz auf diesem Wege, d.h. in östlicher bzw. süd-östlicher Richtung in das untersuchte Cevennengebiet vorgetragen wurde: inner- halb dieses Gebietes bekundet der Osten eine beträchtlich geringere Aus- dehnung der Diphthongierung als das Ocev. (Gegend um den Mt. Aigoual) im Westen; in südlicher Richtung ist sie in keinem Fall über die Cevennen hinausgekommen. Danach wäre die Diphthongierung also von Westen her in das untersuchte Cevennengebiet eingedrungen. Ob das Rouergue als Intensitätszentrum der Diphthongierung für den Westen auch als ihr Ursprungszentrum in Betracht kommt, bedarf noch der Klärung.? Desgleichen die Frage nach dem Alter der jüngeren Diphthongierung in den einzelnen Mundarten. Für den Osten stellt Schroeder 226 die frühe- sten Belege aus dem 14. Jahrh. fest; für den Westen besteht kein Anlaß, einen früheren Zeitpunkt anzusetzen.® Von der aprov. Diphthongierung wird sie jedenfalls durch einige Jahrhunderte getrennt sein,? wenngleich eine Disposition der Vokale zur Segmentierung im Sfrz. zu allen Zeiten bestanden haben dürfte.

Man hat die jüngere Diphthongierung des [6] eine ‘spontane’ genannt.!® Wenn man darunter eine von dem Vorhandensein bestimmter Nachbar- laute unabhängige Diphthongierung versteht, trifft dies allein für den

sind ihre Schreibungen in bezug auf die Diphthongierung auch sehr unregelmäßig; vgl. Ronjat I, 160.

7 Problematisch ist die Annahme von Schürr RF L, 303, wonach es sich bei der jüngeren Diphthongierung des [6] um ‘Ausstrahlungen aus dem Frankoprov.’ handeln würde; eine rein lautliche Entlehnung der Diphthonge scheidet allerdings von vorn- herein aus, ihr Auftreten unter besonderen, vom Frankoprov. abweichenden phone- tischen Bedingungen setzt das Bestehen anderer, dem Sfrz. eigener Entwicklungs- gesetze der Diphthongierung voraus.

8 [6] > [wo] war im 14. Jahrh. im Rouergue noch nicht eingebürgert, wie die von Henke benutzten Urkunden der Stadt Rodez zeigen.

9 Dory RLR LXVII, 398 betrachtet die jüngeren, ebenso wie die aprov. Diphthonge als „derniers vestiges de la diphthongaison en syllabe primitivement fermee“; eine solche Auffassung steht in völligem Widerspruch zu den sprachhisto- rischen Gegebenheiten.

10 Ronjat I, 159.

S1

größten Teil des Rouergue (bes. Rodez und Millau'!) zu; anderwärts er- scheint die Diphthongierung stets ‘bedingt’. ‘Bedingend’ wirken in erster Linie die dem Vokal folgenden lingualen Dauerlaute.!? Dagegen hat ein folgender labio-velarer Dauerlaut auf Grund einer Tendenz zur Diff. der Lippenbewegungen im allgemeinen die Diphthongierung verhindert,’ während andererseits ein vorausgehender Labial den Vorgang zuweilen besonders begünstigt hat. Am wenigsten günstig sind die Vorbedin- gungen bei den stimmlosen Verschlußlauten, ganz besonders bei [k] und [p].'” Als weitere Bedingung der jüngeren Diphthongierung stellt Meyer- Lübke Diphth. 369 für das Ocev. von Valleraugue die gedeckte Silben- stellung des [ö] fest; doch sein Beispielmaterial ist nicht vollzählig,'!® ins- besondere erscheinen auch DE FORA und MOLA im Ocev. mit Diphthon- gen. Aber das Ncev. zeigt vielfach Bewahrung des Monophthongen in freier Silbe, und auch in anderen Gebieten ist größere Häufigkeit der Diphthongierung bei gedeckter Stellung des [6] festgestellt;!” vor Ver- schlußlaut hat freies [6] im Osten keine Diphthongierung erfahren.!® Die gedeckte Stellung des Vokals kann demnach nur als ein den Vorgang begünstigender Faktor, nicht aber als ‘conditio sine qua non’ gewertet werden, vgl. 8 58.

Im Cev. Diphthongierung nur vor lingualen Dauerlauten (einschl. vor sekundär erscheinender Affrikata, $ 53). Innerhalb des untersuchten Ge- bietes hat das Ncev. die Diphthongierung weniger gleichmäßig durch- geführt als das Ocev. So findet sich im Ncev. der Gegend von Lasalle keine Diphthongierung des [6], während sie anderwärts über das Stadium einer Entwicklungstendenz nicht hinausgekommen zu sein scheint.!? Nach den heutigen Verhältnissen ist anzunehmen, daß implosive Stellung und Stimmhaftigkeit der Dauerlaute die Diphthongierung begünstigt haben.?®

11 Ronjat I, 163.

12 Und zwar die stimmhaften häufiger als die stimmlosen, vgl. Schroeder 227.

13 Vgl. $ 58; Ronjat I, 162.

14 So in der Mundart von St. Yrieix-la-Montagne (Dep. Haute-Vienne); Ronjat I, 160.

15 Vgl. Schroeder 224.

16 eskolo ist wegen frz. Einfluß nicht beweisend ($ 44).

17 Vgl. Ronjat I, 161—162; Schroeder 227.

18 Schroeder 223—224, 228.

19 Vgl. die geographische Übersicht, 8 54.

20 Bezeichnenderweise erwähnt Sauv. nur die Diphthongierung vor r und be- merkt dazu: „...cet usage n’est recu que chez les habitants des montagnes, ou des lieux &loignes des grandes routes, et peu expos6s A l’abord des &trangers, l’ancienne prononciation s’est mieux conserv&e“ (II, 282). Beispiele bei Homb. sind mouor (8 41) und couol ($ 48).

52

Begünstigung durch vorausgehenden Labial läßt sich nicht erweisen. Vor labialem Dauerlaut, vor [-t] < rom. -l und vor [-u] ($ 45) erscheint im Cev. keine Diphthongierung. Ebensowenig nach vorausgehender silbenanlauten- der Verbindung von Konsonant + r.

Das Vordringen des Frz. mag in einzelnen Wörtern, die aus lautlichen oder sachlichen Gründen diesem Einfluß besonders ausgesetzt sind, eine Bewahrung bzw. Wiederherstellung des Monophthongen begünstigt haben; dagegen kann das Frz. für eine regional geringere Ausbildung der Di- phthongierung nicht verantwortlich gemacht werden; eine so weitgehende Einflußnahme wäre mit dem im allgemeinen recht konservativen Cha- rakter des Cev. unvereinbar, andererseits ist eine offenbare Tendenz zur Wiederherstellung des Monophthongen im Süden sonst nur aus dem Be- reich größerer Städte bekundet.?!

a) [öl vor Nasal. aı) [6] + n <-NVOK, Das sog. ‘n mobile’. 8 33. Ein in den rom. Auslaut getretener, lingualer Nasal ist in der Troubadoursprache nur fakultativ erhalten (sog. ‘n mobile’); auch das Urkundenmaterial, sowie die modernen Mundarten zeigen unterschied- liche Behandlung, und zwar kann diese sowohl durch die Qualität des vorausgehenden Vokals bedingt sein, als auch in Wörtern mit gleichen vokalischen Grundwerten erscheinen. Es werden daher dem aprov. ‘n mobile’ mundartliche bzw. auch satzphonetische Verschiedenheiten zu- grunde liegen,? die jedoch in einer schulmäßig verbreiteten Rechtschrei- bung nicht sinngemäß zum Ausdruck kamen.?® Aufschlußreich sind in erster Linie die sog. „Übergangsgebiete“, wo mehr oder weniger regel- mäßig nur vor bestimmten Vokalen ein Schwund des ‘n mobile’ festzu- stellen ist. Hierzu gehört auch das Cev., das zusammen mit dem Prov. von Nimes (letzteres mit dem relativ geringsten Schwundverhältnis) einen Mittelzustand bekundet zwischen dem ‘festen n’ des Südprov. einerseits

21 Z.B. aus Toulon; vgl. Bourrilly VP LXI, 3; Ronjat I, 162.

22 Die häufige Bewahrung des -n in proklitisch gebrauchten Adjektiven (so z.B. in Urkunden aus Rodez, Henke 23—24; heutigentags mundartlich im Languedoc; Krüger Lang. 106; Ronjat II, 288) läßt auch für die Mundarten mit durchgängigem Schwund des ‘n mobile’ eine ursprüngliche, akzentuell bedingte Reihe +-+o/-n-+: vermuten.

23 Gerade in den ältesten Urkunden ist eine noch undeutliche Wiedergabe solcher Verschiedenheiten am wenigsten auffällig. Wir können daher Kutscha 120 nicht folgen, der auf Grund von Schreibungen aprov. Urkunden dem einheitlichen Schwund des -n ein höheres Alter zuerkennen will als dem ‘bedingten’, d.h. nur in bestimmten Wörtern auftretenden Schwund.

23a Zur genaueren Abgrenzung des gesamten Schwundgebietes vgl. Suchier GG 754; Zaun 117—118; Ronjat II, 286—288; Kutscha 94—97.

93

und den westlich bzw. nördlich benachbarten Gebieten mit gleichmäßi- gem Nasalschwund andererseits.232Da nun eine Tendenz zur Ausdehnung des Nasalschwundes für das heutige Cev. nicht nachweisbar ist bzw. eine sekundäre Wiederherstellung des Nasals hinter den lang. Oralvokalen weder als lautlicher Vorgang, noch als lehnwörtliche Erscheinung ge- rechtfertigt werden kann,’ dürfte die Übergangszone eine ursprüngliche sein, d.h. mit der Entwicklung des ‘n mobile’ im Zusammenhang stehen. Außer den verschiedenen satzphonetischen Bedingungen hat also die ver- schiedene Artikulationsweise der Vokale eine verschiedene Widerstands- kraft des folgenden Nasals bedingt. Ohne Rücksicht auf satzphonetische Alternationsmöglichkeiten und abweichend normalisierte Einzeifälle fin- den wir durchgängige Erhaltung des rom. -n im Cev. und im Prov. von Nimes nur nach [a], Schwund des Nasals ist häufiger nach [u] und [i] als nach [e] und besonders nach [0].” Die offene Mundstellung des [a] im Einklang mit einer relativ matten Nasenraumabsperrung hat offenbar die Bewahrung des Nasals begünstigt; im übrigen scheint die Widerstands- kraft des Nasals mit dem Öffnungsgrad der Vokale abzunehmen. Das ‘n mobile’ ist also nicht eine allein durch die Auslautstellung des Nasals bedingte Erscheinung,?® sondern gehört in die Reihe der auf assimilatori- sche Wechselwirkung zwischen Vokal und folgendem implosivem Nasal beruhenden Veränderungen.

Als erste dieser Veränderungen ist aus dem Aprov. eine Verengung

24 Nach Kutscha 129 „erklären sich die Übergangsgebiete dadurch, daß fremder Einfluß, sei es provenzalisch-mundartlicher, sei es französischer, auf das ursprüng- lich einheitliche Gebiet mit Schwund des -n einwirkte, der für die einzelnen Wörter an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten wirksam wurde, und so für ver- schiedene Wörter verschiedenen Gebrauch hinterließ“. Diese Auffassung wird den Tatsachen nicht ganz gerecht. Die Trennung des prov. und des südwestfrz. n-Gebietes durch ein zentrales Schwundgebiet legt die Annahme nahe, daß ebenso wie in den Randgebieten, auch in den Übergangsgebieten einheitliche Bewahrung des -n die ursprüngliche Stufe war, daß die Schwundformen dieser Gebiete Neuerungserschei- nungen darstellen, die sich auf Grund einer vom zentralen Schwundgebiet aus- gehenden ‘Lauttendenz’ unter besonderen phonetischen Bedingungen entwickelt haben. Wenn z.B. im Ncev. von Ales heute der Nasal durchgängig nur nach [a] erscheint, in den ältesten Urkunden jedoch „die Belege mit n. bei weitem in der Überzahl sind“ (Kutscha 48), offenbart sich darin zweifelsohne ein Rückgang der alten n-Formen. Fremder Einfluß ist nicht wahrscheinlich, weil das Cev. auch im Charakter seiner Nasalierung durchweg bodenständig geblieben ist. Die Behaup- tung, „daß Übergangsgebiete besonders dort stark ausgeprägt sind, wo wir es mit wichtigen Verkehrs- und Kulturzentren zu tun haben“ (Kutscha 113), trifft für das Cev. nicht zu.

25 Dies gründet sich auf die Angaben bei Ronjat II, 287; Fesquet; auf den ALF und eigene Beobachtungen.

26 Andere in den Auslaut getretene Verschlußlaute (insbesondere auch der labiale Nasal) bleiben im Aprov. durchweg fest.

94

von [6] > [6] (später > [d]) vor folgendem implosivem Nasal bekannt.?” Nun hat die jüngere Diphthongierung, und zwar mit bindender Not- wendigkeit in Gebieten, die nur den offenen Velarvokal diphthongieren, ein [6] zur Voraussetzung. Grundsätzlich bestehen zwei Möglichkeiten: entweder aprov. [ö] wurde vor implosivem Nasal sekundär wieder zu [ö] geöffnet, oder die aprov. Verengung zu [ö] ist als mundartlich begrenzte Erscheinung aufzufassen. Die erstere Annahme halten wir nicht für wahrscheinlich: Erweiterung des Zungenabstandes vor Nasal würde eine relativ starke Nasalierung des Vokals bzw. Aufgabe der oralen Verschluß- bildung des Nasals voraussetzen,?® was mit den heutigen Verhältnissen nicht vereinbar wäre.” Die Möglichkeit einer teilweisen Bewahrung des [6] vor implosivem Nasal im Aprov. geht schon aus den Reimen hervor? und wird durch die Verhältnisse der heutigen Mundarten bestätigt.?! Da- nach ist die Verengung hauptsächlich in der Provence, im Limousin und in der Gascogne, sowie in Teilen Languedocs erfolgt. Das Cev., wo im allgemeinen nur in Wörtern mit geringerer Akzentwirkung auch [ü] erscheinen kann, ist mithin ein Übergangsgebiet; schon das weiter südlich gesprochene Prov. von Nimes hat [6] > [6] > [ü] vor implosivem Nasal regelmäßig durchgeführt.? Die Vokalverengung in Nasalposition ist auf das Schicksal des Nasals nicht ohne Einfluß gewesen. Dies erkennt man daraus, „daß offene Vokale vor -n heute noch dort zu finden sind, wo -n erhalten ist“,3? während das Cev. als Übergangsgebiet der Vokalverengung auch in bezug auf das ‘'n mobile’ ein Übergangsgebiet darstellt. Aber eine solche Übereinstimmung ist nicht für alle Gebiete verbindlich. Das z.B. in der Provence feststellbare Nebeneinander von [ü] < [eo] in Nasalposition und Bewahrung des ‘n mobile’ als ‘festes n’ zeigt, daß noch ein anderer Faktor die Beziehungen zwischen Vokal und implosivem Nasal beeinflußt hat. Dieser Faktor dürfte die Nasalierung des Vokals und die damit in Verbindung stehende Reduktion und Velari- sierung der Zungenartikulation des Nasalkonsonanten gewesen sein.

27 Vgl. Appel 33; Ronjat II, 286; entsprechend auch [e] > [el].

28 Vgl. Herzog ZFSL XXI, 162; Grammont BSL XXIV, 73.

29 Schroeder 219 a. 5 will [6] durch sekundären ‘Ausgleich der Qualität’ erklären, „da [o] nur in Nasalposition vorkommt (vlat. [o] wurde zu [u]), die Beispiele für [o] also denen für [e] numerisch unterlegen sind“. Aber aprov. [o] < [oe] vor Nasal wurde sonst stets zu [u]; auch die geringere Öffnungs- und Klangdifferenz zwischen [0] und [u] als zwischen [o] und [oe] läßt [u] als das naheliegendere Ausgleichs- ergebnis erscheinen.

30 Vgl. Levy MWa 208—212.

31 Ronjat I, 185—188.

32 Entsprechend ist auch [&] < [€] vor implosivem Nasal mundartlich begrenzt; vgl die Übersicht bei Ronjat I, 155—156.

33 Kutscha 127. f

99

Das Problem der Nasalierung im Sfrz. kann in diesem Zusammen- hang nicht weiter erörtert werden. Nur zwei Punkte seien hervorgehoben. Eine grundsätzliche Ablehnung der Nasalierung für das Aprov. kommt schon wegen des angedeuteten Nasalschwundes nach dem ‘Prinzip der Mitübung’® nicht in Frage.’ Die Angaben des ALF über nasalierte Vokale sind unsicher und vielfach im Gegensatz zu den Beobachtungen von anderer Seite;?® auch [-n] und [-9] werden von Edmont nicht unter- schieden. Die Nasalierung im Lang. ist nach Ronjat II, 293 „generalement incomplete et souvent partielle. La consonne ... est generalement pro- nonc&e [n] en fin de mot“. Im Cev. ist nach meinen Gehörseindrücken?” eine schwache Nasalierung vor implosivem [n] besonders bei den extre- men Engevokalen [i] und [u] vorhanden,?® oft auch bei [a], besonders in letzterem Fall kann der auslautende Nasal als [-7] erscheinen.??® Jeden- falls kann ich eine relativ gleichmäßige Nasalierung aller Vokale, wie sie die Angaben des ALF zeigen, nicht bestätigen.?

Nasalierung des Vokals und Velarisierung des Nasals können daher für die Diphthongierung des [6] vor [rn] im Cev. nicht von wesentlicher Bedeutung gewesen sein; die Nasalierung war zu schwach und die Wider- standskraft des Nasals zu stark, um eine durchgängige Velarisierung des

34 Vgl. Berghold 20.

35 Allerdings werden wir, wie die gegenwärtigen Nasalierungsverhältnisse zeigen (vgl. Ronjat II, 291—295), im allgemeinen nicht funktionell unabhängige, aus der Verschmelzung von Vokal und Nasalkonsonant hervorgegangene Nasalvokale, sondern nur eine an das Vorhandensein des folgenden implosiven Nasals gebundene nasalierte Aussprache der Vokale voraussetzen dürfen. Mit dem Schwund des durch den Nasalierungsprozeß und die auslautende Stellung reduzierten Nasalkonsonanten ging auch die Voraussetzung für weitere Nasalierung des Vokals verloren; „la de- nasalisation frappe toutes les voyelles nasales ä la fois“ (Issatschenko BSL XXXVIII, 276); die in den Auslaut getretenen Vokale zeigen daher bis auf den heutigen Tag stets orale Lautungen (so z. B. im Lang.; in der Gascogne scheint die Entnasalierung zum Teil keine vollständige gewesen zu sein, vgl. Rohlfs Gasc. 104). Barrelet und Kutscha lehnen eine Nasalierung als Vorbedingung des ‘n mobile’ ab, geben jedoch keine besondere Erklärung dieser Erscheinung; vgl. auch Meyer-Lübke Einf. & 221; Zaun $ 40; Ronjat II, 296—297; Rohlfs ASNSL CLXVIII, 155 gegen Kutscha. Jeden- falls kann aus einer schwachen Nasalierung in heutiger Zeit nicht ohne weiteres auf ein relativ geringes Alter der Nasalierungstendenz im Sf£frz. geschlossen werden.

36 Vgl. z.B. Krüger Lang. $ 10; Zaun $ 42; Millardet Ling. 38; Ronjat II, 291.

37 Eine genaue Abgrenzung schwach nasalierter und nicht nasalierter Vokale ist ohne phonetische Hilfsmittel unmöglich.

38 Ähnliche Beobachtungen aus dem Languedoc bzw. Rouergue bei Krüger Lang. $10, Zaun $ 42, Buckenmaier 30.

39 Bevorzugte Nasalierung von [a] begegnet im südlich angrenzenden Prov. (Ronjat II, 923); ähnlich nach Lamouche Gr.30 im Lang. von Montpellier.

40 Die von Barrelet 92 auf den ALF gegründete These einer gleichzeitigen Nasa- lierung aller Vokale ist schon vom lauthistorischen Standpunkt aus nicht annehm- bar; vgl. Klahn 56—61; Jordan 60—61; Ronjat II, 297; Richter Phon. 180—182.

56

Nasals bedingen zu können.“! Jedoch war die Lockerung der Zungen- Spannung des Nasals stark genug, um die Diphthongierung des vorher- gehenden [6] hervorzurufen,?? vgl. & 58.

$ 34. BONU, BONA:

[0]: Fesquet Prov. LVI de bon vi, LXXIV lou bo moucel, Amat bon bono, Homb. bo (vor dem Substantiv bon) bono, [bö böno] 15.

[wo]: [bön bwöno] 19, [bw6 bwöno] 20, Florac.

Inkongruenz: [bö—bwöno] 1 (ALF bon, bonne). Die Erklärung von [bö] als proklitisch entwickelte Form würde nicht ganz befriedigen, weil vor- toniges [o-] sonst als [u] erscheint; wahrscheinlicher ist [b6] < [b0];* die Bewahrung des Monophthongen ergibt sich dann aus dem frühen Ab- fall des ‘a mobile’ im Satzauslaut.

Nach Konsonant + r: *TRONAT (Inf. *TRONARE),“ *TRONU:#

[0] bzw. [u]:*%* Az. tro, trou, trous?? “tonnerre’, Homb. (Inf. trouna), tron, tro, 3. Präs. [tröno] 1, 7, (Inf. [trona] 7, [trunado] 1, [tronado] 7, [tronado] 20 ‘orage’), [trö]*® 1, 20 (ALF), [trön] 7, [tr6] Florac.

[ü]:*? Az. trum (trumado ‘orage’), trun (Castres). . [a]:5°° Fesquet Prov. XVII trano, Az. (Inf. trana), tran, [träno] 19, 20, 23

41 Ein durch stärkere Reduktion entstandenes [9] spielt als diphthongbedingen- der Laut z.B. in ostrhönischen Mundarten eine größere Rolle, vgl. Schroeder 214.

42 Dagegen setzt die aprov. Verengung von [&] und [6] vor implosivem Nasal einen straff artikulierten Nasal voraus, vgl. Klahn 65, Barrelet 75, Schroeder 214.

43 Vokalkürzung und -verengung in Auslautstellung. Eine entsprechende Ten- denz ist aus der gleichen Mundart für [-E] zu belegen, vgl. unter COCTU ($ 19).

4 Zu TONARE ‘donnern’ REW 8778, aprov. tronar. Das eingeschobene r analog nach dem Subst. TRONITRUS (belegt nach Schopf 170), das durch assimilatorischen Lautzusatz aus TONITRUS entstanden ist (Schopf 1.c.). Die Annahme von r- Metathese (*TRONITU REW 8778) ist schwierig. Andere Erklärungsversuche sind hypothetisch; vgl. Schuchardt ZRPh XV, 121; Grandgent Prov. 83; Zaun $ 134,

45 Deverbale Neubildung; vgl. Göhri RDR IV, 164.

46 [u] ist ursprünglich vortonige Entwicklung in den endungsbetonten Verb- formen.

47 Mit -s = Pluralbildung; vgl. TF II, 1057.

48 Zu [-6] vgl. weiter oben.

49 [ü] bzw. [-m] durch Einwirkung von aprov. trum ‘finster, Finsternis’ (vgl. Levy VIII, 513—514; Chabaneau RLR XII, 295); TF trum adj. ‘trouble, obscur, voile, morose’,

50 In Gebieten (z.B. im Ocev. und im Rouergue), wo [a] > [o:] neben [d] > [dä] erscheint, kann nach dem Vorbild einer Ablautreihe [9+]/[d] die Alternation [trond]/[{träno] entstanden sein, dann Formenausgleich.

97

(Inf. [tranä] 19), [trän] 19, [träy] 23; im Rouergue®! tran. [wo]: Vayss. trouön (neben tron, Midi du Dep. Aveyron), trouöne (Rodez).

a) [öl + n < -M.

8 35. Rom. -m ergibt durchweg ‘festen’ Nasal.’” Im Cev., wie im größ- ten Teil des Languedoc und in der Provence sind rom. -m und -n zu -n (bzw. dessen sekundären Entwicklungsstufen) vereinheitlicht worden: -n konnte als wortauslautender Nasal verallgemeinert werden, da in dieser Stellung die Formen mit -n bei weitem in der Überzahl sind. Satzphone- tische Einflüsse (Stellung vor lingualer Konsonanz) können mitgewirkt haben.

-CUM(QUE)’? mit [6] durch ‘alternance vocalique analogique’”* bildet indefinite Ausdrücke:

Bed. irgendwolhin)’:

[ol]: Az. enquicom, enquoucom, enticon, entacon, entoucon, entoucan’® (beide auch niederlim.), Homb. enquicon, Enquoucon, Enticon, Entoucon, [ükikön] 1 (ALF quelque part), [enkiköm]? 5; Beziers endacon (Az.), Aniane®? [endikön, endakön, entakön, enkikön], Camar&s?® endakön.

[we]: [entukwön] 19, [endukwön] 20, [endikwön] Florac (beide ALF).

Bed. ‘(irgend)etwas’. Für diese Ausdrücke ist aus dem Cev. [wo] nicht be- legt; häufige Stellung vor dem Nomen (syntaktischer Schwachton) mag die Ursache sein:

Homb. quicon, quoucon, [kikön] 1, [kukön] 20, Florac (ALF quelque chose), [kukön] 19; Aniane,?® Camares®® [kikön].

[wo]: Aurillac (Auvergne)®! ticouon.

51 TF II, 1024.

52 Vgl. Ronjat II, 285. -m ist widerstandsstärker als -n, und zwar auf Grund der labio-lingualen Artikulationsweise.

53 Chabaneau Gr.186, Krüger Lang. 185, Anglade Gr.256, Ronjat III, 105; -CUMQUE in der Peregrinatio Silviae (Grandgent-Moll Vulg. 306). Für -QUÖMO(DO) statt -CUMQUE (Suchier GG 832, Grandgent Prov. 112, Zaun $385b) fehlt jeder An- haltspunkt.

54 Ronjat III, 105; die Anknüpfung an die Ablautreihe [92] bzw. [u-]/[6] wird durch diminutive Ableitungen mit [o2] bzw. [u:] begünstigt sein; vgl. aprov. cala- comet, quezacomet; Montpellier quicoumet (TF).

55 -can durch sekundäre Anlehnung an QUANTE.

56 [-m] hier sekundär < [-n], vgl. $ 37 Anm.

57 Zaun $ 323b.

58 Buckenmaier 82.

59 Zaun $ 385b.

60 Buckenmaier 81.

61 Ronjat II, 381.

Anm.

Aprov. sind calacom, qualsacom < QUALE-+ AD (quals ist Rektusform) (vgl. modernes kalkom bei Krüger l.c. und Salow l.c.), quezacom, queacom, quiacom < QUID®62 + AD,63 quicon (Anglade Gr. 256) < QUI.64 t- statt qu- wohl analog nach den Formen mit INDE.65 quou- < QUÖ.66 Die Ortsadverbien zeigen Präfigierung von INDE, das vor folgendem AD als end- bzw. ent- erscheint; vor qui-, quou- ist stets en- < INDE zu erwarten, enti- bzw. entou- werden Kompromißbildungen sein. [@-] im ALF für Ales = [üy-], also Einwirkung von [ünte] ‘wo’, das im Cev. auch als [ente] erscheint.

a3) [6] + n <-MNU.

$ 36. Das Entwicklungsergebnis -n ist schon im Aprov. vorhanden und erscheint heute im größten Teil Südfrankreichs (einschl. Languedoc und Provence),#® und zwar stets als ‘fester’ Nasal.

SOMNU (aprov. som, son): [0]: Arnavielle (Bouc. 1009), Fesquet Prov. XLIX, Homb. som,?% [sön] 1 (ALF j’ai sommeil), [söm]”! 3; Brouzet (Kanton Quissac) [sö].?

[wo]: Valleraugue”? swon, [swön] 19, [swön] 20, Florac (ALF).

a4) [6] + n < NKONS, $ 37. Im rom. Auslaut begegnet -n bereits in den Cost. d’Al. und den ältesten Urkunden aus Montpellier;”* nach Zaun $ 322c ist diese Reduktion im 14. Jahrh. durchgeführt. Jedenfalls kann zur Zeit der jüngeren Di- phthongierung der auslautende Oralkonsonant [-t] bereits gefallen sein.

PONTE:

62 Vgl. Suchier GG 810.

63 AUT (Suchier GG 832, Zaun $ 385b) ist nicht möglich.

64 Krüger 1.c.; Ronjat III, 105; nicht QUID (Chabaneau Gr. 186, Anglade |. c.), das nur que ergeben kann. qui- < quia- durch ‘Reduktion des Hiatus’ (Anglade l. c., Zaun ].c.) ist unwahrscheinlich; daß heute nur quicon fortbesteht, kann mit der Spezialisierung der Bildungen auf -acon als Ortsadverbien zusammenhängen.

65 Nach Ronjat II, 381 Diss. k—k > t—.k; doch fehlen Parallelen.

66 Homb. sub Enquicon.

67 Anders Zaun $ 323b.

58 Vgl. Ronjat II, 214; Zaun $ 274c.

69 Der auf eine ursprüngliche Silbentrennung [Imn] zurückgehende Typus -m ist in den alten Texten der häufigere, im Nordfrz. hat er sich durchgesetzt; vgl. Klahn 19; Millardet Ling. 296; Grammont BSL XXIV, 40.

70 -m ist hier etymologische Schreibung; vgl. Ronjat I, 83, II, 214.

71 Mit sekundärem [-m] < [-n], vgl. $ 37 Anm.

72 RPGR I, 139. Das Fehlen des Nasals wird nicht auf Nasalierung beruhen, sondern auf Nichtwiedergabe eines velaren [-9] durch den Schreiber (so auch häufig im ALF, vgl. Schroeder 212).

73 Meyer-Lübke Diphth. 369.

74 Mushacke $ 47,2.

59

[0]: Homb. pon,?5 [pön] 15.

[wo]: [pwön] 1, [pwö]’” 20, Florac (ALF pont), [pwön] 2, 19, 23, 25, [pwöm] 3, 6.

FONTE:

[0]: Hombk. fon, [fön] 15.

[we]: [Fwön] 1, Florac, [fwö]”* 20 (ALF fontaine), [fwön] 2, 19, 23, [fwom] 3; Vayss. fouön (neben foun, fon, Midi du Dep. Aveyron).

Nach Konsonant + r:

FRONTE:

[0]: Fesquet Mon. I, 57, Amat,’” Homb. fron, [frün]” 1, [frö] 20, [frön] Florac (ALF front), [frön] 19.

[wo]: Vayss. frowön.

Die Tendenz zur Vokalverengung ist seit alter Zeit durchgeführt bei *MONTE” (aprov. mont):®

Arnavielle (Bouc. 1119) mount. Sonst aus dem Cev. nur noch als Pro- klitikum vor dem Namen des betreffenden Berges belegt, z.B. [münt äugäl]s! 18 ‘Mt. Aigoual’ < MONTE AQUALE, sowie in Ortsadverbien:? Lasalle, Colognac,® Amat, Homb. amoun, la Lironenque, Bouzon®® aboun,®* [amün] 12, [omün] 18; Beziers amount (Az.) < AD MONTE. Az. ailamoun, Homb. ailamoun ‘lä-haut, amont’, Homb. aicamoun® ‘cA-haut.

75 Gelegentliche Schreibungen mit -nt, die besonders im älteren Schrifttum er- scheinen, berechtigen nicht ohne weiteres zur Annahme satzphonetischer Alter- nationstypen (vgl. Zaun $ 322c); Einfluß der frz. Rechtschreibung ist nicht aus- geschlossen.

76 Vgl. unter SOMNU (8 36).

77 Neben front = frz. Schreibung.

78 Tonvokal zwischen [u] und [o] (ALF). Die stärkere Verengung des Vokals vor implosivem Nasal kann hier durch die bei anlautender Konsonantengruppe geringere Wirkung des Akzentes begünstigt sein.

79 Meyer-Lübke RGr I $ 184; Ronjat I, 187; Schroeder 220. Zur Erklärung des [6] wird häufige proklitische Verwendung (Meyer-Lübke, Schroeder) bzw. Ein- wirkung endungsbetonter Ableitungen wie *MONTANEA, *MONTARE (Zaun 42 a. 1) angegeben. Eine durch die Umgebung zweier Nasale bedingte Vokalver- engung (vgl. Ronjat I, 156, 187) ist für das Vlat. wohl abzulehnen, vgl. z.B. span. monte neben miembro < MEMBRU, mienta < MENTA.

30 Vgl. P.Meyer MSL I, 160.

81 Mit Bewahrung des -t in fester Verbindung vor Vokal.

82 Im übrigen ist es durch *MONTANEA (REW 5666) ersetzt.

83 Fesquet Mon. III.

84 -b- analog nach la Lironenque, Bouzon abal (Lasalle, Colognac aval) ‘lä-bas’ < AD VALLE.

85 Mit Verstärkung durch aila, ailai bzw. [aisi]; vgl. Ronjat III, 485—486; Kjell- man 84—93, 120—130.

60

Anm.

In der Gegend von Al&s (z.B. in der Gemeinde St. Jean-du-Pin) beobachtet man sporadisch die Tendenz, jeden auslautenden Nasal als [-m] zu artikulieren. Diese Erscheinung dürfte jüngeren Datums sein, sie ist in älterem Quellenmaterial nicht zu finden und hat, wie aus den starken lokalen und selbst individuellen Schwankungen hervorgeht, heutigentags erst das Stadium einer ‘fakultativen Laut- änderung’ erreicht. Eine entsprechende Labialisierungstendenz begegnet im Lang. von Aniane,86 vereinzelt im Gebiet der oberen Ardeche,37 mit größerer Regelmäßig- keit im P&rigord (bes. Mussidan),88 sowie sporadisch in der Gascogne.89 Die Er- klärung von Zaun $ 195: „Wir bekommen [-m] oder [-9] je nachdem ein Labial oder ein Palatal folgt. Im Munde einzelner Individuen muß sich die Form auf [-m] ver- allgemeinert haben“ kann höchstens bei nachweisbarer proklitischer Verwendung (z.B. in stehenden Wortverbindungen) befriedigen.90? Im allgemeinen jedoch wird die Stellung eines Nomens vor folgendem Labial kaum fest und häufig genug sein, um daraus einen neuen Normaltypus abstrahieren zu können. Zugrunde liegen dürfte vielmehr eine „alternance de la r&sonance nasale sans point d’articulation defini dans la phrase91 et de la nasale labiale en finale absolue“: „il faut songer que la simple fermeture de la bouche ä la pause entrainait, pour ce phon&me si par- ticulier et si difficile a determiner, une limitation pre&cise et une prononciation la- biale“.92 Der Vorgang setzt eine Schwächung der Zungenartikulation des auslauten- den Nasals voraus; eine ausgesprochene Nasalierung des vorausgehenden Vokals braucht damit nicht verbunden zu sein, da auch andere Vorderzungenkonsonanten im Wortauslaut zu einer Reduktion der Vorderzungenhebung neigen.93 Starke Rundung des vorausgehenden Vokals kann die Labialisierung des Nasals begünstigt haben, vgl. ALF paon: [pdüm] (< PAVÖNE) als vereinzeltes Beispiel für Ales, so- wie die besondere Verbreitung des [-m] nach [u] in der Gascogne.94

8 38. -NKONS im Inlaut: *RESCOND(E)RE:®

[0]: Homb. rescondre.

[wö]: [reskwöndre] 1 (ALF se cacher);%%* Vayss. rescouöndre (neben res- coundre, rescoundi (St. Affrique)). |

RESPOND(E)RE:

[0]: Lasalle” respondre,® Homb. respondre.

86 Und zwar auch mit individuellen Schwankungen, Zaun $ 195.

87 Dornheim VKR IX, 299, 353.

88 Ronjat II, 295.

89 Fleischer 65; Sarrieu RLR XLVII, 396; Rohlfs Gasc. 104.

% Zur Frage: Meyer-Lübke ZFSL XX, 64; G. Paris Ro XIV, 157,

91 Die Artikulationsstelle der Nasale innerhalb der Sprechtakte wird häufig (so 2.B, im Cev.) durch die des folgenden Konsonanten bestimmt; vgl. Ronjat II, 293—294.

92 Gauthiot 162; ähnlich auch Ronjat II, 295.

93 vgl. z.B. [-r] > [-#] & 39; [-U > [-4U > [-W & 8).

94 Rohlfs Gasc. 104.

95 = RE- + ABSCONDERE, vgl. FEW unter ABSCONDERE,

9 Sumene und Florac mit anderem Grundwort.

97 Fesquet Mon. III.

98 Neben respouni = sekundäre Infinitivbildung, vgl. Buckenmaier 83,

61

[wo]: Valleraugue, St. Andr&-de-Valborgne?” respuondre, [respwöndre] 19. PON(E)RE (aprov. ponre, pondre) bzw. PÖNER(E):

[u]: [pündre] 1, Az. pougne, [püre]” Florac (ALF pondre) neben [pünu] (ALF elles pondent); in [ou pwuregüt]!® Florac (ALF elles ont pondu) kann nicht der Reflex einer Diphthongierung vorliegen, sondern nur gra- phische Wiedergabe einer stärkeren Lockerung der Verschlußbildung und Velarisierung des [p] zwischen velaren Öffnungslauten.

[6] durch Einfluß einer verbalen Ablautreihe [o-]/[ö]:

[wo] (< [6]): im Rouergue (Rodez, Millau)!%! pouondre, pouone.

Sfrz. [6] > [ü] bei

TOND(E)RE:102

Homb. toundre, [tündre] 1, 20, 21, 24, Florac, [tündre] 19 ‘tondre’. Nach Konsonant + r:

CONTRA, im Cev.1f kr- durch r-Metathese:!

Az., Amat, Hom. cronto, [krönto] 19 ‘contre’. Diphthongierte Reflexe (mit

k-) z. B. im Alpengebiet.105

b) [öl vor Zitterlaut. b,) [öl + r <-R-, -R, -RR-. 8 39. Das Cev. hat für den einfachen Laut in intervokaler Stellung im allgemeinen ein schwach gerolltes [r]; im Wortauslaut (und zwar vorzugs-

weise nach Hinterzungenvokalen) kann dorsales [-f] (bzw. ungerolltes [-R]) erscheinen, das als stellungsbedingte Reduktionsstufe des [-r] aufzufassen

9 [r] ist durch Analogie entstanden, und zwar über den Stamm mit -ng- (vgl. aprov. Präs. Konj. ponga; sowie Chabaneau Gr. 265; Ronjat III, 321), der in anderen Fällen auch [-n-] neben sich hat (z.B. aprov. Präs. Konj. planga, planha zu planher < PLANGERE; aprov. ponhz neben pons, 2. Präs. Ind. zu ponre bei Mahn $$ 398—-399).

100 [pwü-] im ALF entspricht nicht dem Akzent des Wortes, vgl. $ 5.

101 Ronjat III, 321.

102 Als Erklärung des vlat. [6] ist Ausgleich nach endungsbetonten Formen mit [o:] (Ronjat I, 187) wegen des [6] in den vorhergehenden Fällen, Einwirkung von TUNDERE ‘stoßen’ (Gröber ALL VI, 135) wegen sfrz. [6] > [ü] in escoundre <EX-+ ABSCONDERE nicht befriedigend; die Lautung [6] wird vielmehr alte mundartliche Nebenformen auf -UND- fortsetzen, vgl. Ernout 64—65.

103 Wie im größten Teil des westlichen Südfrankreich; Ronjat III, 498,

104 Nach der Gleichgewichtstendenz zwischen Silbenschwere und Silbenenergie wird r nach Verschlußlaut in schwachtoniger Silbe zum Verschlußlaut der Tonsilbe gezogen, vgl. cev. [krumpä] ‘acheter’ < COMP(E)RARE, [trempäd] < TEMP(E)RARE (die Infinitive analog nach stammbetonten Formen), Homb. triate (neben tiatre) < frz. theätre. Zur Metathese im Sfrz. vgl. Grammont MSL XIII, 73—90; Ronjat II, 396—417.

105 Schroeder 220.

62

! 3 |

*, ER

ist.16 Die velare Aussprache ist innerhalb des untersuchten Gebietes häufiger vorhanden als es nach den Angaben des ALF den Anschein hat.!7” Auch bei der Diphthongierung ist die Möglichkeit einer velaren Aussprache des auslautenden r in Rechnung zu stellen.

Ursprünglich geminierte Aussprache des Zitterlautes, wie sie noch im Cev. in einem etwas stärkeren Rollen der Zungenspitze nachklingen kann,108 hat die Diphthongierung offensichtlich nicht anders beeinflußt als ursprünglich einfacher Laut.

8 40. FORA ..!%

Arnavielle (Bouc. 1119), Homb. foro. Sonst DE FORA.:!0

[9]: Arnavielle (Bouc. 147) deforo, Fesquet Prov. CXXIV en deforo ‘en dehors’, Homb. deforo, [deföro] 1 (ALF), [en deföro] 5, 7.

[wo]: [defwöro] 20, Florac (ALF); im Rouerguetti defuöro. BO(V)ARIA!!? (aprov. boaria, boria):113

106 Dabei ist es nicht notwendig, ein ungerolltes [4] als Zwischenstufe einzu- schalten: die Artikulation des [r] bedingt eine gleichzeitige Hebung des Zungen- rückens gegen den weichen Gaumen; durch Lockerung und Verringerung der Zungenspitzenartikulation wird die Hauptmasse der Zunge stärker zurückgezogen, so daß zwischen weichem Gaumen und Zungengrund eine Vibrationsenge zustande kommt; zur Frage: Jespersen Art. 72—74, Roudet 137, Viötor 201—203. Durch Ver- minderung des Expirationsdruckes geht [-f] in den ungerollten Reibelaut [-R] über.

107 Ähnliches ist auch für andere Gebiete festgestellt; vgl. Schroeder 192; so- wie die Angaben bei Ronjat I, 97—99.

108 Auch gerolltes [f] < -RR- kann vorkommen, indem die Reduktionstendenz des ersten, implosiven [r] offenbar die Velarisierung der ursprünglichen Doppel- konsonanz bestimmt hat. Nach Ronjat I, 97 ist die Aussprache [f] für -rr- im Ge- biet zwischen Rhöne und Cevennen die Regel.

100 FORAS REW 3431, FEW,

110 Vgl. FEW III, 702.

111 Aymeric 346.

112 ‘table A baeufs’, dann ‘mötairie, ferme, fonds de terre, maison de campagne'; mittellat. Bildung, aus der Amts- und Klostersprache in die Allgemeinsprache übergegangen (Homb. sub borio; FEW I, 476); die späte Bildung erklärt, daß -ry- > -ir- nicht eingetreten ist, vgl. PAR(IJ)ETARIA > Lasalle panatario (Fesquet Mon. III) (mit Diss. r—r > n-—r, Buckenmaier 60), St. Jean-du-Gard panataio (Fesquet Mon. III), [panatäyo] 1, [ponotäyo] Florac (ALF pari6etaire) (mit Ver- schleifung [ry] > [ıy] > [yl). Eine ursprüngliche Aussprache BORAVIA (zum Suffix: Grandgent Vulg. 44; Adams 130 ff.; Moldenhauer ZFSL LVIII, 300—304) ist für das Sfrz. (für das Kat. vgl. Corominas BDC XXII, 249; Krüger VKR VIII, 359) nicht zu erschließen: -ARIA ergibt stets -arye, -ary6 (Ronjat III, 341, 348; Strobel 21), und einer späteren Zurückziehung des Akzentes auf die erste Silbe steht das Alter des Typs boria (schon mittellat.) entgegen, sowie die Tatsache, daß

63

[0]: Homb. borio ‘metairie, ferme’, [böryo] 12 ‘kleines Gehöft’; Pazenast14 börio, Camaresti5 böryo.

[wo]: [bwöryo] Florac (ALF); Vayss. bouörio (neben börio, bördo!!%), ob. Ardeche!!? [bwöryo] (neben [böryo)).

COR:

[0]: Aberlenc (Bouc. 515), Fesquet Prov. LXXXVIL, Amat, Homb.ts cor,119 [wo]: Vayss. couor (neben cor, Midi du Dep. Aveyron).!20

PORRU121 bzw. *PORRIU:!22

[po]: Az., Homb. pore, pori, [pöri] 1 (ALF), [pöre] 6, 15.

[wo]: [pwöre] 18, 20, Florac; Vayss. pouörre (neben pörre).

[wä]: [pwäre] 22.

SOR(O)R:123

[o]: Sauv. sör&, Lasalle!** sorre, Homb. sore, [söre] 15 (veraltet), 20 (ALF). [wo]: Sauv. souöre, St. Jean-du-Gard!* suore, Valleraugue!®® sworre, [swöre] 11, 18, Florac.!26

die Zurückziehung in anderen Fällen mit betontem Engevokal im Sfrz. eine regional eng begrenzte Erscheinung darstellt; vgl. Ronjat I, 350—360, II, 334—339). Ab- leitung aus ahdtsch. bur (Ronjat I, 48) ist wegen [6] nicht möglich.

113 Nicht Ass. od > 06 > 6 (wie Buckenmaier 14 vermutet), sondern old > 6a (Ausgleich der Druckverhältnisse, da [9] nur unter dem Akzent geläufig war; vor dem Akzent war [o] zu [o] (> [u]l) geworden) > do > 6 (vgl. aprov. broa > *broo > bro, Thomas Ess. 98, sowie unter DUAS, $ 49).

114 Mäzuc 249.

115 Buckenmaier 14.

116 < *BORDA zu fränk. bord ‘Brett’ REW 1216, FEW. Im Dep. Dordogne borio ‘ferme’ neben bordo ‘me&tairie’, Guillaumie 110.

117 Dornheim VKR IX, 240. 3

118 Nach Homb. nur ‘Herz der Tiere’.

119 Sonst im Cev., wie auch anderwärts im Languedoc (vgl. Zaun $ 66), frz. ceur in mundartlicher Aussprache: Amat, Homb. cur, [kür] 1, 5, 19, 20, Florac; Vayss., Aymeric 331 cur. Bei diesem Wortersatz dürfte die Homonymie mit den Reflexen von CORPUS (8 41) eine Rolle gespielt haben.

120 Ber. cuer, ker als in Südfrankreich vereinzelte Typen können nur ein dem Afrz. entlehntes cuer fortsetzen; aprov. stets cor.

121 ‘Lauch’ REW 6670.

122 *PORREU bei Ronjat I, 162; *PORRIO, -ONE REW 6668; mit Palatalisierung von -RRI-: aprov. poyre (Az.), wofür Belege aus heutiger Zeit fehlen.

123 Mit Vokalepenthese nach gedehntem r, vgl. aprov. sor, sorre; zur Frage: Millardet Et. 158—160; Barker MLN XL, 162—164.

124 Fesquet Mon. III.

125 Meyer-Lübke Diphth. 369.

126 Überwiegender und vielfach allein gebräuchlicher Typ ist im Cev., frz. saeur in mundartlicher Aussprache: Amat, Homb. sur, [sür] 1, 2, 15, 20. Den Formen paire, maire, sore, fraire kann nach Sauv. eine pejorative, nach Homb, auch eine poetische Note anhaften; vgl. Sauv. II, 123.

64

bs) [6] + r < -RKONS, $ 41. Auch vor velaren Verschlußlauten ist [r] keineswegs allgemein. CORPUS: [ol: Cost. d’Al. (Sauv. II, 106) per batre son cors, (254) en pena de lur cors, Amat, Homb. cor,1?? [kör] 1, 15, 20. [wo]: [kwör] 23, [kwörs] Florac (ALF).

Für Sumene (20) wäre ein Diphthong zu erwarten; die Diphthon- gierung von CORPUS kann aber durch frz. Einfluß gestört sein.!?® Ronjat I, 163 erwägt Einfluß von Zusammensetzungen wie cors sant ‘corps saints, reliques’; aber die Verallgemeinerung solcher Typen in der Umgangs- sprache ist zweifelhaft.

CORDA :!2®

[ep]: Amat, Homb. cordo, [kördo] 1, 2, 13, 14.

[wo]: Valleraugue!3? kwordo, [kwördo] 18, 19, 20, 23, Florac. MORDI(EJRE:

[wo]: [mwördre] 24, Florac (ALF mordre).!3!

[wä]: [mwärdre] 22.

PORTA:

[0]: de Lafare (Bouc. 506), Amat, Homb. porto, [pörto] 1, 2, 4—7, 15, 16, 19.132 [wo]: [pwörto] 8, 11, 18, 20, 23, 25, Florac; Vayss. pouörto (neben pörto). PORTARE als proklitisches Glied in festen Verbindungen zeigt keinen Diphthongen:

[porto pla] 3 “Tellerregal’; [porto kondelo] 18, 19 ‘Leuchter’.

HORTU:

[e]: Colognac!?3 ort, lort,!3% Homb. hort!3 ‘“jardin potager’, [ör] 1 (ver- altet nach ALF).136

127 Homonym mit cor < COR, $ 40.

128 Vgl. Schroeder 197.

129 REW 1881.

130 Meyer-Lübke Diphth. 369.

131 Mit Konjugationswechsel: [murdi] 19, 20. Im Ncev.: Homb. moussiga, [mu- sigä] 1 (ALF), [musigä] 4 < MORSICARE REW 5690.

132 Die häufige Bewahrung des Monophthongen ist wohl dem Einfluß von frz. porte zuzuschreiben.

133 Fesquet Comp.

134 l- durch Agglutination des Artikels.

135 Als Ausdruck des höheren Cevennenlandes bezeichnet.

136 Stets undiphthongierte Formen in Ortsnamen bei G.-D. 105, 157.

65

[wg]: Valleraugue!?” wor, [wöR] 24, [w6r]!38 Florac (ALF);'?® Vayss. houort (neben hort), Aymeric 331 uör.

MORTE:

[0]: Lasalle,14% Homb. mort.

[wo]: Valleraugue, St. Andr&-de-Valborgne!4 muort. MORTU, -A: Homb. mouor mouorto.

MORIT (3. Präs. Ind.): Homb. mouor.14

MORTOS (Plur.): [mör] 1, [mörs] 20, Florac (ALF). Kein Diphthong; offenbar Einfluß von frz. morts.

FORTIA :142 Substantiv:

[0]: Fesquet Prov. CXXXIV per fosso ‘par contrainte, Homb. forco, [förso] 1 (ALF force).

[wo]: [förso] 20, Florac (ALF). Adverb:

[e0l: Az. forso, Fesquet Prov. XCVIII, Amat fosso, Homb. forgo, foco, [f6so] 15.

[wo]: [fwöso]!* 1, 4, 20, Florac, [fwö.so] 19 ‘beaucoup, en grande quantite’.

Für Ales (1) hat der ALF undiphthongiertes Substantiv neben di- phthongiertem Adverb;!# das Substantiv ist dem Einfluß von frz. force ausgesetzt.!#%# Kein Diphthong wegen der häufigen syntaktischen Schwach- tonstellung bei

FORTE:

137 Meyer-Lübke Diphth. 369,

138 -r mit velarer Reibung; ALF unterscheidet [R] und [x] nicht.

139 Im größten Teil des Cev. ist HORTU durch frz. jardin in mundartlicher Aussprache ersetzt.

140 Fesquet Mon. III.

141 Dazu Homb.: „Cette variante de teinte un peu raiole (d.h. dem höheren Cevennenland eigen) est n&anmoins communement employee & 3 ou 4 km au-dessus d’Alais.. On va plus loin: dans cette circonstance on retranche !’r finale“, womit in erster Linie die Aufgabe der Vibration gemeint sein wird.

142 ‘Kraft’ REW 3455; FEW III, 726—729.

143 Falls [rs] > [ıs] > [s] schon vor der Diphthongierung (vgl. Ronjat II, 203 bis 204), hat der Zischlaut den Diphthongen bedingt.

144 Auch ungerolltes [4] kann den Diphthongen bedingt haben. Die Aufgabe der Vibration kann mit einer Verstärkung der velaren Zungenhebung verbunden sein, vgl. Jespersen Art. 74.

145 So auch regional im Alpengebiet, Schroeder 195.

146 In diesem Sinne spricht auch die Bewahrung von [rs].

66

a I u de Li a 5 u ie 5 a A

[för] 1, 20, Florac (ALF).

Diphthongierte Reflexe z. B. im Rouergue!# und im Alpengebiet,14s Frz. raifort in mundartlicher Aussprache:

[o]: [riför] 1. [wo]: [rifwör] 20 (ALF).

Zu HORDEU vgl. 8 44 Anm.

CORNA.:1#

[0]: [körno] 1 (ALF corne).

[wo]: Valleraugue!50 kworno; im Rouergue!#? cuörno.

*BORNIU, *BORNIA®:

[o]: Lasalle!5® borgno, St. Jean-du-Gard!5? borlio ‘femme borgne’, Homb. borgne, -o. : =

[wo]: [bwörne] 1, 20, [bwörle]!5 Florac (ALF). [fäire a klutobwörlos

. Florac (ALF jouer ä colin-maillard).

*TORCERE: 154

[0]: Az., Homb. tosse, [törse] 1 (ALF tordre), [töse] 1, 8, [tö.se] Marcassar- gues (Kanton Lasalle).

[wo]: [twö.se] 19, 23, [twöse] 20, [twörse] Florac (ALF).

TORTU (Part.): [törx] 8. [twör] 23.

BORCUS

[o]: Lasalle!5® porc, Homb. por, [pör] 1, 3, 5, 7—9, 13, 15.

[wo]: Valleraugue, St. Andr&-de-Valborgne!5® puorc, [pwör] 1, 20, Florac

147 Aymeric 331.

148 Schroeder 195.

149 ‘Horn’ REW 2240.

150 Meyer-Lübke Diphth. 369.

151 ‘einäugig’ REW 1221; vgl. auch Homb., Gamillscheg borgne. Die Grund- bedeutung wird jedoch ‘blind’ sein. Diese ist noch vielerorts erhalten; auch dient das Wort in sekundärer Bedeutungsübertragung oft zur Bezeichnung von Tieren, die im Volksglauben als blind gelten (Blindschleiche, Seidenraupe); vgl. v. Wartburg RDR III, 416; FEW BRUNNA sub 14—15; Barbier RLR LXIII, 3. Vgl. Anm. 153. Eine Herleitung aus got. brunna ‘Brunnen’ (v. Wartburg RDR IV, 20—26) ist schwierig; vgl. die FEW I, 571 geäußerten Bedenken,

152 Fesquet Mon. III

153 [rn] > [rl] = Ass. in bezug auf die Artikulationsweise; vgl. lim. borli, prov. orlio (Abfall des b- offenbar durch Anlehnung an ORVU ‘blind’). Die von Nigra Ro XXVI, 557 angenommene Metathese orb- > bor- ist unhaltbar. Nach FEW I, 569 [?] statt [rn] infolge Einwirkung irgendeines bedeutungsverwandten Wortes.

154 Für klass. lat. TORQUERE, REW 8798, Grandgent Vulg. $ 399.

155 REW 6666.

156 Fesquet Mon. III.

67

(ALF), [pwör] 19, [pwör] 18, 25; im Rouergue!57 puörc. GURGA1s bzw. *GORGA1» (aprov. gorga, gorga!P°): [u]: [gürgo] 2, 12, 19 “Wasserbassin’; Vayss. gourgo ‘gouffre profond’,

[0]: Homb. g0rgo, [görgo] 1 (ALF gouttiere). Diphthongierte Formen sind aus dem Osten bekannt.!s1

b;) [öl +r <-S.N-.

$ 42. [zn] > [rn] (= Ersatz einer dem Lautsystem ungeläufigen Ver- bindung durch die nächst geläufige!#?) zeigt

*ALMOS(D)NA!#3 (aprov. almosna, almorna): [o]: vgl. TF sub öumorno. [wo]: [aumwörno] 1, Florac, [umwörno]!# 20 (ALF aumöne); im Rouer-

gue!%5 muörno.16#6 Diphthongierung auch im Osten (TF).

c) [öl vor Seitenlaut.

c) + I < -L-.® $ 43. In intervokaler Stellung erscheint im Cev. zumeist ein alveolares [l], doch zeichnet es sich im Vergleich zum [Il] des Dtsch. und Frz. durch einen dunkleren Klang aus und erinnert mehr an das implosive 1 des Engl.; es wird also im Cev. mit der Senkung der Vorderzunge!®#8 eine

157 Aymeric 331.

158 “Wasserstrudel’ REW 3921.

159 Eine Nebenform mit [9] wird durch die Entwicklung in der Romania ge- fordert, vgl. Meyer-Lübke RGr I $ 146, Schroeder 196. Zur Erklärung des [6] kann man Kontamination von GURGES mit bedeutungsverwandtem VORAGO vermuten. Für eine Öffnung des [6] durch die umgebende Konsonanz (Jordan 83) fehlen Ver- gleichsbeispiele. }

160 [6] neben [6] erschließen die Reime; vgl. Oreans RF IV, 445, 467.

161 Vgl. Schroeder 196.

162 Nach Anglade Gr. 158 Diff. des s zu r. Abgesehen davon, daß [r] mit hoher Zungenspitze der Zungenartikulation des [n] näher steht als das mit tiefer Spitze und schmaler Rinne artikulierte [2], ist obiges Beispiel in heutiger Zeit durchaus vereinzelt (vgl. Ronjat II, 194). Im Aprov.: isnel, irnel (< germ. snell); disnar, dirnar, dinar (heute im allgemeinen dina, Bordeaux disna; Ronjat I, 311) < *DIS- JEJUNARE (schon wegen dis- < DIS- nicht ganz erbwörtlich; vgl. Meyer-Lübke ZRPh XXXIX, 489—490); aber ASINU > ase, asne, aine, ane, nicht *arne.

163 ‘Almosen’; griech. Lehnwort im Lat; vgl. Ronjat I, 42; REW 2839; FEW ELEEMOSYNA. Mit Ass. etj2 > atl:.

164 Mit Kontraktion oum: > umt.

165 Aymeric 334.

166 Mit Deglutination des velaren Artikelvokals.

167 [65] + 1 < -LL- nur in fem. Adjektiven, vgl. $ 48.

168 Vgl. Jespersen Art. 59, Phon. 134.

68

velare Hebung der Hinterzunge in Verbindung stehen, d.h. intervokales [!] wurde durch Lockerung des Zungenspitzenverschlusses und stärkere Zurückziehung der Zunge reduziert. Stärker velarisiertes [{] habe ich gelegentlich in velarer Umgebung notiert; Übergang in dorsales [r] (mehr oder weniger deutlich gerollt) ist im Ocev. von Florac feststellbar. Der ALF hat velaren und alveolaren Lateral in keinem Fall durch ein be- sonderes Zeichen voneinander getrennt; für Florac erscheint intervokales -L- zumeist als [r], das nicht ein alveolarer Zitterlaut sein muß, da der ALF für unser Gebiet auch [r] und [fr] nicht unterscheidet. Der Wandel l > r setzt eine Reduktion der Zungenspannung (Lockerung der medianen Zungensperrung) voraus. Die velare Aussprache der Laute ist nicht notwendige Vorbedingung dieses Wandels; sie kann jedoch als be- günstigender Faktor mitwirken, weil bei den Velaren die artikulatorische Verwandtschaft zwischen lateralem und medianem Reibelaut besonders eng ist.170° Für das Cev. ist ein velarisierter Laterial als Ausgangsstufe an- zunehmen, da eine Lockerung der Zungenspitzenartikulation des [l] hier stets mit einer Verstärkung seines velaren Charakters verbunden ist.!”! In gleichem Sinne spricht ferner der aus benachbarten Mundarten be- kundete Übergang des intervokalen -L- in noch andere Velarlaute.!”?

Auch die durch folgendes 1 ‘bedingte’ Verengung des [6] zu [wo] steht mit der Reduktion und Velarisierung des Laterals im Zusammenhang, vgl. 8 58.

8 44. MOLA 173 [0]: Homb. molo, [mölo] 1, 3, 7, 15, Florac.

[wo]: [mwölo] 19, 20, 25; Vayss. mouölo (neben molo). Bed. ‘Mühlstein, Schleifstein’.174

169 Nach Buckenmaier 36 a. 152 handelt es sich bei dem in vielen Sprachen feststellbaren Lautwechsel zwischen l und r stets um die ‘gaumigen’ Laute; aber I > r bzw. r > 1 ohne Spur von velarer Artikulation ist im Bereich des Span. ganz geläufig; vgl. z.B. Krüger Wspan. 203, 298—299; eine Mittelstufe zwischen 1 und r ist aus dem Bearnesischen bekundet, doch nichts von gleichzeitiger Velarisierung; vgl. Passy 148 a. 1; Ronjat II, 148—150, 316—317; für das Alpengebiet: Schroeder 201.

170 Vgl. Passy $ 331; über ein Schwanken zwischen beiden Velaren im Munde des gleichen Sujets berichtet Buckenmaier $ 9.

171 Auch in Camar&s (Dep. Aveyron) ist nach Buckenmaier $ 95 1 > r an velare Artikulation gebunden, ebenso in der Haute-Auvergne, Michelly 81.

172 Z.B. -I- > -u- in St. Amans-des-Lots (Dep. Aveyron) (Nigoles Ro VIII, 392); -l- > -g- in St. Chely-d’Apcher (Dep. Lozere) (Meyer-Lübke RGr I $ 457); -I- > [-w-] > [-v-] im Velay (Michelly 81).

173 *Mühlstein’ REW 5641.

174 [mölo] 4 ‘Garbenhaufen’ (vgl. TF molo 2, Dengler 66) gehört zu lat. MÖLA,

69

*PARIOLA:

[9]: [pairölo] 1 (ALF chaudi£re), [pei.4ölo] 3, [paiıöto] 25. Kein [wo] wegen Einwirkung von undiphthongiertem *PARIOLU (8 45).

[wo]: Vayss. poyrouölo, peyrouölo (neben payrölo).

SCHOLA:

[0]: [eskölo] 1, 19, 20, [esköro] Florac (ALF). Kein [wo] wegen Einfluß des frz. Wortes.

[wo]: im Rouergue!?5 escuölo 176 1. Präs. Ind. von VOLERE: [0]: [völe] 20 (ALF), [döle] 23, [böre] Florac (ALF).

[wo]: [vwöle] 1 (ALF); im Rouergue!’7” bouole. Die geringe Verbreitung des Diphthongen ist offenbar eine Auswirkung der Formenanalogie.178

Anm.

OLEU > aprov. oli > cev. [li], [öri] Florac (ALF) zeigt weder die aprov. Diphthon- glerung (da kein [?] zustande Kam), noch die jüngere Diphthongierung. Ähnlich: HORDEU > aprov. ordi > cev. [ördi]. Dagegen im Rouergue: Vayss. houöli (höli); ouördi (ördi). Die Erklärung der Nichtteilnahme an der alten Palatalisierung durch späten Übergang dieser Wörter aus der Amts- bzw. Handelssprache in die Allgemeinsprache179 kann begrifflich nur befriedigen, wenn man

für die Allgemeinsprache ältere, lautgerecht entwickelte Typen, die sekundär

verdrängt wurden, voraussetzt.1830 Jedenfalls braucht die Einführung der ‘ge- lehrten’ Typen [gli] und [ördi] zeitlich nicht überall vor Entwicklung der jüngeren

MÖLES (Meyer-Lübke ZRPh XIX, 97; vgl. Gamillscheg meule 2, Miethlich 72) und [6] nach der Ablautreihe [02] bzw. [u:]/[6]; Ableitungen wie molonus (mittellat.), sfrz. mouloun ‘meulon’ haben diesen Ausgleich begünstigt.

175 Aymeric 331.

176 Hier wurde [wo] eingeführt, da auf Grund der ‘spontanen’ Diphthongierung im Rouergue [6] nicht mehr geläufig ist.

177 Ronjat III, 322.

178 Analog nach den Formen von VOLERE dürfte [wo] gebildet sein in [pwöde pd] 1, 20 (gegenüber [pöde pd] Florac) (ALF je ne peux pas); [öm pwö pd] 1, 20, [l öm pwöp päl Florac (ALF on ne peut pas). Jedenfalls besteht kein Grund, diese Verbformen als lautgerecht entwickelt zu betrachten und aus ihnen für das Cev. die Annahme einer durch vorausgehenden Labial veranlaßten Diphthongierung abzuleiten.

179 Vgl. Meyer-Lübke Einf. $ 161; Appel 89, 90; Schroeder 179—180, 183. Nach Herzog I, 104 und Haberl ZRPh XXXIV, 47—48 wäre von OLI bzw. HORDI (= ur- sprünglich in Verbindung mit einer Maßbezeichnung gebrauchte Genetive) aus- zugehen; aber die lat. Quantitätsunterschiede bestanden im Vlat. nicht mehr (vgl. Bourciez $$ 150—151).

180 Heute begegnen Formen mit alter Diphthongierung vor allem im Osten Süd- frankreichs, und zwar von HORDEU häufiger als von OLEU; lautgesetzliches *[Wel] < OLEU hat sich vielleicht wegen der Homonymie mit den Reflexen von OC(U)LU nicht durchgesetzt; vgl. Ronjat I, 226—227; Schroeder l.c.

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Diphthongierung erfolgt zu sein. Hinzu kommt, daß es sich um ‘mots voyageurs’181

handelt, die sich als solche von einer regional begrenzten Entwicklung ausschließen

können.182 [wg] im Rouergue kann entstanden sein wie unter SCHOLA angegeben. co) [6] + 1 <-LU, -LKONS,

8 45. Einfaches lim rom. Auslaut ist ebenso wie l vor Konsonant

‚ein primärer Velarlaut.1% Auslautendes -I ist im überwiegenden Teil des

Cev. zu [u] reduziert, im Ocev. von Sumene und Valleraugue!# (sowie im benachbarten Rouergue) und weniger einheitlich auch in der Gegend von Florac ist es jedoch nach [6]'® als stark velarisiertes, vom [u] oft kaum zu unterscheidendes [2]!86 erhalten.

Im Gegensatz zu sekundärem [!] < -LLVOK bzw. -L- hat primäres [ft] < -LU,187 ebenso wie [u] < -LU, im Cev. keine Diphthongierung des [6] hervorgerufen. Dieses verschiedene Verhalten erklärt sich offenbar’ aus dem verschiedenen Grade der Vokalisierung des [!]; [{}J < -LU steht in Artikulationsweise und Klang dem [u] so nahe, daß es funktionell von diesem nicht mehr unterscheidbar ist und gegen die Diphthongierung die gleiche Differenzierungstendenz zur Geltung bringt wie [u] < -LU (vgl. $ 58). Eine durch rom. -I ‘bedingte’ Diphthongierung des [6] erscheint in ostrhönischen Mundarten, wo der Grad der Vokalisierung des -l ein geringerer ist.188 Die ‘spontane’ Diphthongierung des Rouergue tritt auch vor -5 < -LU auf.!®

SOLU:!9 Arnavielle (Bouc. 741), Fesquet Intr. söu, Homb. söou, [söu] 3, [söt] 23 ‘sol’; Vayss. souöl ‘aire’. DOLU®M (aprov. dol): [döu] 1, Florac, [döl] 20 (ALF deuil).

181 Ronjat I, 226.

182 Auch die regional verschiedene Bedeutung der Ölgewinnung bzw. des Gersteanbaus ist dabei in Rechnung zu stellen.

183 Diese stellungsbedingte Velarisierung des I bestand schon im Lat.; vgl. Mohl Chron. 277; Kolovrat 62—64, 74; Meyer-Lübke Rom. 1 3; -u neben -I in lim. Texten seit dem 13. Jahrh.; vgl. Ronjat II, 307—311.

184 Doch [u] in der Gegend von Le Vigan (einschl. Av£&ze), [4] im Prov.

185 Nach anderen Vokalen kann die Verteilung etwas anders sein; insbesondere hat vorhergehendes [i] infolge seines starken Atemverbrauchs die Reduktion zu [u] besonders begünstigt; vgl. Ronjat II, 308.

186 In Bedou&s (ca 3 km nordöstlich von Florac) ist es -r (Ronjat II, 307); es dürfte sich um Hintergaumen-r handeln (wie in Camar&s (Dep. Aveyron), Bucken- maier $ 95); in den Gebieten von Murat und St. Flour (Dep. Lozere) wird [-!] zu einem dem [-x] ähnlichen r-Laut reduziert; vgl. Nigoles Ro VIII, 405.

187 Für primäres [f] < -LKONS fehlen Beispiele.

178 Vgl. Schroeder 200—201, 204—206.

189 Über den dortigen Grad der Velarisierung sind wir allerdings nicht unter- richtet.

190 REW 8079.

191 REW 2727, FEW.

1

*PARIOLU1s» (aprov. pairol, peyrol, perol): Az. peirol, peiröu, Fesquet Mon. I, 71 pairöu, Sauv., Homb. peiröou, [pairöl]'® 1 (ALF chaudron), [peiuöu] 3, 7, 8, [peisöu] 11, [päisst] 18, [poisöt] 19, 20, 24, |peiröl] Florac (ALF); Vayss. poyrouöl (neben payröl, Midi du D&p. Aveyron), peyrouöl (Laguiole, St. Genevieve). | *RUSCINIOLU:!9 Fesquet Intr. roussignöu, Amat, Homb. roussignöou, [rusinöu] 1, [rusinöl] 20, Florac (ALF rossigno)).

*SCURIOLU:1% Homb. esquiröou (Dim. esquiroule), [eskirdu] 1, Florac, [eskiröt] 20 (ALF &cureuil).196

CAPREOLU:!9 Fesquet Intr. cabröu, Homb. cabröou, [kodröt] 19 ‘chevreuil, chamois, chevre sauvage’.

$ 46. Für I vor Konsonant ist die Reduktionsstufe [u] innerhalb des Cev. noch weiter ausgedehnt als in Auslautstellung; nur im Ocev. von Florac bleibt es vor alveolaren Konsonanten als stark velarisiertes [?] er- halten.!®® Das nur noch stellenweise und für Florac nicht belegte Bei- spiel ist

MOL(E)RE (aprov. molre): Arnavielle (Bouc. 681), Az. möurre,!9? Homb. möoure, [möu.e] 15, 19,200 Vayss. mouölre, mouöldre (neben mölre, mörre (St. Affrique)?%), Bed. ‘moudre’.

Sekundäres l vor Konsonant hat Diphthongierung des [6] bedingt im frz. Lehnwort colza (mit Zurückziehung des Akzentes): [kwölza] Florac gegenüber [külza]?”® 1 (ALF colza).

192 ‘kl. Kessel’ REW 6245; Schuchardt Ro IV, 256.

193 Die Bewahrung des -l wird durch Einwirkung des Fem. *PARIOLA ($ 44) bzw. suffixbetonter Ableitungen (vgl. Homb. peiroule (Dim.), peiroulas (Augm.), peiroulado ‘chaudronne&e’, [paifulet] 25 ‘Eimer’) zu erklären sein.

194 Für *LUSCINIOLUS REW 5180; RUSCINIA für LUSCINIA begegnet in lat. Glossaren; r- wohl durch die Diss. gegen das hintere l; anders Barbier RDR II, 195; Fay MLN XVIII, 195.

195 Zu *SKURIUS REW 8003; vgl. Gamillscheg &cureuil; Nigra AGIl XII, 296; Richter Phon. 78.

196 Entrundung [ü] > [i2] durch Diss. gegen den Tonvokal.

197 ‘Reh’ REW 1649; FEW II, 304—306.

198 So auch in benachbarten Mundarten; vgl. Nigoles Ro VIII, 394—395; Aymeric 335; Ronjat II, 207.

199 Die Schreibung -rr- ist aus den Formen des Futurums übernommen; Ronjat II, 229.

200 Hier veraltet. Sonst überwiegt im Cev. der Typ [mulina] 1, 9, 20, 23, [murind] Florac (ALF). Die Ausmerzung der Reflexe von MOL(E)RE kann durch die Homonymie mit den Formen von MOV(E)JRE (8 27) besonders begünstigt sein.

201 Im Rouergue ist eine Homonymie nicht gegeben, da MOV(E)RE > Vayss. möyre, mouöyre, Aymeric 357 muöide.

2022 Tonvokal zwischen [u] und [eo]. [u] statt [9] vermutlich unter dem Einfluß einer Ablautreihe [u2]/[6] auf die als endbetont entlehnte Form.

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c3) [6] + 1 <S-LLVOR.

$ 47. Ursprünglich geminiertes, in den rom. Auslaut getretenes 1 ist im Cev.20% regelmäßig als velarisiertes [f] erhalten, und dieses sekundäre [{] hat entgegen dem stärker [u]-haltigen [#] < -LU (8 45) Diphthon- gierung eines vorhergehenden [6] bewirkt. -l und -Il waren, als sie in den rom. Auslaut traten, in ihrer Artikulationsweise durchaus verschie- den. Gemination und Velarisierung des Laterials schließen einander aus;?® geminierte, d.h. mit stärkerer Artikulationsenergie bewerkstelligte Aus- sprache bedingt vielmehr eine Verbreiterung der Vorderzungenverschluß- fläche des Laterals, indem mit der Zungenspitze zugleich der vordere Zungenrücken gehoben wird.?® Die ursprünglich stärkere Artikulations- energie des -ll hat eine längere Widerstandskraft gegen die Vokalisierung im Auslaut bedingt.

8 48. 2 COLLU: [op]: Amat, Homb. col ‘cou, col’, [köl] 1 (ALF par le cou), [köt] 6, 10.

[wo]: Homb. couol, Valleraugue?® kwol, [kwöt] 19, [kwöl] 20, Florac (ALF); Vayss. couol (col).

FOLLE:

[p]: Homb. fol folo, Amat uno folo (Subst.).

[wo]: [fwol fwölo] Florac (ALF fou, folle).207

MOLLE:

[0]: Homb. mol molo, [möl mölo] 1 (ALF mou, molle).

[wo]: [mw6öl mwölo] 20, Florac (ALF).

203 Einschl. der Gegend von Le Vigan und Av£&ze, sowie im Prov. von Nimes.

204 Dies wird für das Lat. durch die Zeugnisse der Grammatiker, für das Rom. durch die Weiterentwicklung bekundet; Gemination eines velaren [t] ist auch phy- siologisch schwierig zu bewerkstelligen. Zur Frage: Juret Phon. 228—229, 337; Ronjat II, 148.

205 -Il- ist im Span., Kat., bisweilen auch im It. und Sfrz. zu [-l-] geworden; auch auslautend -II > [-7] (bzw. > [-i]) kommt in sfrz. Mundarten vor; vgl. Kolovrat 193; Ronjat II, 149—150, 314—315; Meyer Lübke Rom. 1 36; Michelly 81. Im größten Teil Südfrankreichs ist -l!- jedoch ein Alveolarlaut oder wurde, ebenso wie aus- lautend -Il, velarisiert. Die ursprüngliche Aussprache des -Il- dürfte also ‘breites’ I mit etwas zurückgezogener Zungenspitze und alveolar-präpalataler Artikulations- stelle gewesen sein, das durch Reduktion der Zungenspitzenhebung regional in palatales [?] übergehen konnte. Zur Frage: Juret Phon. 30, Kolovrat 67—76, Meyer- Lübke Rom. 1 31—36, Rohlfs Gasc. 102.

206 Meyer-Lübke Diphth. 369.

207 Für Ales und Sume£ne andere Typen.

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d) [6] vor Zischlaut.

dı) [6] + s < -S, -SVOK, -SSVOR, 8 49.

DUAS (aprov. doas, dos20);

[9]:?'° Homb. dos, [dös] 1, 19, 20.

[wo]: [dwös] Florac; Vayss., Constans 89 douos (dos).211 Nach Konsonant + r:

*KROSO?®? (aprov. cros):

[krös] 1, [krös] 10, [krüs]?!3 20, [krös]”'* Florac (ALF creux), als Subst. Homb. cros ‘vallon, creux, trou, fosse’ und häufig (auch als Fem.) in Orts- namen. Diphthongierte Formen z.B. im Alpengebiet 215

Einwirkung von frz. os kann vorliegen bei OSSU: [ol: [ös— ös] 1, [6s öses] 20, Florac (ALF os, (des) 08).

[we]: Vayss. ouos (neben os, Midi du Dep. Aveyron), ouösse21® (Kanton Entraygues) gegenüber össe (Laguiole, St. Genevieve).

de) [6] + s < -SKONS, Beh COSTA: [op]: Homb. costo,217 costos,?18 [köstos] 19,219 [kösto] 15.220

[we]: Valleraugue”! kwosto, [kwösto] 11;??° Vayss, couösto (cösto).22?

208 Für [z] fehlen Beispiele.

209 ‘avec un o de timbre indetermine’ (Ronjat I, 338).

210 [go] durch Ass. 6a > do > 6, vgl. unter BO(V)ARIA (8 40). Das Moment einer ‘selection morphologique’ (Ronjat I, 339) zwischen des f. und dos m. kann mit- gewirkt haben.

211 Mask. *DÖS (für DUÖS; vgl. Ronjat I, 338, 346; FEW III, 181—182) > aprov. dos > cev. [düs].

212 Vermutlich gallischh Gamillscheg creux; lat. CORRÖSUS ‘zernagt’ REW 2257 befriedigt nicht; vgl. Schuchardt ZRPh XLI, 696.

213 [u] durch satzvortonige Behandlung, vgl. Schroeder 211.

214 Für r ist velare Reibung angegeben.

215 Schroeder 211.

216 Sing. auf -e ist sekundär nach einem auf -es gebildeten Plur. entstanden.

217 ‘coteau, penchant d’une montagne’.

218 ‘les cötes des cocons’.

219 Wie Anm. 218, sowie ‘Rippen der Körbe’.

220 ‘Rücken des Sensenblattes’.

221 Meyer-Lübke Diphth. 369.

222 Wie Anm. 220, sowie ‘cöte de panier’.

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a u nn Da 39, u ln a ae u

POSTE%#3 (aprov. post):

[p]: Az. post, Homb. pos.

[wo]: [pwös], Plur. [pwöses] 24; Vayss. pouösse?!® (pösse im Segala), pouöste (pöste, Midi du Dep. Aveyron),?24

NOSTRU, -A; *VOSTRU, -A:

[o]: Fesquet Mon. II nostre(s), -0(s) vostre(s), -o(s), [nöste] 1, 20 (ALF notre poulailler), [nöstos] 1, 20 (ALF nos prunes), [vösto] 1, 20 (ALF votre fillette), [nöste vöste] 15, [nöste, nösto] 19.

[wo]: Inwöstre(s), nwöstro(s) bwöstre(s), bwöstro(s)] 23, [nwöste] 11, Inwöstre, nwöstros böstro] Florac (ALF); Vayss. nouöstre (nöstre), -0. Die geringere Verbreitung der Diphthonge:25 erklärt sich aus der häufigen proklitischen Verwendung der Pronomina .??6

*BOSCU??” (aprov. bos(c))*®:

[9]: Az., Homb. bos (a, b), Amat lous bos (a), [bös] 1 (ALF (bücher) du bois, les bois), 2, 5 (a, b), 14, 15 (a, b).

[wo]: [bwös] 20, Florac (ALF du bois), Florac (ALF bücher du bois, for6t), 3 (a, b), 7, 8, 10 (a, b),””® 17, 19 (a), 24 (a, b), [luz bwöses] 20, Florac (ALF les bois); Vayss. bouosc (neben bosc), Plur. bouösses, bouösques ‘bois, foret’.

Zeitlich verschieden erfolgte Entlehnung von frz. bois für (b):?3°

[oi]:23! [böi] 17, 19, 20, 21 ‘Holz (im allgemeinen)’; Aniane*? [böy] ‘Brenn- holz’, ob. Ardeche [böi, bwöi] (b).233

223 ‘Pfosten’ REW 6693.

224 Die Formen sind Fem., Bed. ‘planche, ais’.

225 Auch von Schroeder 210—211 für das Alpengebiet festgestellt.

226 So hat das Cev. (wie benachbarte prov. und lang. Mundarten; vgl. Ronjat III, 83—84) Vollformen mit -str- neben Kurzformen mit -st-; letztere werden vor dem Substantiv gebraucht, doch hört man regional im Cev. (z.B. Florac) in dieser Stellung auch -str- (Homb. hat nostre, nostro für alle Stellungen und Fesquet Comp. stellt Colognac nostre gegenüber Nimes noste; ähnliches Schwanken in Montpellier, Lamouche Gr. 85). Die Reduktion ist mithin satzphonetisch bedingt = Vermeidung der Dreikonsonanz in Schwachtonstellung.

227 Mittellat. boscus seit dem 10. Jahrh. belegt, zugrunde liegt fränk. busk ‘Wald’ REW 1419b, wobei germ. ü als rom. [6] übernommen wurde; vgl. Wallensköld MWa 146; Ronjat I, 50; Kaufmann 44; Gamillscheg bois; FEW *BOSK-.

228 Es bedeuten: (a) = ‘Wald’, (b) = ‘Holz’.

229 ‘Brennholz’ ist [leno] < LIGNA REW 5034.

230 Im gesamten gallorom. Gebiet erscheinen für (b) vielfach besondere, aus der Schriftsprache entlehnte Formen; vgl. FEW I, 452.

231 Vgl. aprov. boisc, bois; auch Karch 16, 83 und Zaun $ 296b halten diese Formen für lehnwörtlich: [f] erscheint im vorliegenden Fall auch in Gebieten, die [s] vor [k] sonst bewahren (wie z.B. die Provence und der größte Teil des Languedoc

75

[we]: [bwes] 24 (b), [... de bög]?35 20 (ALF bücher du bois); Vayss, boues (b), Couz. boues (neben bois) (b), aber bosc, bos (a).

e) [öl vor sekundärem Palatal. eı) [6] + ir S -C.R-. 8 51. Während die Nomina mit nachtonigem -CERE den Vokal der Pänultima zu bewahren pflegen, ist bei den Infinitiven auf -CERE vielfach Synkopierung eingetreten, und zwar auf Grund einer Tendenz, die Verben der -ERE-Klasse auf den rom. Typus -re zu normalisieren.237 Eine räumlich verschiedene Behandlung der Pänultima zeigt COCERE:238 Apokope und Bewahrung des [ö] (aprov. cözer): niederlim.,?3®? im südlichen Perigord’* und in den Landes?*! coze.

Synkope und jüngere Diphthongierung des [6] vor ir (aprov. cosre, coire?#!):

[eo]: Homk. coire, [köire] 1 (ALF cuire), 8, [köise] 3, 15. [wo]: [kwöise] 11, 19, 23, 25, [kwöire] 20, Florac (ALF); im Rouergue2# couoire, cuoide.24

(einschl. des Cev.); genauere Abgrenzung bei Ronjat II, 192—193); -sk > -isk läßt sich für das Aprov. nicht stützen; -sks ergibt -ks (Grandgent Prov. 74, Schultz-Gora 39), also *BOSCUS > *boscs > bocs (wonach ein neuer Obliquus boc gebildet wurde). -oi statt -ois = sekundäre Obliquusbildung.

232 Zaun $ 296b.

233 Dagegen für (a) stets [bwös, bwöS]; Dornheim VKR IX, 233, 331.

234 Vgl. Kaufmann 51—52.

235 [böe] (sic!) ist nicht annehmbar, vgl. 85.

236 Ronjat I, 239. Vorausgehender Palatalkonsonant hat die Erhaltung eines vokalischen Abglittes begünstigt, da er mit dem hinteren r eine homorgane Ver- bindung nicht eingehen kann.

237 Offenbar unter dem Einfluß häufig gebrauchter Verben mit Synkopierung zwischen homorganen Konsonanten wie metre < MITT(E)RE, vendre < VEND(E)RE u.a.; vgl. Ronjat I, 240.

238 Für klass. lat. COQUERE; Meyer-Lübke Einf. $ 150; REW 2212, 2; FEW.

239 Chabaneau Gr. 252.

240 Guillaumie 118,

241 Dengler 66,

242 [ir] < [zr] (vgl. Rousselot Cell. 226—229; Ronjat II, 191—192) ist jünger als die aprov. Diphthongierung; vgl. Reichenkron ZFSL LVIII, 169. Vereinzeltes queire im westlichen Languedoc und Guyenne (Ronjat I, 179) wird [6i] statt [di] analog nach dem ursprünglich diphthongierten und durch [We] > [e] reduzierten Partizip COCTU (8 19) gebildet haben, vgl. Lezignan keire neben keit < COCTU (Anglade RLR XL, 170, 296). Eine Analogiebildung nach endungsbetonten Formen ist prov. couire, woraus durch Segmentierung des [u] vor [il] (vgl. Ronjat I, 384—385) lim. coueire, cueire (Chabaneau Gr. 252), cu- nach lim. cue < COCTU; vgl. auch Michelly 27.

243 Ronjat III, 321,

76

*COCIT mit sekundärem [i]:?® [eo]: Homb. coi. [wo]: [kwöi] 19; im Rouergue?# couoi.

eo) [0] + ir < -D.R-. 52; FOD(E)RE?% (bzw. mit präfigiertem INTER-*?) (aprov. (entre)foire*®): [o]: Homb. foire,2#% entrefoire,23° [entreföise] 3. [wo]: [fwöise] 19, 23; im Rouergue®*! fuoide.

es) [6] +& im frz. Lehnwort. 853. Frz. poche: [o]: [p6Co] Florac. [wo]: [pwö£o] 1, 20 (ALF poche).

m

244 Aymeric 357.

245 Und zwar durch Angleich an den Infinitiv; vgl. Ronjat II, 91—92.

246 REW 3401, FEW.

247 Vgl. FEW III, 664.

248 [jr] < [dr] < -D.R- ist jünger als die aproVv. Diphthongierung; vgl. Grand- gent Prov. 19; Ronjat I, 181. Auch apokopiertes fozer kommt im Aprov. vor, Herford 65.

239 ‘marer, fouir la terre’.

250 ‘serfouir la terre, faire un second et leger labour’.

77

[2] [dR] [dn] [df] [dnR] [Pan] [dRA]

[dR] [2] [af] [df] [df] [dh] [dh] [9] [2] [on] [on] [dR] [dR] ednf]) an] [mr] [an] [5] [On] [dR] [OR] „Toa] | [8%] “[o] [dR] [Bi] Bar] [amR] [2] [2] [df] [df] [9%] [df] [öf]

[d®] [2] [2] [d#] Ton] [3%] of] [Or] [df] [df]

5 j sldnf]

[dr] [2] [2] [Bf] Ton] | [dA] Tor] [OR] TOR] [om] ‚[omf] HLOON OLIO vfo4L | VIAOTd« | NIAOTI« ıVIIOA RONOT NIMOO “raoH

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DJeIOLA

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[on] [ön] [on] [on] [on] [öm] - [im] VBIOLA “+ ausıogfen [ön] [ön] [on] [öm] ne ER E [on] [pn] Ton] [6n] [(ön] * ondnelsfeA i [ön] [on] ‘[6] [ön] [on] [on] löm] - [ön]ı sugums [6] [6] [6] [6] [6] a Otese] 2 [8] [öm] “[6] [öm] ‘[6] [6] [6m] paeg-np-ueor 16 | 3 [da] [6] [8] [6] [92]; = 4:[om* 10] | 9°): sev| NLYOH HUMAUON VINYOI« | eV NYOD ALNOA VNOG ‘vauon "ul0)UOS |VUOA HA . R uoA pus3sH NINYOI=, VıLYOd |. AINMOH -NNNO4 ALNOd NNOG

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=} oo

b) Die Entwicklung der [öl-Diphthonge.

$ 55. Zwischen den ‘bedingenden’ Faktoren und den eigentlichen Ur- sachen der sfrz. Diphthongierung werden zweifellos innere Zusammen- hänge bestehen; aber wir sind keineswegs berechtigt, ‘Ursachen’ und ‘Bedingungen’ von vornherein gleichzusetzen: „...le fait de la diphton- gaison est trop general pour qu’on puisse voir dans ces facteurs plus que des facteurs favorisants“.6 Die verschiedenen ‘bedingenden’ Faktoren und ihre einzelsprachlich wechselnde Kombination erweisen eine graduell verschiedene, nicht aber eine prinzipiell verschiedene Entwicklung der Diphthongierung. ‘Spontane’ und ‘bedingte’ Diphthon- gierung (vgl. $ 7) unterscheiden sich also lediglich in der Rolle, welche die einzelnen ‘bedingenden’ Faktoren im Zusammenhang mit der Diphthon- gierung spielen. ‘Spontane’ Diphthongierung bedeutet Durchführung des Vorgangs bis zu seiner absoluten Wirkungsgrenze, während die ‘bedingte’ Diphthongierung insofern nur ein Spezialfall der ‘spontanen’ ist, als die Wirkung auf bestimmte Lautkombinationen beschränkt bleibt. ‘Spontane’ und ‘bedingte’ Diphthongierung brauchen daher nicht einander auszu- schließen. So erscheint die jüngere Diphthongierung von [6] > [wo] im Gebiet des Rouergue als ‘spontan’, anderwärts in Südfrankreich als ‘be- dingt’, woraus erhellt, daß die ‘bedingte’ Diphthongierung Ausgangspunkt und Vorstufe der ‘spontanen’ gewesen sein kann.” Ob dann die Erweite- rung zur ‘spontanen’ Diphthongierung durch eine fortwirkende Änderung der Silbenrhythmisierung oder durch ‘rein lautliche Analogie’® erfolgt ist, bleibe dahingestellt; jedenfalls setzt diese sekundäre ‘Gleichstellung’ ein Fortbestehen der Tendenz zur Diphthongbildung voraus.’

Die Diphthongierung als organischer Bewegungsvorgang gehorcht den psycho-physiologischen Grundgesetzen menschlichen Sprechens, d.h. sie zielte während einer bestimmten Epoche unter den je- weils maßgeblichen Bedingungen auf eine gleichmäßige und konsequente Durchführung. Rein psychologische Erklärungsversuche der Diphthongierung aus affektischer Übersteigerung!’ oder aus einem bewußten Streben nach besonders plastischer Artikulation'! bewegen sich daher immer nur am Rande: „notre attention, quand nous parlons, est

6 de Groot BSL XXVII, 15.

7 Eine ähnliche Auffassung für die Diphthongierung von [&] und [6] im Frz. äußert Schürr RF L, 302.

8 So nach Schürrl.c.

9 Die Hypothese, daß die ‘spontane’ Diphthongierung des Rouergue auf einer besonderen Stärke des Hervorhebungsdruckes beruhen würde, ist durch nichts ge- rechtfertigt.

10 Vgl. Spitzer MSGr 306—311.

11 Vgl. Mengel 187.

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toute penetr&e du sens et ne se porte gu£re sur les mouvements et sur les sons du langage“.'” Die Feststellung, daß alles Diphthongieren die Empfin- dung bzw. das Hören eines ‘'zweigipfligen’ (= zweiartigen) Lautcharakters voraussetzt,!3 ist mehr eine Umschreibung des Tatbestandes als eine wirk- liche Erklärung. Wirkliche Zweigipfligkeit, d.h. Annahme eines zweiten Druckgipfels und damit zweisilbige Aussprache,'* kommt als Voraus- setzung der Diphthongierung nicht in Frage, denn „a Romance diphthong has never consisted of two pure vowel sounds“;!? außerdem ist die Di- phthongierung in ihrem Wesen nicht Vokal-, d.h. Silbenverdoppelung, sondern immer nur Segmentierung eines Vokals im Rahmen der gleichen silbischen Einheit.

Dehnung des Vokals kann den Eindruck einer sog. ‘Zweigipflig- keit’ begünstigen,'# ist jedoch als allgemeine Vorstufe der rom. Di- phthonge!?” nicht annehmbar.'® Ihre Funktion als selbständiges Struktur- prinzip hatten die Quantitätsabstufungen bereits im Laufe der lat. Sprach- entwicklung verloren; sie bilden in der Folgezeit „überhaupt nur insoweit Akzentfaktoren, als sie Begleiterscheinungen oder Ausdrucksformen eines Druckgipfels sind“;!? „die Diphthongierung setzt die Dehnung nicht vor-

“aus, vielmehr stellt sie selbst die Dehnung dar“.?°

Die wechselnde Spannung eines Vokals?! ist einerseits Begleit- erscheinung der dynamischen Abstufungen, kann aber andererseits auch unabhängig vom Hervorhebungsdruck in fester Verbindung mit den als wortkonstituierende Elemente dienenden Eigenschaften des Akzentes auf- treten.” Die Spannung bildet jedoch kein selbständiges Lautunterschei- dungsmerkmal;?? sie besitzt als Artikulationsakt keine deutlich abgrenz-

12 Delacroix 169 a. 1.

13 Vgl. van Ginneken Ling. 386—388, Richter Phon. 140.

14 Vgl. Schmitt Diphth. 55.

15 Ford MSGr 105.

16 Schmitt Diphth. 54—55, Richter Phon. 139—140.

17 So z.B. Matzke ZRPh XX, 4; Salverda de Grave Acc. 9—13; Weerenbeck Neoph XV, 176; Valkhoff MSGr 338.

18 Vgl. Schuchardt II, 328; Juret BSL XXIII, 138—140; Schmitt Diphth. 61—62, 125; Schürr RF L, 276, LII, 311—312.

198 Schmitt Diphth. 9.

20 Schmitt Diphth. 125.

21 D.h. das Verhältnis zwischen den Einzelspannungen der Artikulations- organe des Ansatzrohres einschl. der Stimmbänder.

22 So sind im Dtsch, Länge und Kürze als Silbenlautqualitäten in der Regel mit stärkerer und schwächerer Spannung verbunden, jedoch können die beiden Lautformen auch beliebig gespannt oder ungespannt gebildet werden, vgl. Forch- hammer Phon. 130.

23 Die von Fouch& RLR LXIII, 224 vorgeschlagene Gliederung des altlat. Vokal- systems in zwei durch das Moment der Spannung funktionell getrennte Reihen ist darum hypothetisch.

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bare akustische Eigenwirkung, „indem es aller Wahrscheinlichkeit nicht die Spannung selber ist, sondern die durch die Spannung hervorgerufenen Engebildungen, die den betreffenden Klangcharakter bewirken“.* Was die Spannungen unterhalb der Zungenwurzel betrifft, so ist festgestellt, daß weder die Bewegungsvorgänge des Kehlkopfes, noch die der Stimm- bänder das Wesen des Vokals oder der Silbe maßgebend bestimmen;!5 sie können daher auch bei der Entwicklung der Diphthonge nicht als definitiv entscheidendes Moment betrachtet werden.

Die Stellung eines Vokals unter dem Wortakzent ist eine häufige, aber nicht zwangsläufige Vorbedingung der Diphthongierung.?” So kann sfrz. i + u > ieu sowohl in stark, als auch in schwach betonter Silbe erfolgen. Entscheidend ist also nur eine besondere Steigerung der Artikulationsenergie, mag diese Steigerung sich nun aus der akzentuellen Gliederung (d.h. den Schwankungen der Gesamtintensität), oder sekundär innerhalb der einzelnen Vokalqualitäten aus der stärkeren Verengung des Atemweges ergeben.?®

8 58. Auch die ‘bedingende’ Einwirkung eines Palatals oder Velars bei der aprov. Diphthongierung von [&] und [6] ist verschieden beurteilt worden:

1. Differenzierung des Vokals in seinem Endteil: „Le [y] qui suit est plus ferme que !’[eE]. Par differenciation, il agit sur le dernier element de !’[&], et l’ouvre davantage. Mais alors, ce dernier &l&ment se trouve plus ouvert que la premiere moitie de !’[e]; par differenciation, le

24 Forchhammer Phon. 36. Auch die Untersuchungen von E. A. Meyer NSpr XXI, 65—86, 145—171 widersprechen dieser Auffassung nicht.

25 Vgl. de Groot Phon. 32—33; Rosetti BLR III, 9—12.

26 Mengel 165—172 will [&, 6] < E, ö vor ihrer Diphthongierung durch einen ‘ersten Umlautprozeß’ zu [&, 6] werden lassen, da „jede Diphthongierung nur aus gespannten Vokalen erklärt werden kann“ (id. 198). Diese Auffassung ist für die rom. Diphthongierung von [€] und [6] aus lauthistorischen Gründen unhaltbar; vgl. z.B. das Nebeneinander von [6] und [wi] im Cev., sowie von kurzem offenen e und und einem durch ‘Umlaut’ bedingten Diphthong ie in sizilianischen Mundarten (vgl. Schmitt Diphth. 116).

27 Vgl. Fouch& Et. 30—31. £

28 Nach Schmitt Diphth. 831—82 ist ein „stark zentralisierender Akzent“ „erster und eigentlichster Faktor“ sowohl der ‘spontanen’, als auch der ‘bedingten’ Diphthongierung, indem er nicht nur „an Kraft überlegen ist, sondern vor allem, weil er stärkere Druckgegensätze schafft“. Dagegen erhebt sich der Einwand, daß die ‘bedingte’ Diphthongierung als Wechselwirkung zwischen Akzentvokal und Nachbarlaut physiologisch nur bei einer „Sprechweise mit geringem expiratorischen Akzent“ verständlich ist (vgl. Richter Zshg.133). Auch die geringe Widerstands- kraft der lat. Akzentstelle in Hiatverbindungen deutet auf eine relativ geringe Intensität und damit geringere Zentralisierung des gemeinrom. Akzentes (vgl. Burger Ro LXI, 134).

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contraste s’accentue.“?® Entsprechend auch beim [6] bzw. vor [w]. Die Voraussetzung einer dem Endteil des Vokals drohenden Angleichung?® ist jedoch hypothetisch, da einerseits die beteiligten Laute in bezug auf ihren Öffnungsgrad scharf gegeneinander abgegrenzt sind, andererseits in den Fällen [6] + [y] und [e] + [w] auch die Artikulationsstellen relativ weit auseinander liegen.?!

2. Assimilation des Vokals in seinem Anfangsteil „due to a premature lifting of the tongue under the influence of a following high vowel or a palatal (or velar) consonant“.?” Da eine Vorausnahme der Zungenstellung des hinteren Lautes die Fälle [6] > [woi] und [eu] > [yeu] nicht erklärt? kann als diphthongbildende Ass. nur eine Vor- ausnahme der Engenbildung, d.h. der folgenden hohen Zungenstellung und Spannung schlechthin in Frage kommen. Auslösendes Moment wäre nach Schürr RF L, 279 „die für die starke Zungenhebung, für die Engenbildung erforderliche größere Energie und stärkere Muskel- spannung“, während die Stellung unter dem Akzent eine sofortige ‘Kontrolle’ und ‘Korrektur’ bewirkte, so daß der zweite Teil des Vokals offen blieb.” Aber die Annahme einer relativ größeren Energie der diphthongbedingenden Dauerlaute läßt sich mit ihrem Charakter als stellungsbedingte Reduktionslaute kaum vereinbaren, vgl. 8 58. Im übrigen hat die den Dauerlauten durchweg überlegene Muskelenergie der ex- plosiven Verschlußlaute keine Diphthongierung bedingt.?® Nach Schroeder 158, 227—228 hat in erster Linie die Wirkung des Akzents eine Tendenz zur stärkeren Spannung und Verengung des Vokalanfangs hervorgerufen,” die vorausnehmende ‘Innervierung’ des Nachbarlautes „vollendet diesen Spaltungsvorgang“. Gegen eine durch die Wirkung des Akzents hervor- gerufene Verengung des Vokalanfangs erhebt sich der sprachhistorische Einwand, daß eine ‘spontane’, von Nachbarlauten unabhängige Verengung und Erhöhung der Vokale in der Romania sonst durchweg eine Erschei-

29 Millardet Et. 214.

30 „La cause de la differenciation est, d’une maniere generale, la peur in- consciente d’une assimilation“ (Grammont Phon. 229).

31 Weitere Einwände: Meyer-Lübke Diphth. 364; Tuttle MPh XVI, 591; Polack ASNSL CXXXVII, 217.

32 Grandgent Prov. & 30; ähnlich Voretzsch SF 643.

33 Vgl. Millardet Et. 213, Fouch& Dipht. 5.

34 Vgl. Rokseth Ro XLVII, 545; Fouch& Et. 24—26; Schürr RF L, 279.

35 Ähnlich Rokseth Ro XLVII, 546.

36 Vgl. Fouch& Dipht. 6.

37 Ähnlich Meyer-Lübke RGr I $ 639, Menendez Pidal Orig. 139—142, Schmitt Diphth. 120—123.

38 Physiologische Einwände: Goidänich 157—158; Richter Zshg. 75—76; Learned BUBe I 783T.

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nung der schwach akzentuierten, also mit relativ geringem Druck hervor- gebrachten Silben ist.®’® Auch die rom. Verengung der Vokale im Hiat,? als deren Ergebnis Silbenkontraktion, d.h. diphthongische Verbindung der beiden Lautelemente erscheint, bekundet eine Druckschwächung des verengten Vokals. Die Vokalverengung im Hiat hat sich richtungsgleich mit der rom. Diphthongierung entwickelt; für beide Vorgänge wird man kaum gegensätzliche Akzentwirkungen voraussetzen dürfen.

Hypothetisch ist die Auffassung der aprov. Diphthongierung vor Velar als eine durch partielle Fernassimilation an die flexivischen Auslautvokale -? und -@ bedingte Umlauterscheinung.*! Diese Vokale hatten ihre ursprüngliche Quantität bereits in lat. Zeit verloren und mit der im westlichen Teil des Imperiums erfolgten Wiederverallgemeinerung des flexivischen -s*? auch ihre Eigenschaft als Funktionsträger und damit die Möglichkeit einer dominierenden Einwirkung auf benachbarte Laute. Mit zunehmender Schwächung und Verengung der Auslautvokale dürften -i und -u als die relativ engsten Vokale am frühesten die Fähigkeit zur Bildung eines eigenen Öffnungs- und Schallfüllezentrums eingebüßt, d.h. die Schwundstufe erreicht haben.

$ 57. Die bei der Diphthongierung des [6] (bzw. des [&]) maßgeblichen lautlichen Faktoren geben uns Aufschluß über Umfang und Rich- tung der Entwicklung; sie erklären jedoch nicht, warum die Ände- rung des Vokals nicht gradlinig und total, sondern partiell, d.h. inner- halb seines Artikulationsbereiches vollzogen wurde.*? Der Unterschied zwischen totaler und partieller Änderung ist kein prinzipieller, sondern nur ein gradueller.** Wir sprechen nicht in einzelnen Lauten oder ein- zelnen Wörtern, sondern in Silben (bzw. in Silbengruppen), d.h. in Phasen von wahrnehmbar gleichen bzw. wahrnehmbar regelmäßig verschiedenen Qualitäten. Die so abgrenzbaren Silben sind naturgemäß nur funktionell

39 Vgl. die Tendenz zur Verengung der Auslautvokale; Juret BSL XXIII, 146—147.

40 Vgl. Millardet Ling. 332.

41 Zauner Aqu.5—7; Tuttle MPh XVI, 585—590; Reichenkron ZFSL LVIII, 160—170; Schürr RF L, 300—301. Eine Verallgemeinerung dieser Theorie versucht Juret BSL XXIII, 138—155; der Hinweis auf die ‘Brechung” im Altschwed. ist nicht stichhaltig, da die Akzentverhältnisse der Auslautvokale im Rom. andere sind.

42 Vgl. v. Wartburg Ev. 42—43,

43 Die Drucksteigerung an sich reicht zur Erklärung nicht aus. So werden kurze, druckschwache Vokale unter einer okkasionellen Drucksteigerung im Dtsch. immer nur gradlinig erweitert oder verengt, vgl. Schmitt Diphth. 42, Mengel 197.

44 So erscheint im Sfrz. vlat. [0] vor Palatal in der Tonsilbe als [Wo, We], in der Vortonsilbe als [ü].

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empfundene Einheiten;?5 objektiv phonetische Einheiten sind sie nur da, wo sie zugleich Atemgruppen sind, d.h. mit den dynamisch-rhythmischen Abstufungen zusammenfallen.** Die Tendenz zur Rhythmisierung kann sich auch innerhalb der Silben geltend machen, da die Silben als Be- wegungsabschnitte nach ihrem Energie- und Öffnungsverhältnis unter sich gruppiert werden.” Diese Rhythmisierung der Silben wird sich äußern in einer Verstärkung der einer rhythmischen Gruppe eigenen Merkmale, also in einer Tendenz zur Differenzierung und _ einer Tendenz zur Normalisierung. „Est-il trop hardi de supposer que cette differenciation peut se manifester entre autres par des mouve- ments rythmiques des muscles de la langue et, plus generalement, de tous les muscles articulatoires? “4 Wenn ein Vokal aus irgendeinem Anlaß eine über ein bestimmtes Maß hinausgehende, unter den gleichen Bedingungen stets wiederkehrende Steigerung der artikulatorischen Leistung* erfährt, so wird dadurch das zwischen den Energieabstufungen und den kinetisch- akustischen Abstufungen innerhalb der Silbe bestehende Verhältnis ver- ändert und verschoben; das ‘Mehr’ auf der einen Seite muß zur Erhaltung des Gleichgewichts der artikulatorischen Kräfte durch ein ‘Weniger’ auf der anderen Seite wettgemacht werden: das durch den Sprachgebrauch festgelegte Gliederungssystem der Silben wird ins Wanken geraten, und zwar bezieht sich dies sowohl auf die Lage der Silbengrenzen (d. h. die Punkte relativ schwächster Artikulationsenergie), als auch auf das dyna- misch-rhythmische Alternieren zwischen Stark- und Schwachtonsilben. Derartigen Verschiebungen kann der Sprechrhythmus mehr oder weniger unbewußt entgegenwirken: wir fassen die Steigerung der artikulatorischen Leistung so auf, daß die Energieabstufungen nicht für sich, sondern zu- gleich auch die mit diesen in rhythmischer Wechselbeziehung stehenden Öffnungs- und Schallfülleabstufungen innerhalb der Silbe stärker kon- trastiert werden, d.h. die Kontrastempfindungen in einer bestimmten Eigenschaft werden mit entsprechenden Kontrastempfindungen in allen Eigenschaften der Silbe identifiziert. Dies äußert sich phonetisch in der Weise, daß der relativ offene Vokal durch ein Lautelement von stärkerer Geschlossenheit und geringerer Schallfülle, der relativ geschlossene Vokal durch ein Lautelement von geringerer Geschlossenheit und größerer Schallfülle abgegrenzt wird.

45 Nach v. Ettmayer GRM XXV, 388 ‘phonematische’ Einheiten.

46 „Le groupe rythmique coincide avec l’effort expiratoire“ (Rosetti BLR III, 13).

47 Vgl. de Saussure 89—93; de Groot BSL XXVII, 6—7, 32—33.

48 de Groot BSL XXVII, 16—17; vgl. auch Millardet Ling. 334,

49 „Die artikulatorische Leistung ist das Ergebnis aus Muskelenergie und Zeit“ (Richter Zshg. 69).

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an ne un ae BE

Die Diphthongierung beruht also auf einer stärkeren Bewe- gungs- und Klangdifferenzierung, die sich in rhythmischem Wechsel mit einer stärkeren Energiedifferenzierung innerhalb der Silbe er- geben hat. Das zur Auslösung einer solchen Differenzierung der Kräfte erforderliche Maß an Energiesteigerung ist naturgemäß in Raum und Zeit verschieden, wie auch die Tendenz zur Rhythmisierung bald stärker, bald schwächer ausgebildet ist.’ Verschieden sein kann ferner die Spannweite zwischen den differenzierten Bewegungselementen; der Zungenabstand des ursprünglichen Vokals legt nur die Richtung des Glei- tens fest,5! während die Spanne des Gleitens einerseits von der Zungen- stellung benachbarter Laute bzw. von der Lage der Silbengrenze, anderer- seits von der Anzahl der im Lautsystem der Sprache jeweils gültigen Ab- stufungsmöglichkeiten abhängig ist. Je nach den vorliegenden Bedingun- gen und Möglichkeiten kann daher der Diphthong von Ursprung an sofort in einer Fülle artikulatorischer Schattierungen auftauchen, zwischen denen durchaus nicht immer ein lautgeschichtlicher Zusammenhang be- stehen muß.” Ursprünglich einheitlich muß dagegen die Lage des Akzents gewesen sein, nämlich immer auf dem energiestärkeren bzw. offeneren Element, „for the simple reason that it alone is a pure vowel, while the other is a semi-consonant { (y) or u (w), and as such cannot have an accent“.®® Die sog. ‘double accentuation des diphthongues’””* bzw. die Normalisierung der Akzentlage auf dem geschlosseneren Element sind mithin sekundäre Erscheinungen,’ die bedingt sein können durch satz- akzentuelle oder analogische Einflüsse, durch Neurhythmisierung des Wortakzents?’ oder durch Änderung des Betonungsmodus.5® In der Haupt- sache wird sich immer nur das offenere (akzentuierte) Element des Di- phthongen ändern, weil es die größeren Abstufungsmöglichkeiten hat,® während das geschlossenere (unakzentuierte) Element nur zwischen un- silbischem Extremvokal und homorganem Reibelaut alternieren kann.‘

50 In den Vortonsilben ist die artikulatorische Leistung meist zu gering, um eine besondere Energiesteigerung als lautliche Kontrastierung empfinden zu können.

51 Vgl. Meillet MSL XII, 33; de Groot BSL XXVII, 17; Ford MSGr 104.

52 Vgl. Menendez Pidal Orig. 126—127, 135—139.

53 Ford MSGr 105.

54 Vgl. Salverda de Grave Acc., Valkhoff MSGr 338—346.

55 Auch sprachgeographische Erwägungen sprechen in diesem Sinne; vgl. Menändez Pidal Orig. 124—126; Schürr RF L, 280—282.,

56 Vgl. Wallensköld MSGr 387.

57 So in frankoprov. Mundarten: „Une diphtongue se pr&sente...sous ce double aspect: decroissante ä la finale croissante ä l’interieur d’un mot, ou d’un groupe respiratoire“ (Duraffour 52).

58 So z.B. im Frz.; vgl. de Groot BSL XXVII, 41.

59 Vgl. Menändez Pidal Orig. 141—142.

80 Vgl. Schmitt Diphth. 118. Anders Bouman Neoph III, 1—7.

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Die sekundären Änderungen der ursprünglichen Diphthonge sind, soweit sie das Öffnungs- und Klangverhältnis betreffen, in erster Linie Assimilationserscheinungen, die eine systematische Einebnung der entstandenen Diphthonge®! und stärkere Anpassung der beiden Segmente an ihre lautliche Umgebung bzw. silbische Stellung zum Ergebnis haben und letzten Endes auf der Tendenz zur Normalisierung artikulatorischer Einheiten beruhen® (vgl. weiter oben).

Im Cev. und in benachbarten lang. Mundarten (einschl. des Prov. von Nimes und Avignon) lassen sich bei der Entwicklung der aprov. [ö]- Diphthonge folgende Richtungen unterscheiden:

1. [6] > [Wo] (gemeinsame Grundstufe, heute noch örtlich im Rouergue (z.B. Rodez und Millau), und zwar besonders vor [u], seltener auch nach vorausgehendem Labial). [w] statt [w]® ergibt sich, wie der spontane Wandel [u] > [ü], aus der in der alten Sprache offenbaren ‘tendance pre£palatalisante du franco-roman’,®d.h. der Tendenz, eine Ver- bindung von relativ starker hinterer und vorderer Mundraumenge®? durch Vorwärts- und Höherschiebung der Zungenlage im Bereich des vorderen Mundraumes zu konzentrieren.®?

2. [Wo] > [ü] (alte Reduktion,” die im Mittelalter anscheinend weiter verbreitet war und vielerorts nur nach Konsonant + r bzw. I erscheint; aus dem Cev. nur vereinzelte ältere Belege, und zwar nur nach Kons. + r bzw. nach zwei Vortonsilben in zusammengesetzten Wörtern). Die Verengung und Kontraktion zu [ü] bekundet eine Ass. des betonten velaren Elementes an die palatale Umgebung und damit eine Gleich- stellung mit der Entwicklung des vortonigen [o*] vor Palatal; Voraus- setzung ist daher eine geringere Intensität des Hervorhebungsdruckes, wie

61 Vgl. Bruneau ZRPh LVII, 180.

62 Ausgenommen wenn es sich um lautliche Substitutionen oder Analogie- bildungen handelt.

63 Dory RLR LXVII, 442.

64 Die vordere Enge war im vorliegenden Fall die stärkere Lippenrundung.

65 Dagegen zeigt die jüngere Diphthongierung des [6] die Grundstufe [wo], da der Wandel [u] > [ü] etwa mit dem 13. Jahrh. abgeschlossen war; zur Frage vgl. Meyer-Lübke Einf. 8234; Gamillscheg ZFSL XLV, 341—349; Ronjat I, 127—128. Die Annahme, daß [u] > [ü] im Sfrz. erst seit dem 14. Jahrh. eingetreten wäre (vgl. Richter ZRPh XLV, 385—401), hat kein positives Moment für sich; [o] > [uw] und [u] > [ü] brauchen nicht gleichläufig sein, die Verschiebung von aprov. [o] > [ul ist eher als Folgeerscheinung von [u] > [ü] zu begreifen.

66 Die palatale Aussprache ist bereits für die ältesten Belege aus den an- gegebenen Mundarten gesichert, vgl. Henke 5.

67 Schon die ältesten Texte haben u neben uo, ue (Brunel, Henke 4-5, 9); da-' gegen nicht i neben. ie (vgl. auch Schroeder 160—173), so daß die Erklärung des [ü] durch “Umlaut’ (Henke 1. c.) abzulehnen ist.

68 Vgl. Ronjat I, 177—178.

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sie sich bei größerer Länge bzw. Höhe der ansteigenden Drucklinie®% oder unter dem Einfluß der jeweiligen Stellung im Satz ergeben kann.

3. [wo] > [We] vor Palatal (neben [wo] > [Wo] vor Velar): Ass. an die Zungenstellung des folgenden Lautes”® (im Cev., sowie in einem großen Teil des Rouergue und im Prov.).

4. [ie] > [Wwö]”' (im Prov., doch wegen der geringen Öffnungs- und Klangkontrastierung vielerorts eine ‘phase sans dur&@e’): die stärkere Muskeltätigkeit (Lippen und Zunge) wird mit der stärkeren Expirations- energie im Silbenzentrum verbunden;”? diese Ass. dürfte mit einer Reduk- tion der Artikulationsenergie des [W] Hand in Hand gehen.

5. [wo] > [yo], [we] > [ve], [Wö] > [yö]; im direkten Anlaut auch [we] > [yWe] (bzw. [we] > [vwe]”®); nach [9-] bzw. anlautender Konso- nantengruppe [üo] > [oe], [we] > [e], [wö] > [6]: Ass. an die ‘norme syllabique’ auf Grund einer Tendenz zur stärkeren Verengung und Kon- sonantisierung, d.h. Einordnung des [ü] unter eine durch den Sprech- rhythmus begünstigte und zahlenmäßig bei weitem überwiegende Form des ansteigenden Silbenteils.® Je nach der stärkeren oder schwächeren Stellung des [W] innerhalb der Silbe, nach der lautlichen Umgebung bzw. auch der syntaktischen Stellung des Wortes’® kann diese Tendenz durch partielle oder totale Entrundung bzw. durch Absorption oder Ausfall” zum Ausdruck kommen.

8 58. Für die Diphthongierung von [E] und [ö] im Sfrz. ist die durch den Wortakzent hervorgerufene Steigerung der artikulatorischen Leistung als ‘Bedingung’ nicht ausreichend;”® es muß eine weitere, durch die Wir- kung des folgenden Lautes bedingte Steigerung hinzukommen. Diese Steigerung ergibt sich aus einer vorausberechnenden Normalisierung der artikulatorischen Kräfte auf Grund der ‘tendance ä& l’iso-Energie’ bzw.

69 Anlautende Konsonantengruppe 4 Diphthong ist in vielen Mundarten eine „phase sans dure&e’.

70 Auch der ‘spontane’ Wandel [®o] > [üe] (z.B. regional im Limousin) kann ursprünglich durch folgenden Palatal ‘bedingt’ sein.

71 [Wwö] wird jünger sein als [We]; vgl. Meyer-Lübke Diphth. 361; Tuttle MPh XIV, 677; Ronjat I, 175.

72 Vgl. Ford HMP II, 32; Dory RLR LXVII, 405.

73 Besonders im Prov.; vgl. Ronjat III, 133, 489,

74 Nach [tr-] (homorgane Gruppe) erscheint vor folgendem [9] neben dem Aus- fall auch Entrundung des [%].

75 Vgl. Millardet Ling. 311—8314, 332—333; de Groot BSL XXVII, 24—28.

76 Vorausgehender Labial und häufige Schwachtonstellung im Satz haben im Cev. die Entrundung begünstigt.

77 Vgl. Meyer-Lübke Diphth. 354. Mundartlich (z.B. im südwestlichen Lan- guedoc und regional im Limousin) ist der Ausfall verallgemeinert; vgl. Ronjat I, 184.

78 Zur ‘spontanen’ Diphthongierung des Rouergue vgl. $ 55.

89

‘isochronie des syllabes accentu6es’,”% ist also als Begleit- oder Folge- erscheinung einer Verminderung der Energie (Reduktion) des ‘bedingen- den’ Lautes aufzufassen. Dies gilt für die aprov., wie für die jüngere Diphthongierung. Der Unterschied zwischen beiden Kategorien ist kein funktioneller®’, sondern in erster Linie bedingt durch die zeitlich und räumlich verschieden ausgebildete Reduktionstendenz der im- plosiven und intervokalen Konsonanten. So sind die diphthongbedingenden Palatale teils durch Lockerung und Vokalisierung alter Verschlußlaute (z.B. [it] < -CT-, [is] < -CS-), teils durch ‘Ver- minderung der i-Lautung zu einem y-Abglitt’®! bzw. Durchdringung oder Verschmelzung zweier selbständiger Laute entstanden, also stets durch Vorgänge, die eine Verminderung der artikulatorischen Leistung dar- stellen. Ähnlich bei den Velaren, wo z.B. -k < -CU die Diphthongierung bedingt hat, nicht aber -k < -CCU,8# d.h. nicht der beim Eintreten in die Auslautstellung mit stärkerer Energie gebildete stimmlose Laut. Wie die diphthongbedingenden Palatale (vgl. 8 9) gehören auch [gl] der Gruppe [glr] < -CR- und [kl] < -CU zu den implosiven Dauerlauten. Wenn [gl] vor [r] nicht der Reibelaut [g] war, so jedenfalls ein lockerer, nicht mit vollem Verschluß einsetzender Implosivlaut (vgl. &$ 28). Bei [kl] < -CU handelt es sich offenbar um einen mit verminderter Muskelenergie gebildeten, velaren Lösungslaut:®3? -CU trat als stimmhafte Lenis in den rom. Auslaut®? und wurde in dieser Stellung zwar wieder stimmlos, in seiner Zungen- artikulation jedoch noch fester an den vorhergehenden Vokal ange- schlossen;?° das Moment der Verschlußöffnung wurde weiter vernach- lässigt, d.h. im absoluten Auslaut erfolgt die Öffnung erst mit dem Ver- löschen des Atemdrucks.®. Die häufige Bewahrung des Monophthongen

79 de Groot BSL XXVIL, 33—34.

80 Duraffour 164—165 vermutet funktionelle Unterschiede sogar zwischen der aprov. Diphthongierung vor -CT- und der vor -LI-, -RI-.

81 Richter Phon. 104.

82 Vgl. Reichenkron ZFSL LVIII, 165.

83 Die Erklärung der Diphthongierung vor [k|] < -CU auf Grund besonderer Bedingungen überzeugt ebensowenig wie die Annahme einer Palatalisierung des rom. -k bzw. einer Aussprache mit homorganem [u]-Anglitt. Vgl. Neumann ZRPh VIII, 386—388; Voretzsch SF 618—619; Millardet Et. 210; Zaun $ 33b; Meyer-Lübke Diphth. 362; Tuttle MPh XIV, 676, XVI, 589; Ronjat I, 168; Schroeder 189; Reichen- kron ZFSL LVIII, 164—167; Rohlfs Gasc. 76.

8 Vgl. Tuttle MPh XIV, 675; Richter Phon. 135—136, 184.

8 Vgl. Ronjat II, 99.

8 Ein besonders fester Anschluß ist auch bei labialem Konsonant möglich, weil dieser der Zunge Bewegungsfreiheit läßt; daher Diphthongierung auch vor rom. auslautendem -p: OPU > aprov. uop(s) (vgl. Porschke 43) neben häufigerem ops, obs <“ OPUS (also entsprechend wie vor Velar keine Diphthongierung vor zwei Implosiven, vgl. $ 26); *TROPO > aprov. trop, truep ‘ich finde’; *TROPU

%

vor Velar in Fällen mit relativ größerer Widerstandsfähigkeit der mono- phthongischen Formen?” bekundet, daß die diphthongbedingende Wirkung der Velare im Gegensatz zu den Palatalen von Grund auf eine geringere gewesen ist.®® Dies beruht offenbar auf einer faktisch geringeren bzw. relativ später einsetzenden Reduktionswirkung bei den velaren Konso- nanten.S®

Auch die jüngere Diphthongierung rechtfertigt sich aus einer durch Reduktion (Lockerung bzw. Velarisierung) der Dauerlaute bedingten Energie- und Quantitätssteigerung des vorausgehenden Tonvokals. Im Cev. (wie in einem großen Teil Südfrankreichs, vgl. $ 32) diphthongiert nur [öl], nicht [&]: [6] bietet infolge seiner Verbindung von lingualen und labialen Muskelkontraktionen a priori größere Differenzierungsmöglich- keiten.?’ Implosive Stellung der Konsonanten hat die Diphthongierung begünstigt,?! weil sie die Reduktion der Konsonanten begünstigt hat. Ex- plosive (intervokale) Stellung der Konsonanten ist nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit explosivem (losem) Anschluß an den vorausgehenden Vokal;” der feste oder lose Anschluß ist vielmehr von der Lage der Silbengrenze, d.h. dem Punkt der relativ schwächsten Artikulations- energie? abhängig. Auch die intervokalen Dauerlaute zeigen mehr oder minder eine Tendenz zur Lockerung und Angleichung an die umgeben- den Vokale,’* und diese Reduktion kann, wenn sie ein bestimmtes Maß erreicht hat, ebenfalls die Diphthongierung bedingen. Die stärkere Ein- beziehung der intervokalen Konsonanten in die Artikulation der um- gebenden Vokale setzt zugleich eine relativ geringe Widerstandskraft dieser Konsonanten voraus, d.h. die Silbengrenze ist nicht eindeutig am Ende des Vokals fixiert (loser Anschluß), sondern liegt im Artikulations- bereich des Konsonanten (fester Anschluß). Nach einer anlautenden

(< fränk., Gamillscheg trop) > aprov. truep (neben wegen der syntaktischen Vortonstellung weit häufigerem trop) ‘zu sehr’; vgl. Ronjat III, 492.

87 Vgl. 88 25—27.

88 Dagegen scheint uns die Annahme, daß eine Diphthongierung vor rom. -k nur für das homorgane [6] in Frage kommt (vgl. Reichenkron ZFSL LVIII, 165; Schürr RF L, 287), mit dem Prinzip der aprov. Diphthongierung nicht recht ver- einbar: CZECU; GRECU > aproyv. cec, sec; grec sind wegen der Fem. sega; grega (mit [€] vor explosivem Velar) nicht beweisend; außerdem können es Latinismen sein, wie aprov. dec ‘Grenze’ < DECU (vgl. P. Meyer Ro X, 268; FEW III, 27). Da- gegen aprov. sec neben siec < SEQUO (nach Reichenkron 1. c. < *SEQUIO, warum?).

8 In den frühesten urkundlichen Belegen noch keine Diphthongierung vor Velar ($ 8).

90 Vgl. Ronjat BSL XXIV, 374.

91 Vgl. $ 32; Schroeder 227, 228.

92 Vgl. Richter Phon. 127, 142.

93 E. A. Meyer NSpr VI, 492; vgl. de Saussure 89.

94 Vgl. $ 43; Ronjat II, 121—145.

9

Gruppe von Konsonant + r bzw. l war in den meisten Mundarten mit jüngerer Diphthongierung (so auch im Cev.) die durch folgenden Dauer- laut ‘bedingte’ Energiesteigerung für eine Diphthongierung nicht aus- reichend, weil der größere Kraftverbrauch im Silbenanlaut die für den Vokal verfügbare Energie relativ stärker vermindert hat.” Durchgängige Bewahrung des [6] erscheint vor folgendem [u] bzw. [w]” (im Cev. auch vor dem vom [u] oft kaum zu unterscheidenden [f] < -LU, $ 45%). Die Tendenz zur rhythmischen Differenzierung innerhalb der Silbe umfaßt alle Muskelbewegungen, also auch die der Lippen; die Diphthongierung [6] > [we] kann daher unterbleiben, wenn sie nicht zugleich eine stärkere Differenzierung der Lippenbewegungen einschließt, sondern eine noch längere Beibehaltung der Lippenrundung und einer damit wechselseitig verbundenen velaren Zungenstellung bewirken würde.’ Diese erhaltende Tendenz®? steht nicht im Gegensatz zur Diphthongierung; beide Erschei- nungen ergeben sich vielmehr aus dem gleichen Prinzip einer periodischen, durch den Sprechrhythmus begünstigten Bewegungs- und Klangdifferen- zierung einer gesprochenen Lautfolge.

95 Anders Ronjat I, 162: „La diphtongaison produirait une succession d’apertures trop voisines“. Aber es kommt in erster Linie auf das wechselnde Verhältnis zwischen Energiesteigerung und Energieverbrauch an, da die aprov. Dipthongierung vor Palatal durch anlautende Konsonantengruppen nicht verhindert wird (größere Energiesteigerung).

96 Ronjat I, 162.

97 Dagegen Diphthongierung vor [t] < -LLVOR, 8 47.

98 Für die aprov. Diphthongierung des [6] vor [u] < -V- ist eine derartige Schwierigkeit nicht maßgeblich; vielleicht weil auf Grund der in der alten Sprach- periode wirksamen ‘tendance pr£&palatalisante du franco-roman’ (Dory RLR LXVII, 442) die stärkere Rundung im Anfangsteil des [6] mit palataler Zungenstellung, also mit einer stärkeren Diff. der Zungenbewegungen verbunden wurde. Die so entstandene Lautung [Wou] war in den meisten Mundarten auch nur eine ‘phase sans dur&e’. Im übrigen ist zu berücksichtigen, daß die angegebenen Tendenzen immer nur räumlich und zeitlich begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten ausdrücken.

99 Die gleiche Tendenz wird beobachtet, wenn umgekehrt ein durch folgendes [-t] ‘bedingter’ Diphthong [wo] die Vokalisierung [-1] > [-4] verhindert hat; Bei- spiele gibt Ronjat II, 305, 308, 312.

92

Verzeichnis der Abkürzungen.

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Arnavielle = A. Arnavielle, Lous Cants de l’Aubo (Nimes 1868).2

Aberlene = E.Aberlenc, Las Cevenolos (Po6sies languedociennes. Introduction et glossaire. Alais 1893).3

Amat = L. Amat, Sus la Ribo daou Gardou (Alais 1912). (Enthält außer eigenen Gedichten die Übertragung einiger Fabeln von La Fontaine und Florian in die - Mundart von Ales.)4

Cabanis = L. Cabanis (1785—1862) schreibt die ocev. Mundart von Av£ze (Gard).5

Bigot = A. Bigot (1825—1897), Li Bourgadieiro (le &d. Nimes 1862). Die ‘Euvres completes’ (4e ed. Nimes 1924) haben die Rechtschreibung der Feliber statt der enger an die gesprochene Mundart angelehnten Rechtschreibung des Verfassers. Bigot schreibt das Prov. von Nimes.

3 Wörterbücher und Atlanten.

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Bouc. = L. Boucoiran, Dictionnaire analogique et Eetymologique des idiomes meridionaux. Nouv. ed. Nimes-Paris 1898.

Couz. = J. Couziniä&, Dictionnaire de la langue romano-castraise, Castres 1850.

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Homb. = M. de’Hombres et G. Charvet, Dictionnaire languedocien-

francais (dialecte c&venois). Alais 1884.

ı Vgl. F. Donnadieu, Les precurseurs des Felibres. Paris 1888. L’abb& Rouviere, La Renaissance languedocienne dans les Cevennes, en regard du Felibrige. Alais 1892.

2 Arnavielle schreibt (wie de Lafare) die Mundart von Ales, nicht die Mundart von Montpellier, wie Höfele 27 irrtümlich angibt; vgl. Glaize RLR I, 70—73.

3 Ferner die ‘galejado’ ‘Lou Canounge manca’.

4 Amat bedient sich (wie de Lafare) der Rechtschreibung von Sauv., jedoch mit stärkerer Anlehnung an das frz. Vorbild.

5 Vgl. Bauquier Ro VIII, 114—117,

97

Levy I-VIII = E. Levy, Provenzalisches Supplementwörterbuch. Leipzig 1894 bis 1924.

Raynouard I-IV = F. Raynouard, Lexique roman ou dictionnaire de la langue des troubadours. Paris 1838—1844.

Rivoire I-II = H. Rivoire, Statistique du Dep. du Gard. Nimes 1842.

Sauv.I-II = P. de Sauvages, Dictionnaire languedocien-francais. Nouv. &d. Alais 1820—1821.

Seguier = L’abb&e S&guier, Dictionnaire cevenol (unvollendetes Manuskript; vgl. RLR XVII, 65; Bauquier RLR XVI, 297—300 hat kurze Auszüge in Form von Nachträgen zu Homb. veröffentlicht).

E. Thomas = E. Thomas, Dictionnaire topographique du Dep. de l’HErault. Paris 1865.

Vays. = L’abb& Vayssier, Dictionnaire patois-francais (lou diciounari rouergat). Rodez 1879.

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REW = W. Meyer-Lübke, Romanisches etymologisches Wörterbuch. 3. Aufl. Heidelberg 1935.

TF = F. Mistral, Lou tresor döu Felibrige. Avignon-Paris 1878.

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ALL = Archiv für lateinische Lexikographie und Grammatik. Leipzig 1883—1908.

AM = Annales du Midi. Toulouse 1889 ff.

ARo = Archivum romanicum. Genf 1917 ff.

ASNSL = Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen. Elberfeld- Braunschweig 1846 ff.

BDC = Butlleti de dialectologia catalana. Barcelona 1913 ff.

BLR = Bulletin linguistique, publi6e par A. Rosetti. Paris-Bukarest 1933 ft.

BSL = Bulletin de la Societe de linguistique de Paris. Paris 1871 ff.

GRM = Germanisch-romanische Monatsschrift. Heidelberg 1909 ff.

MNL = Modern Language Notes. Baltimore 1886 ff.

MPh = Modern Philology. Chicago 1903 ff.

MSL = M&moires de la Societe de linguistique de Paris. Paris 1868 ff.

Neoph = Neophilologus. Groningen 1915 ff.

NSpr = Die neueren Sprachen. Marburg 1893 ff.

RDR = Revue de dialectologie romane. Brüssel-Hamburg 1909—1914.

RLR = Revue des langues romanes. Montpellier-Paris 1870 ff.

RLiR = Revue de linguistique romane. Paris 1925 ff.

RPGR = Revue des patois galloromans. Paris-Neuchätel 1887—1893.

Ro = Romania. Paris 1872 ff.

RF = Romanische Forschungen. Erlangen 1883 ff.

RR = The Romanic Review. New-York 1910 ff.

RS = Romanische Studien. Berlin 1897 ft.

VKR = Volkstum und Kultur der Romanen. Hamburg 1928 ft.

VP = Prouvenco! (1905—1907) bzw. Vivo Prouvenco! (seit 1908). Avignon.

ZFSL = Zeitschrift für französische Sprache und Literatur. Jena-Leipzig 1879 ff.

ZRPh Zeitschrift für romanische Philologie. Halle 1877 ££.

®

Il

5:-S0n8st41808:

Ass. = Assimilation; Diss. = Dissimilation;

Diff. = Differenzierung, ‘differenciation’ nach Meillet MSL XII, 14 ff.

vlat. = vulgärlateinisch;

rom. = romanisch;

aprov. = altprovenzalisch (im weiteren Sinne); afrz. = altfranzösisch;

sfrz. = südfranzösisch, provenzalisch im weiteren Sinne;

prov. = provenzalisch im engeren Sinne: die modernen Mundarten der Provence (einschl. der Gegend von Nimes);

lang. = languedokisch;

cev. = cevennisch, ‘cevenol’ oder ‘cevenois’: die lang. Mundarten der Cevennen;

ncev. = niedercevennisch, ‘bas-cevenol’: die lang. Mundart des südlichen Vor- landes, die zugleich in enger Beziehung zum benachbarten Prov. steht;6

ocev. = obercevennisch, ‘haut-c&venol’: die lang. Mundart des eigtl. Gebirgslandes.

cne = commune, con = canton,

f. = ferme, h. = hameau, q. = quartier,

6 Vgl. Lamouche RLR XLIII, 356.

LEBENSLAUF.

Als Sohn des Schiffsingenieurs Peter Fentroß und seiner Ehe- frau Martha, geb. Stürmer, wurde ich, Paul Peter Gott- fried Fentroß, am 19. August 1909 in Hamburg geboren. Ich besuchte die Bismarck-Oberrealschulle zu Hamburg, die ich Michaelis 1927 mit dem Zeugnis der Reife verließ, Darauf studierte ich an den Universitäten Hamburg und Breslau Romanistik und austronesische Sprachen. Im Sommer 1931 machte ich auf An- regung von Herrn Prof. Dr. Krüger eine Studienreise nach Süd-

frankreich.